Düsseldorf: In Düsseldorf über Köln lästern

Düsseldorf : In Düsseldorf über Köln lästern

Die Kabarettistin Ruth Schiffer wird über Politik und Frauenfragen spotten.

Sie freut sich auf Düsseldorf und das Theater Flin, weil man hier besonders schön über Köln lästern kann: Über den U-Bahn-Bau etwa und die blauen Wunder, die man mit ihm erlebt. In Düsseldorf war Ruth Schiffer von 1992 bis 1995 Mitglied des Kom(m)ödchen-Ensembles. Sie hat am Kom(m)ödchen viel gearbeitet - sich dort erst ans Schreiben getraut. "Wenn wir Tagespolitisches ins Programm nahmen", sagt sie, "habe ich mir allein oder mit Autoren Texte auf den Leib geschneidert."

Anschließend hat die streitlustige Kabarettistin und Sängerin aus Köln für den WDR gearbeitet. Seit 2007 schreibt sie für die Stunksitzung: als erste Frau für eine Veranstaltung, die bereits seit 1984 den Kölner Karneval aufmischt. Sie war zwölf Jahre mit Barbara Beckmann unterwegs und tritt jetzt mit ihrem dritten Soloprogramm auf: "Blaue Wunder".

Die "blauen Wunder" sind der rote Faden der vielfältigen Themen. Es geht um Kindheit im katholischen Rheinland, wo man mit Wundern groß werde, erzählt sie. Um das Wunder Mann im Haushalt. Oder den "Krieg der Kulturen". Damit meint Schiffer unter anderem, dass in Deutschland sehr viel Geld auf kurzem Dienstweg zusammengebracht wurde, um Bankenrettung zu betreiben. "Aber nur ein Bruchteil davon ist für Kinder und Jugendliche vorgesehen, und selbst das muss mühsam zusammengekratzt werden. Da sieht man, was systemrelevant ist und was nicht."

Sie ist politisch, witzig, bissig, sehr engagiert. Als wir über Frauenthemen sprechen, redet sie sich richtig in Rage. "Ich finde es ungeheuerlich, in einem Land zu leben, in dem nur ein geringer Anteil an Frauen im Vorstand von Dax-Unternehmen tätig ist", sagt sie. "Oder dass Frauen nicht gut bezahlt werden und die Kinderbetreuung so erbarmungswürdig schlecht organisiert ist."

Sie ärgert sich darüber, dass sie ständig mit Leuten zu tun hat, die das nicht stört. "Jede Frau müsste Feministin sein, wenn sie zwei und zwei zusammenzählen kann", meint Schiffer. Sie tritt für die Quote ein: "Alle Studien zeigen, dass es Unternehmen besser geht, wenn Frauen mitbestimmen. Sie können aber erst etwas bewirken, wenn ihr Anteil bei 30 Prozent liegt." Um dahin zu kommen, sei die Quote nötig.

Nicht nur Politik und Wirtschaft, auch die Kabarettszene streut nicht gerade Rosen für Frauen aus. Männer bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit und die besten TV-Plätze, meint Schiffer. Warum ihre Arbeit sie dennoch reizt? "Ich darf mich mit Themen beschäftigen, die mich zornig machen, und über sie reden", erklärt sie. "Und dann lässt man mich auch noch singen."

Info "Blaue Wunder". Theater FLIN, Ackerstraße 144, 23. Oktober, 20 Uhr.

Ruth Schiffter - Blaue Wunder im Theater FLINgern: Tickets bei westticket.de.

(RP)