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"Tag des offenen Ateliers": Im Oldtimerbus zur Kunst

"Tag des offenen Ateliers" : Im Oldtimerbus zur Kunst

Einsteigen bitte: An den Tagen der offenen Ateliers, "Kunstpunkte" genannt, knattern Oldtimerbusse im Auftrag des Kulturamts durch Düsseldorf. Und Künstler zeigen den Mitfahrern als Stadtführer der anderen Art, wie ihre Kollegen arbeiten und leben. Ein Lagebericht.

In andere Zeiten fahren, ferne Welten erkunden: Wer den rot-weißen Bus aus dem Jahr 1954 besteigt, der an den Rheinterrassen hält, den erwartet in diesem Sinne eine Stadtführung der besonderen Art. Er lernt Orte kennen, zu denen er sonst nicht käme, und sieht, wie Menschen leben und arbeiten, die teils meilenweit von seinem eigenen Mikrokosmos entfernt existieren.

Lehrerin Doris Bellot aus Gerresheim kennt das schon von der Kunstpunkte-Tour aus dem vergangenen Jahr. Sie ist ebenso wie die anderen in der Gruppe von 20 Leuten, in der sich Laienmalerinnen und Hobby-Kunstfans ebenso wie Kenner zusammenfinden, neugierig auf die Ateliers, welche die Malerin Melanie Richter und der Wortkünstler Frank Schablewski ihr diesmal zeigen.

Denn die beiden begleiten die dreistündige Tour zu ausgewählten Arbeitsräumen im Süden Düsseldorfs und erklären einiges, aber nicht alles — es geht ja darum, Kunst zu erleben. Oder denjenigen, der sie erschaffen hat, selbst zu befragen. Wobei das häufigste Anliegen lautete: "Darf ich fotografieren?"

Manches muss auch einfach im Bild festgehalten werden, sonst würde man es nachher nicht mehr glauben. So entpuppen sich die ersten Stationen des Busses als Zeitreise in die 1960er Jahre. Die Besucher betreten die "soziale Plastik" von Tom A. Hawk. So nennt er in Anlehnung an Joseph Beuys das Haus in Bahnhofsnähe, in dem er mit seinen Künstlerkollegen lebt.

Transparente Kirchengrundrisse hängen vor den Fenstern seiner Wohnung und tauchen die Räume in ein blau-rotes Licht, wenn die Sonne scheint. Keiner sagt etwas dazu, außer Hawk. Der verkündet, man könne auch in sein Schlafzimmer gehen, es sei aufgeräumt.

Nebenan öffnet Mecki M. Martin sein Ladenlokal, das er offenbar schon seit Jahrzehnten gemietet hat. Dort umgeben ihn Zeugnisse seiner Arbeit aus Vergangenheit und Gegenwart — wie Bilder von Büffeln und farbige Kreise, welche die Astrologie der Indianer verdeutlichen sollen. "Ich brauche den direkten Zugriff auf all diese Werke", sagt Martin.

Die Gruppe steht noch unter dem Eindruck der fast archaischen Verbindung von Kunst und Privatleben, da geht es auch schon weiter. Nicht ohne dass Führer Frank Schablewski darauf hinweist, welche Besonderheit es sei, die städtisch geförderten "intimen Gedankenräume der Künstler" kennenzulernen.

Wie unterschiedlich die sein können, das zeigt sich unterwegs immer mehr: Die jungen Künstlerinnen Jessica Prentzel und Jeannette Schnüttgen haben erst vor wenigen Wochen ein weiß gekacheltes Häuschen nahe der Erkrather Straße bezogen. Auf nacktem Betonboden zeigen sie ihre Rauminstallationen, erzählen aber auch, dass sie eine Art offenes Atelierhaus haben, in dem man gemeinsam an künstlerischen Prozessen teilhaben wolle.

Ein geschlossenes Duo bilden im Gegensatz dazu offensichtlich die Maler Axel Brandt und Jens Buhl: Im Hinterhof eines Oberbilker Jahrhundertwendehauses haben sich die beiden Mittvierziger niedergelassen. Dort entstehen etwa die monumentalen Historienbilder Brandts, von denen eines eine Raumfähre mit ausgefahrenem Bremsschirm zeigt.

Davor hat der Künstler eine Installation mit knubbeligen Panzern und schlapp daliegenden Flugzeugen aufgebaut, die ihre Zielfernrohre und Flügel müde hängen lassen: Sein zehnjähriger Ludwig hat sie aus Ton geknetet, und der Vater sieht darin "eine Reihe von Dingen, die nicht funktionieren".

Von hier fährt der Oldtimerbus die Gruppe dorthin, wo 19 Künstler sich unter dem Dach eines früheren Bürohauses an der Lierenfelder Straße eingerichtet haben. Man zerstreut sich, um zu staunen, und findet sich nachher gut gelaunt wieder, um die Rückfahrt anzutreten.

Ein heißer Tag war es, der Bus hatte keine Klimaanlage, und für manches Atelier blieb nur wenig oder gar keine Zeit. Macht nichts, das gehört zur Fülle der Eindrücke dazu. Und der eine oder andere bucht gleich die nächste Tour fürs kommende Wochenende.

(RP)