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Interview Jürgen Kron vom Droste Verlag in Düsseldorf über Heimatbücher

Interview mit Verlags-Geschäftsführer : „Bücher mit Heimat sind die Zukunft“

Die Düsseldorfer lesen seit Ausbruch der Corona-Pandemie mehr – vor allem Regionales. Das berichtet Jürgen Kron vom Droste Verlag, dessen Spezialität derSchwerpunkt „Bücher mit Heimat“ sind.

Die Absage der Leipziger Buchmesse im März hat den Buchmarkt getroffen, im April haben die Umsätze – wie in vielen anderen Branchen auch – laut der Fachzeitschrift „Buchreport“ ein „historisches Tief“ erreicht. Mittlerweile hat sich der Buchmarkt erholt, mehr noch: Viele Menschen sind durch die Wochen des Lockdowns so viel zum Lesen gekommen wie schon lange nicht mehr. Und es gibt eine Sparte, der die Corona-Pandemie einen besonderen Schub verliehen zu haben scheint: die der Regionalliteratur. Genau die ist die Spezialität des Düsseldorfer Droste Verlag, dessen Schwerpunkt „Bücher mit Heimat“ sind.

Herr Kron, Sie verlegen vor allem Bücher mit Heimatbezug – vom Wanderführer über Sachbücher bis zu Romanen. Lesen die Menschen in Düsseldorf seit Ausbruch der Corona-Pandemie mehr regionale Bücher?

Jürgen Kron Ja, eindeutig. Das Interesse an Büchern zur Heimat ist deutlich gestiegen, wobei vor allem Ausflugs- und Wanderführer stark nachgefragt sind. Seit die Buchhandlungen wieder geöffnet haben, verkaufen wir rund 50 Prozent mehr Wanderführer als davor, das ist für uns ein richtig großer Sprung. Vor allem laufen solche gut, die ruhige und entspannende Touren vorschlagen. Die Leser suchen nach Anregungen, um sich unkompliziert im Freien zu bewegen. Man sieht das auch in den Buchhandlungen: Dort, wo früher die Bücher zu Thailand oder den USA lagen, findet man jetzt Wanderführer für die Eifel oder Radführer am Niederrhein. Viele Menschen entdecken gerade, wie schön es ist, die nähere Umgebung zu entdecken, wie viele „Glücksorte“ es dort gibt und wie gut man gerade in schwierigen Zeiten in seiner Heimat die Seele baumeln lassen kann.

Was sind besonders beliebte „Glücksorte“ in Düsseldorf?

Kron Davon gibt es viele, am schwersten fällt die Auswahl. Die einen möchten frühmorgens durch den Nordpark joggen, die anderen den Abend am Abend noch einen Killepitsch im „Et Kabüffke“ trinken. Mein persönlicher Glücksort ist die Ackerstraße mit den vielen unterschiedlichen Geschäften, von denen einige auch in unserem Buch zu finden sind.

Manche bleiben momentan ja vielleicht auch am liebsten zu Hause und nutzen die Zeit für einen Roman zum Schmökern – gibt es da welche, die momentan besonders gerne gelesen werden?

Kron Unsere Ruhrpot-Krimis von Lotte Minck werden zur Zeit sehr stark nachgefragt. Sie sind unterhaltsam, ein bisschen augenzwinkernd und dabei immer spannend. Mir gefällts! Und wer etwas über Düsseldorf zur Zeit Napoleons erfahren möchte, sollte sich unbedingt „3 Tage im November“ von Christa Holtei anschaffen: Gut erzählt und vor allem sehr gut recherchiert.

Gibt es jetzt schon mehr Bücher zu Düsseldorf und Umgebung?

Kron Zu Düsseldorf und Umgebung gibt es sehr schöne Bücher, etwa die „Glücksorte in Düsseldorf“ oder auch ein Buch zu Radtouren auf alten Schienenwegen in Nordrhein-Westfalen. Und wer gerne etwas über die Geschichte Düsseldorfs lesen möchte, dem empfehle ich unser Buch „Düssel.Dorf.Stadt.Geschichte.“ Da kann ich Ihnen versprechen, dass Sie so die Stadtgeschichte noch nie gelesen haben! Der Band kommt allerdings erst in ein paar Tagen in die Buchhandlungen.

Corona hat ja in vielen Bereichen auch die Digitalisierung vorangetrieben. Bemerken Sie eine gestiegene Nachfrage nach E-Books?

Kron Nein, im Gegenteil: Zuhause sitzen die Menschen den ganzen Tag vor dem Bildschirm, da genießen sie es, wieder ein richtiges Buch in den Händen zu halten. Und sie merken: Bücher fühlen sich gut an, riechen gut und sprechen so alle Sinne an.

Sähe Ihr Herbstprogramm normalerweise anders aus?

Kron Nein, unsere Bücher kommen beim Publikum sehr gut an, da werden wir nichts ändern.

Urlaub vor der eigenen Haustüre ist momentan so gefragt wie nie. Glauben Sie, die eigene Region hat Chancen auf ein bleibendes Interesse bei ihren Bewohnern, auch wenn Corona irgendwann überstanden ist?

Kron Davon bin ich überzeugt. Es schont das Klima und den Geldbeutel, es ist abwechslungsreich und erholsam, und das Schönste: Man ist sofort da! Bücher mit Heimat sind die Zukunft.