Düsseldorf: Jochen Busse: "Düsseldorf liebt mich"

Düsseldorf : Jochen Busse: "Düsseldorf liebt mich"

Das Stück "Achtung Deutsch" wurde als beste Komödie ausgezeichnet. Nun ist es im Theater an der Kö zu sehen.

Er hat nur wenig Zeit. Am Vormittag muss schnell ein Durchlauf geprobt werden, dann geht es nach Köln, dann mit dem Flieger nach München. "Dort habe ich am Abend noch mal einen Durchlauf." Jochen Busse ist zwar nicht richtig im Stress, aber doch schon ganz schön eingespannt. Und das im zarten Alter von 73, in dem man in Deutschland ganz generell schon die Rente genießen und es eigentlich ruhiger angehen lassen könnte. Bei Busse ist das anders: "Bis 2016 weiß ich, was ich tue", sagt der Mann, der seit den 70er Jahren immer wieder in Düsseldorf auf der Bühne steht oder - wie jetzt - selbst Regie führt.

"Achtung Deutsch" heißt das Stück, das ab heute wieder im Theater an der Kö gespielt wird. Es bleibt bis zum 14. September im Programm - "weil es schon vor drei Jahren so gut angekommen ist", sagt Jochen Busse. Diese Co-Produktion mit dem Contra-Kreis-Theater Bonn wurde gerade bei den Privattheatertagen in Hamburg als "Beste Komödie" mit dem Monica-Bleibtreu-Preis ausgezeichnet. Schauplatz ist eine Wohngemeinschaft, in der viele Nationen vertreten sind. Die Hausverwaltung denkt aber, dass dort eine deutsche Familie lebt - was den Syrer, Franzosen, Österreicher, Italiener in der WG in Nöte bringt. Eigentlich aber sind sie alle deutsch ...

Jochen Busse arbeitet zurzeit mehr als Regisseur, steht aber auch nach wie vor als Kabarettist auf der Bühne. 50 Termine hat er noch mit seinem aktuellen Programm "Wie komm' ich jetzt da drauf ?" Auch Düsseldorf steht dabei am 16. November auf seinem Tourkalender. Natürlich im Kom(m)ödchen. "Dort spiele ich Kabarett, Theater dann bei Robby Heinersdorff." Im Kom(m)ödchen gehörte Busse schließlich drei Jahre zum festen Ensemble.

Nach diesen 50 Terminen aber ist es vorbei mit Kabarett für Jochen Busse. Vor allem mit den ständigen Reisen. "Deutschland ist ja schön aus dem Zug, aber diese Reiserei, ständig immer wieder neue Hotels - das ist mir mittlerweile alles zu lästig." Ihn nerven vor allem viele Kleinigkeiten auf diesen Reisen, "die entwickeln dann ihre Eigengesetzlichkeiten". Auch wenn man mit diesen Auftritten in ganz Deutschland viel Geld verdienen könne ("Die Künstler sind ja jeden Abend am Umsatz beteiligt"), will er sich das nicht mehr antun. In Düsseldorf dagegen fühlt sich der gebürtige Iserlohner und jetzige Wahl-Berliner ("Ich bin seit acht Jahren wieder verheiratet und der Liebe wegen nach Berlin gezogen") wie zu Hause. "Überall kennen mich die Leute, sprechen mich auf meine Rollen an, sogar auf dem Carlsplatz kennt man mich", lacht Busse. Für ihn steht fest: "Düsseldorf und Düsseldorfer lieben mich." Diese Liebe kann er gut erwidern. Besonders toll findet er, dass "der Düsseldorfer" sehr gerne ins Theater geht.

Zieht dabei ein Jochen Busse mehr ins Theater als No-Name-Schauspieler? "Ein bekannter Name zieht natürlich immer, aber das hat mit mir nicht so viel zu tun, sondern mehr mit einem Stück. Die Leute wollen einfach gut unterhalten werden und heiter nach Hause gehen." Und genau das verspricht Busse auch wieder mit "Achtung Deutsch". In einigen Theatern, in denen diese Multi-Kulti-Komödie gespielt worden sei, "hat sich ja fast die Decke gehoben", so sehr hätten die Zuschauer gelacht.

Jochen Busse ist vielen auch durch seine Fernsehauftritte in "7 Tage, 7 Köpfe" bekannt geworden. Dafür erhielt er vor zehn Jahren den Sonderpreis für "Popularität und Ausdauer" bei der Verleihung des Comedypreises. Zurzeit ist der Schauspieler, Regisseur und Kabarettist aber selten im Fernsehen zu sehen. "Dafür habe ich im Moment gar keine Zeit, und die Angebote, die ich bekomme, sind nicht allzu verlockend." Dann doch lieber die Bühne. In München hat er am 10. September in der Komödie im Bayrischen Hof Premiere mit "Eine ganz heiße Nummer" nach dem gleichnamigen Film: In einer bayrischen Kleinstadt schließt der Tante-Emma-Laden, und drei Frauen beschließen, ihr Geld mit Telefonsex zu verdienen. In diesem Fall ist es wichtig, dass die Darsteller im bayrischen Dialekt sprechen. "Dialekt vermittelt den Zuschauern immer ein Gefühl von Heimat und Identität." Und im Februar ist Jochen Busse wieder in Düsseldorf: Dann spielt er den "Pantoffel-Panther" im Theater an der Kö - ein schlecht gelaunter Grantler, der mit einem Profi-Killer verwechselt wird.

(RP)