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Düsseldorf: Im Musikkeller des Tonhallen-Intendanten

Düsseldorf : Im Musikkeller des Tonhallen-Intendanten

Die klassische Musik ist der Beruf von Michael Becker. Trotzdem wird der 48-Jährige nun Stargast des "Popmusikalischen Quartetts".

Michael Becker wurde mal von Patti Smith übers Knie gelegt. Becker war 13 damals, er saß in der ersten Reihe, als die Sängerin im Sprengel-Museum in Hannover ein Konzert gab, und er machte die ganze Zeit Quatsch. Die genervte Patti Smith bat den Jungen schließlich auf die Bühne, legte ihn sich quer über den Schoß und tat, als würde sie seinen Hintern versohlen. Mancher würde für diese Erinnerung einiges geben.

Am 26. März ist Michael Becker Stargast des "Popmusikalischen Quartetts" im Kulturzentrum Zakk, und wer nun denkt, für den Intendanten der Tonhalle und der Düsseldorfer Symphoniker sei das ein ungewöhnlicher Termin, der irrt. "Ich kann Popmusik mit großer Begeisterung hören", sagt Becker. "Ich gönne mir eine gewisse Naivität dabei und entwickle auch kein musikwissenschaftliches Engagement." Wenn ein Lied im Radio läuft, er es beim Einkaufen im Geschäft hört oder eines seiner vier Kinder ihn auf einen Song aufmerksam macht, sagt er, ob das Stück ihm gefällt oder nicht. Gelungen findet er zum Beispiel, was der Rapper Cro produziert. "Hello" von Lionel Richie hingegen bringt ihn auf die Palme. Becker rennt zum Flügel, der im Wohnzimmer an der Fensterfront zur Terrasse platziert ist, spielt den Song an und redet sich in Rage. "Popmusik darf schlicht sein, aber sie muss satztechnisch funktionieren." In "Hello" gebe es eine fiese Terzparallele, das dürfe nicht sein.

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Michael Becker lebt mit seiner Familie in Derendorf, und die eindrucksvolle CD-Sammlung des 48-Jährigen befindet sich im Keller des Hauses. Tausende Scheiben lagern da, klassische Musik zumeist, aber auch eine Produktion der Soulsängerin Randy Crawford aus dem Jahr 1997: "Every Kind of Mood: Randy, Randi, Randee". Becker ist im Booklet der Platte als Solist vermerkt, er erwähnt das nicht ohne Stolz. "Das Album wurde von Mousse T. in Hannover produziert. Ich kenne ihn aus Schulzeiten, und als er ein Orchester für die Aufnahmen zusammenstellte, erinnerte er sich an mich."

Der Niedersachse Becker wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Die Mutter arbeitete als Musikpädagogin, sie leitete den erweiterten Musikunterricht an einer Grundschule, und einmal war dort auch der Komponist Hans Werner Henze zu Gast. Der Vater war Präsident der Musikhochschule in Hannover. "Im Plattenregal meiner Eltern stand fast ausschließlich die Avantgarde, Stockhausen und all die anderen." Es gab nur eine Pop-Band, die akzeptiert wurde: die Beatles. Einer von Beckers zwei älteren Brüdern spielte sie ihm vor, das war die popmusikalische Initiation.

Die Brüder sorgten auch für die Horizonterweiterung: Elton John, später Rap von Grandmaster Flash. "Mein Bruder bat meinen Vater mal um Geld, weil er sich ein Konzert von Roxy Music ansehen wollte. Mein Vater antwortete: Geh doch lieber zu Frank Zappa." Becker pflegte andere Vorlieben: Ich mochte Christopher Cross. Kitsch. Ich hatte eine skurrile Sammlung von Platten; das war meine kleine Welt." Becker sang im Knabenchor, er lernte Geige und Bratsche. "Und ich war für alle Einströmungen dankbar, bei denen man kein Vorwissen mitbringen muss. Das ist das Schöne an Popmusik, dass sie in kürzester Zeit mit geringen Mitteln ein klares Bild vor dem Hörer ausbreitet. Pop wirkt wie ein Comic, Jazz ist dagegen eine feine Zeichnung."

Becker zog 1985 nach Düsseldorf und nahm sein Musikstudium auf. Einmal fuhr er nach Köln, und weil er einen CD-Walkman besaß, kaufte er sich an der Kö für die Reise das Album "Bad" von Michael Jackson. Das Album hörte er im vergangenen Jahr zur Freude der Kinder auf der Autofahrt in den Urlaub noch einmal. "Man begegnet den Liedern wieder, und sofort stellen sich Erinnerungen ein: die Brücke, über die man damals fuhr und so etwas." Im Grunde ist genau das die Essenz von Pop: "Er wirft dich zurück, das ist unglaublich. Er funktioniert wie eine Zeitreise."

(RP)