Düsseldorf: Im Kunstpalast wird genau gerechnet

Düsseldorf : Im Kunstpalast wird genau gerechnet

Der neue Kaufmännische Leiter des Museums am Ehrenhof nimmt Arbeiten in Angriff, die überfällig waren. Er wirkt kompetent, unaufgeregt – und keineswegs wie ein Spar-Berserker.

Der neue Kaufmännische Leiter des Museums am Ehrenhof nimmt Arbeiten in Angriff, die überfällig waren. Er wirkt kompetent, unaufgeregt — und keineswegs wie ein Spar-Berserker.

Wenn eine Familie am Ende des Jahres feststellt, dass sie mehr ausgegeben als eingenommen hat, ist es höchste Zeit, Abhilfe zu schaffen. Das gilt ebenso für Wirtschaftsbetriebe und andere Institutionen, die mit ihrem Etat leben müssen — also auch für Museen.

Im Museum Kunstpalast hat man es mit dieser Regel lange Zeit nicht so genau genommen. Schon seit der Ära Jean-Hubert Martin gilt das Haus als kostspielig: Andere Museen — das ist in der Branche unumstritten — erbringen vergleichbare Leistungen für weitaus weniger Geld. Auch Beat Wismer, Künstlerischer Leiter des Hauses, weiß das und führt als Erklärung allenfalls den hohen Aufwand an, der zur Unterhaltung des bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Komplexes am Ehrenhof nötig ist. Die vorhandenen Mittel besser einzusetzen, diesen Weg hat man im Museum Kunstpalast bislang noch nicht ernsthaft verfolgt.

Jetzt soll alles anders werden. Denn sowohl im Jahr 2010 als auch 2011 ist trotz teilweise großartiger, publikumsträchtiger Ausstellungen jeweils ein Verlust von 2,5 Millionen Euro entstanden. Selbst das vorige Jahr mit den Ausstellungen El Greco und Andreas Gursky erbrachte wirtschaftlich nur eine "schwarze Null". Also berief man Harry Schmitz (45), bislang bei Eon tätig, zum neuen Kaufmännischen Leiter mit der Maßgabe, jene Empfehlungen umzusetzen, welche die Berater von Boston Consulting ausgearbeitet hatten.

Schmitz wirkt nicht wie ein Sparkommissar, der den Ruf des Hauses aufs Spiel setzen würde, nur um seine finanziellen Ziele zu erreichen. Eher erweckt er den Eindruck eines kunstliebenden Pragmatikers, der am liebsten da spart, wo es die Aufgaben des Hauses am wenigsten berührt. Das bedeutet viel Kleinarbeit: Die Büroräume werden jetzt statt täglich nur noch zweimal pro Woche gereinigt — macht 30 000 Euro pro Jahr weniger.

Statt eines Druckers an jedem Arbeitsplatz gibt es künftig zentrale Drucker — macht eine Einsparung in "kleiner fünfstelliger Höhe" aus. Wenn man Ausstellungswände so platziert, dass sie auch für die nächste Schau taugen, lassen sich 50 000 Euro pro Jahr sparen. Ein geplanter Personalabbau — ohne betriebsbedingte Kündigungen — von derzeit 66 auf 50 Vollzeitstellen erbringt ein Übriges und beschert den Angestellten nach dreijähriger Pause sogar eine Gehaltserhöhung.

Im laufenden Jahr sollen Schmitz zufolge die Kosten um mehr als drei Millionen Euro sinken, gleichzeitig wird allerdings der Erlös gegenüber dem Vorjahr um vier Millionen geringer ausfallen. Bis Ende 2014 will man aus den roten Zahlen kommen.

Woran liegt es, dass der Kunstpalast so unwirtschaftlich arbeitet? Wismer und Schmitz sind sich einig: Es ist zu schlecht geplant worden. Wenn kurzfristig Transporte anberaumt werden, sind sie erheblich teurer, als wenn sie von langer Hand geplant wären. Bislang hatte niemand den Mut, das zu ändern.

(RP)
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