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Jüdische Künstler im Goethe-Museum Düsseldorf

Ausstellung im Goethe-Museum : Auf der Suche nach jüdischer Identität

Im Goethe-Museum sind Bücher, Plakate und Graphiken zu sehen, mit denen jüdische Künstler zur Moderne aufschlossen.

Gerade wurde im Goethemuseum die Ausstellung „Mack und Goethe“ noch bis Ende Juli verlängert. Schon gibt es einen weiteren Grund, das Schloss Jägerhof zu besuchen: In einem eigens gestalteten Raum des Museums wurde die Ausstellung „Jüdische Künstler in jiddischen Büchern und Zeitschriften“ eröffnet.

Die Zeichnungen und Graphiken machen deutlich, dass viele jüdische Avantgarde-Künstler sich mit der Frage beschäftigten, wie eine sogenannte jüdische Kunst beschaffen sein müsste. Prominente Vertreter auf der Suche nach einer national-kulturellen Identität waren Marc Chagall und El Lissitzky. In der Schau sind aber auch hierzu weniger bekannte russisch-jüdische Zeitgenossen vertreten. Die Ausstellung entstand aus der Zusammenarbeit der Professorinnen Andrea von Hülsen-Esch und Marion Aptroot. Beide lehren an der Heinrich-Heine-Universität, Hülsen-Esch am Institut für Kunstgeschichte, Marion Aptroot am Institut für Jüdische Studien.

Aus den Beständen der Universität- und Landesbibliothek hatten sie bereits vor vierzehn Jahren eine Ausstellung über jüdische Illustratoren gestaltet und waren in der Folge auf die „LS Collection“ des Van Abbemuseums in Eindhoven aufmerksam geworden. Die Buchstaben stehen für die beiden Kunsthistoriker Albert Lemmens und Serge Stommels, die dem niederländischen Museum eine Sammlung von 15.000 Werken überlassen haben. Sie besteht aus Künstlerbüchern, Kinderbüchern, Broschüren, Plakaten, Graphiken, und Zeitschriften der russischen Kunst seit 1900. Teile dieser Sammlung sind jetzt in Düsseldorf zu sehen.

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Natürlich sucht man bei den Exponaten sofort nach dem bekannten Namen Chagall, wird aber schon bald abgelenkt durch die wunderbaren Arbeiten anderer, weniger bekannter Künstler. Dass nur ein kleiner Teil jener jüdischen Avantgarde es zu einem großen Namen brachte, liegt laut Andrea von Hülsen-Esch auch an dem mangelnden Sprachvermögen derer, die Kunstgeschichte schreiben.

Fast alle jiddischen Bücher, die jetzt in der Düsseldorfer Ausstellung zu sehen sind, wurden mit hebräischen Schriftzeichen verfasst. Hebräisch war die Sakral- und Schriftsprache, Jiddisch hingegen die Umgangssprache der Aschkenasischen Juden, die vor der Revolution von 1917 im russischen Zarenreich lebten.

Viele der damals modernen jiddischen Literaten waren überzeugt, dass sich die eigene Literatur nur im Rahmen der europäischen Literatur entfalten könne. Dabei beriefen sie sich auf Goethes Konzept der Weltliteratur. In dem sehr empfehlenswerten Katalog mit dem Titel „Jüdisches Erwachen“ beschreibt Daria Vakhrushova, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Heine-Universität, die Entstehung der „jiddischen Moderne“ als Kunstprojekt in Russland und den Gebieten der Emigration.

Marc Chagall war die Leitfigur der jüdischen Emigranten aus Osteuropa. Er gestaltete das erste jiddische Kinderbuch „A mayse mit a hon, Dos tsigele“ (Eine Geschichte über einen Hahn, Das Zicklein). Sein Freund El Lissitzky illustrierte ebenfalls Kinderbücher, von denen „Had Gadya“ (Ein Zicklein) eines der berühmtesten ist.

Beide Künstler setzten sich in ihren Arbeiten mit traditionellen jüdischen Ornamentformen auseinander, die sie zum Teil auf Grabsteinen fanden. Im damaligen Russland stand der Druck jiddischer Bücher in hebräischen Buchstaben allerdings immer wieder kurzzeitig auf dem Index. Gleichzeitig gab es unter den jüdischen Emigranten einen ideologischen Kampf zwischen Befürwortern des Hebräischen und des Jiddischen.

Ein auffallend prachtvolles Exponat der Schau ist das Titelblatt der von 1922 bis 1924 in Berlin erschienenen Zeitschrift „Milgroym“ (Granatapfel). Deren Doppelausgabe, zusammen mit der hebräischen Fassung „Rimon“, hatte den Zweck, „eine ganzheitliche jüdische Kultur in linguistischer, literarischer und stilistischer Vielfalt zu verwirklichen.“