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Ausstellung: Ironie auf der Küchenzeile

Ausstellung : Ironie auf der Küchenzeile

Im Hetjens-Museum wird jetzt ist die Ausstellung "Musterküche" gezeigt. Zu diesem harmlos scheinenden Thema haben neun Keramikerinnen ihre Fantasie spielen lassen und ihre Ideen mit den Werkstoffen Ton und Porzellan umgesetzt.

Im Zwischengeschoss des Hetjens-Museums tanzen die Teller. Ute Lohse hat daraus einen kleinen Berg geformt. "Sie verzahnen sich, neigen sich einander zu, entfernen sich wieder", beschreibt sie ihre "Drehmomente". An der Wand dahinter liegt ein Stück Seife auf einem Bord, umrahmt von Fliesen, für deren zartes Muster Imke Freiberg Spitze mit Glasur getränkt und aufgedruckt hat. "Vor dem Essen nicht vergessen", betitelte sie ihr Werk.

Deftiger wird's ein paar Schritte weiter. Von der Decke baumeln zwei rosa Schweinefüße, in drei Blecheimern schwappt eine undefinierbare Brühe mit Knochen und anderen Resten, die eine Hausschlachtung so mit sich bringt. "Angenehm warm" nannte Marie-Luise Meyer ihre Installation mit feiner Ironie. Sie ist auch den anderen Arbeiten der nun eröffneten Ausstellung "Musterküche" zu eigen. Zu diesem harmlos scheinenden Thema haben neun Keramikerinnen ihre Fantasie spielen lassen und ihre Ideen mit den Werkstoffen Ton und Porzellan umgesetzt.

Die Schau wurde in Halle konzipiert, wo die Künstlerinnen seit 2007 das Forum für zeitgenössische Keramik betreiben, und macht jetzt Station in Düsseldorf. Zu oft werde Keramik als Kunsthandwerk abgetan, kritisieren die Absolventinnen der renommierten Hochschule in Halle, die als eine der wenigen eine Keramik-Ausbildung anbietet. Sally Schöne, Leiterin des Düsseldorfer Hetjens-Museums, war überzeugt von der Qualität der Objekte. "Diese Künstlerinnen brauchen ein Podium", bekräftigt sie. "Wir haben zuvor nur Einzelobjekte gezeigt, aber nie eine solche Gesamtinszenierung."

Johannes Strahl hob in seiner Rede zur Vernissage den Charme der Präsentation hervor, "auch in ihrer ironischen Brechung." Es geht nur vordergründig um Küchen-Utensilien. Dahinter verbergen sich Reflexionen über Nutzungsmöglichkeiten, Essenszubereitung und nicht zuletzt die Rolle der Frau am Herd — aber stets augenzwinkernd. Judith Runge zeigt bei "Sammelsurium" eine geöffnete Schublade, aus der 167 Teile quellen. Nutzloser Krimskrams, wie er wohl in jedem Haushalt aufbewahrt wird. Ute Brade verfremdete eine simple Kartoffelpresse. "Ich benutzte sie nie, sah aber immer eine Plastik in ihr." Nun ist sie museumsreif. Genau wie das bleiche Huhn im Herd, die zerflossene Tiefkühlkost in "abgetaut", die wie ein Schattentheater anmutenden Gefäße vor einem bemalten Lichtkasten. Oder Antje Scharfes "Still-Leben 1+2" aus geschmolzenen Glasgefäßen. "Unordnung, ästhetisch betrachtet", kommentiert sie ihr Werk.

(RP)