Lesung : Lyrik im Heine-Haus über die Raumfahrt

Drei Lyriker und eine Philosophin haben im Heine-Haus gezeigt, wie sich die Lyrik durch die Raumfahrt verändert hat. Zu Gast waren Joanna Vortmann, Marie-Luise Heuser, Lydia Daher, Ulrich Beck und Yevgeniy Breyger.

Vor fünfzig Jahren war es soweit: die ersten Menschen setzten ihren Fuß auf die staubige Haut der Frau Luna. Wie aber hat sich seither der lyrische Raum durch die Raumfahrt verändert? Welche Bilder und Metaphern sind neu entstanden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines spannenden Abends im Heine-Haus unter dem Titel „Space Poetry“. Drei Lyriker und eine Philosophin gaben Einblicke in ihre Raumfahrtdichtung.

Den Anfang machte die Kölner Künstlerin Joanna Vortmann mit „Sounds of the Vacuum“. Weil es im Weltraum mangels Trägersubstanz keine Klänge gibt, wohl aber Plasmastürme, Magnetfeldbewegungen und andere Turbulenzen, haben Wissenschaftler diese Schwingungen in den hörbaren Bereich (20 bis 20000 Hertz) verschoben. Vortmann komponierte hieraus eine Musik in drei Sätzen. Danach versetzte Marie-Luise Heuser von der TU Braunschweig den Beginn der Raumfahrtdichtung gleich um 500 Jahre zurück: In seinem Werk „De Immenso“ habe Giordano Bruno bereits virtuelle Reisen ins All unternommen. Danach hörte man Gedichte von Lydia Daher, Ulrich Beck und Yevgeniy Breyger. Raumfahrtlyrik, die unterschiedlicher kaum sein könnte. Vor allem Beck zeigte sich von der rasanten Eroberung des Alls begeistert: „Es gibt keinen Tag mehr ohne Raumfahrt.“ Damit meinte er die zahllosen Systeme, die unser Leben bestimmen. Sein Gedicht „Moon Racer“ beschrieb eine Art Formel-eins-Rennen im All. Der Frankfurter Yevgeniy Breyger gab sich weiter als mondsüchtig zu erkennen. Hingegen träumt die Berlinerin Lydia Daher von einer lyrischen Eroberung des Weltalls: „Mit einer einzigen Verszeile möchte ich vom Küchentisch aus auf dem Jupiter landen.“ Claus Clemens

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