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Schauspielhaus Düsseldorf: Hinreißend: "Figaro" in Düsseldorf

Schauspielhaus Düsseldorf : Hinreißend: "Figaro" in Düsseldorf

"Figaro" läuft neuerdings im Schauspiel und ist doch keine Konkurrenz zur Oper, sondern eine ebenso hinreißende wie komische Weiterführung – entschlackt, verspielt und intelligent. Wer im Opernhaus den reichlich verwickelten "Figaro"-Stoff noch nie richtig verstanden hat, wird in der szenischen Verdichtung von Regisseur Markus Bothe, die kurz vorm Jahreswechsel im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspiels Premiere hatte, klar sehen und an die Hand genommen.

"Figaro" läuft neuerdings im Schauspiel und ist doch keine Konkurrenz zur Oper, sondern eine ebenso hinreißende wie komische Weiterführung — entschlackt, verspielt und intelligent. Wer im Opernhaus den reichlich verwickelten "Figaro"-Stoff noch nie richtig verstanden hat, wird in der szenischen Verdichtung von Regisseur Markus Bothe, die kurz vorm Jahreswechsel im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspiels Premiere hatte, klar sehen und an die Hand genommen.

Bothe fällt geradezu mit der Tür ins Haus, es dauert nicht lange, bis der Zuschauer schon vieles ahnt oder sogar weiß, was kommt: Dass es um die Verwirrungen des Herzens geht und um die Konfrontationen der Stände. Und dass der Treibstoff des Geschehens am Hofe des Grafen Almaviva neben Ränkespielen und Aufbegehren vor allem Liebe, Lust und Leidenschaft ist.

Wer sich jetzt nicht vorstellen kann, dass "ganz normale" Schauspieler die Aufgaben von Opernsängern übernehmen und anspruchsvolle Mozartpartien beglückend schön darbringen können, wird auch eines Besseren belehrt. Dieses Ensemble ist musikalisch, man hat perfekt mit ihm geprobt. Einige Schauspieler haben wandlungsfähige Stimmen wie etwa Anna Kubin, die als hinreißende Susanna Rezitative und Koloraturen originell nachformt. Das klingt völlig ungewohnt und doch angenehm. Selbst wenn sie neckisch-säuselnd "Ach, du Scheiße" repetiert, weiß man, dass derlei Drastik bei Mozart selber durchaus hätte ausgesprochen werden können.

Letztlich hat die Musik in dieser Bearbeitung eine wertige Modernisierung erfahren, und Mozart bleibt dabei doch Mozart, selbst wenn die Arie zum Song und das Orchester durch zwei Cembali oder ein Akkordeon ersetzt wird.

Die Bühne hat Robert Schweer als geschlossenen Raum gebaut; in die hohen, ornamental tapezierten Wände hat er genial verdeckte Öffnungen eingelassen fürs ausgelassene Spiel. Am Boden wurde edles Intarsienparkett verlegt. Es gibt keine Möbel, nur Instrumente. Zehn Menschen stellen sich eingangs in einer Reihe auf. Und sie sehen toll aus, die Frauen und Männer, deren Mimik unter dickem Puder gefriert, deren wallende Perücken allen kommenden Bäumchen-wechsel-dich-Spiele dienen. Eine Frau — es ist Marcellina — trägt einen Mops auf dem Arm, der Hugo heißt, im Stück aber "Mozart", was nichts zu bedeuten hat. "Mozart" jedenfalls bellt nicht. Aber er befördert die kleinen komischen Momente allein durch seine Auftritte. Als zusätzliche Pointe fügt sich der Hund in die dichte und dynamische Regie.

Nach dem Staunen über die Ouvertüre — die ohne Geigen und Bläser auskommt, sondern auf der Silbe "pam" a capella gesungen wird — folgt anhaltendes Staunen über gestraffte Handlung und neue Musik. Und Freude über Schauspieler wie Moritz Führmann als gockelhaften Graf, Florian Jahr als fahrigen Figaro, Simin Soraya als charmant-durchtriebenen Cherubino, Stefanie Reinsperger, Verena Reichhardt und Steffen Schortie Scheumann. Auch ohne die virtuosen Bühnenmusiker Kornelius Heidebrecht und Henning Beckmann, die mehrere Instrumente beherrschen und das Bühnenspiel dazu, ginge die verwegene Regie-Idee nicht auf.

Das Eindringliche und die stillen Töne kommen bei allem Spaß nicht zu kurz: Wenn die Gräfin Almaviva ihr klagendes Lied anstimmt über den verlorenen Liebsten, dann wird es im Theater ganz still, denn Claudia Renner berührt die Herzen.

Mozart ist mit Respekt behandelt worden, und er hat eine beglückende Fortschreibung in die Moderne erfahren. Das auffallend junge Publikum applaudierte sehr heftig.

"Figaro" dauert zwei Stunden und läuft im Düsseldorfer Schauspiel am Gustaf-Gründgens-Platz. Karten: 0211 369911.

(RP/rai)