Düsseldorf: Im Rausch der Lieder: Shakespeare im Theaterzelt

Düsseldorf: Im Rausch der Lieder: Shakespeare im Theaterzelt

Der Abend "Searching For William" ist ein erstaunliches Ding. Schon, was hier zusammenkam, mag überraschen: Der Großteil der Dresdner Pop-Band Polarkreis 18, die 2008 den Überhit "Allein, Allein" hatte, fand sich für das Nebenprojekt Woods of Birnam mit dem Schauspieler Christian Friedel zusammen, der im "Sandmann" im Schauspielhaus spielt. 2012 schrieb die Gruppe Lieder für eine "Hamlet"-Inszenierung. Friedel entpuppte sich dabei als wandlungsreicher Sänger mit butterweichem, dunklem Timbre. Aus ihrer Beschäftigung mit Shakespeare entstand eine eigene Inszenierung.

Blitze durchzucken das Theaterzelt, als die Zuschauer ihre Plätze einnehmen. Doch dann Verwirrung: Wieso verlassen nach fünf Minuten alle die Bühne? Es sind Shakespeares Worte, die wie Luftgeister durch aus den Lautsprechern zittern, die Friedel und Band zurück auf die Bühne locken. In der Folge wirkt er wie getrieben von dieser Zaubersprache. In fünf Akten ist Friedel ein Liebender, der die Musen um Inspiration anfleht, ist Hamlet im Wahn der Visionen, ist Macbeth, Hexe und Elfenkönigin. Irgendwann sind die Zuschauer in einem Rausch aus Text und Klang, der Ohrwurmqualitäten entwickelt - als sei William in Wirklichkeit Songschreiber gewesen.

(RP)