Düsseldorf: Jürgen Meyer – Künstler mit Goldfinger

Düsseldorf: Jürgen Meyer – Künstler mit Goldfinger

In der Galerie Hans Strelow stellt derzeit der gebürtige Celler aus. In Düsseldorf ist der Anhänger des Informellen bestens bekannt. Früher spielte er aktiv Fußball bei Hannover 96, heute hängt er treu an Fortuna Düsseldorf.

Wie kostbare Kleinode schimmern die Bilder an den Wänden der Galerie Hans Strelow. Auf kleinformatigen Leinwänden umwellen sich Gold und Schwarz in pastosem Farbauftrag, bronzefarbene Schlieren ziehen sich zart über weißen Grund, rötliches Metall schimmert unter silberner Kruste, und Schwarz und Silber strömen wie zähes Magma über den Bildgrund.

Der Schöpfer dieser ungeheuer dichten, reliefartigen Tafeln ist Jürgen Meyer, einst Schüler von Raimund Girke, Joseph Beuys und Erwin Heerich und selbst Professor unter anderem in Kassel. Zahlreiche seiner seit den frühen 2000er Jahren entstandenen abstrakten Werke sind aus metallischen Farben. Die Färbungen der Feuchtschliffbronze, dem Metallstaub, den er mit einem Bindemittel und Öl zu Farben verrührt, variieren von rötlichem Kupfer und Silber über sogenanntes mattgoldenes Reichgold bis zu goldgelbem Reichgold. Die Abstufungen sind teils so subtil, dass sie sich erst bei längerem Betrachten unterscheiden, und teils so kontrastreich, als lägen sie im spielerischen Wettkampf miteinander.

Meyer schüttet die Farbe auf das auf dem Boden liegende Trägermaterial, ganze Blöcke erarbeitet er so. Die Kompositionen, die sich mal voluminös aus dem Bild schieben, mal subtil wie Rinnsale über den Hintergrund schlängeln, entstehen ohne vorgefassten Plan, so erklärt es der Künstler: Es ist eine Mischung aus Zufall und Erfahrung. "Im Entstehen sehe ich, im Sehen lasse ich entstehen", das berichtet er.

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Jürgen Meyer konzentriert sich in den Metall-Bildern auf kleine Formate: "Sie sind kompakt, nicht flüchtig, in sich offen und dennoch geschlossen", erläutert der Vater zweier Kinder, der einst in der A-Jugend von Hannover 96 spielte, jetzt treuer Fortuna-Fan ist und bis heute keine Sportschau versäumt. Die Verwendung von Gold sieht er als Gratwanderung an, immer in der Gefahr, dass sie an Kitsch grenzt. Auch sein Lehrer Beuys arbeitete mit Gold, ebenso die bewunderten Kollegen Yves Klein und Marcel Duchamp. Meyer, der in Düsseldorf wohl der einzige Künstler ist, der bei Schmela, Konrad Fischer und Strelow ausstellte, zählt zu den informellen Künstlern; zu seinen Heroen rechnet er die abstrakten Expressionisten Clifford Still, Barnett Newman und in Deutschland K. O. Götz.

Wie diese Kollegen so blieb auch Meyer jenseits der Strömungen und Forderungen des Marktes konsequent in seiner Abwendung von der Figuration und dem Vorrang der reinen Malerei und der Farbe.

Es ist schön, diesen Maler wieder zu entdecken.

(RP)
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