Düsseldorf: Im Tanzhaus rücken sie zusammen

Düsseldorf: Im Tanzhaus rücken sie zusammen

Residenzkünstlerin Ligia Lewis stellte ihre Produktion "minor matter" vor. Im Stück geht es um Rassismus.

Die Choreographin Ligia Lewis ist zurzeit eine der drei sogenannten Factory Artists im Tanzhaus NRW. Die Position eröffnet ihr auch die Möglichkeit, eigene Produktionen zu zeigen. Nun stellte sie ihre Arbeit "minor matter" vor - was ist das für Lewis, eine "unwichtige Angelegenheit"? Eine Sache ganz ohne Bedeutung kann es nicht sein, denn in der einstündigen Performance der drei dunkelhäutigen Tänzer geht es um Rassismus. Spielt der Titel also an auf Wahrnehmungsdefizite des überwiegend weißen Publikums? Ligia Lewis erklärt: "Mein Körper ist dazu verurteilt, immer etwas für ein weißes Publikum zu produzieren. Aber mein Körper kann mehr sein als nur ein Abbild eurer racial phantasies."

Zu Beginn bleibt die Bühne völlig ohne Licht. Nebelrauch lässt drei Figuren erahnen. Vom Band hört man von der Sehnsucht, einmal in eine andere Haut schlüpfen zu können. Bei höfischer Musik wird es Tag, und drei Gliederwesen schälen sich aus dem Nebel, um mit Jahrmarktposen aufzutrumpfen. Lewis und die beiden männlichen Tänzer Jonathan Gonzales und Tiran Willemse biegen ihre Körper in immer neue Spannungsposen, um sie dann Stahlfedern gleich in die Ruhehaltung zu entlassen. Immer dichter rücken die Tänzer zusammen, bis daraus ein sechsbeiniges Tier entsteht. Im Kleinen Saal des Tanzhauses reicht die Bühnenfläche jetzt kaum mehr aus, die erste Zuschauerreihe zuckt zurück.

"Wenn du etwas werden willst in deinem Traumberuf", heißt es schließlich, "dann brauchst du unglaublich viel Disziplin und Agilität." Es folgen Flugversuche, die in Frust und Verzweiflung enden. Bei den ersten Schlagzeugtakten aus Ravels "Bolero" rückt die Truppe noch enger zusammen, was zuvor kaum möglich erschien. Laserstrahlen und Schwarzlicht verstärken die bedrohliche Atmosphäre. Für die Rettung bleibt nur die Flucht in die Höhe. An den Zugstangen der Scheinwerfer endet die Performance. Auch unabhängig von der intendierten Botschaft, der "Blackness" in einer von Weiß dominierten Welt, hat man tolles Tanztheater erlebt.

(RP)