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Heribert Prantl im Düsseldorfer Schauspielhaus: Aufruf zum Mutigsein

Heribert Prantl im Düsseldorfer Schauspielhaus : Aufruf zum Mutigsein

Zum Abschluss der Festtage am Düsseldorfer Schauspiel sprach Heribert Prantl.

Mit einer solchen Rede müsste jeder Tag beginnen. Mit einem Aufruf zum Mutigsein, zum unerschrockenen Gestalten der Gegenwart und zum Widerstand gegen die Feinde der Demokratie. Die jungen Aktivisten der Fridays-For-Future-Bewegung könnten sich mit den Beschützern Geflüchteter abwechseln oder mit Menschen wie Sylvia Joos aus Hoerstgen, die nicht müde wird, ihrem Nazi-Nachbarn die Stirn zu bieten. Sie alle haben viel zu sagen. Ihrem Engagement für die Rettung des Planeten und der Freiheit sind Botschaften erwachsen, die einen daran erinnern, warum es wichtig ist, täglich für eine tolerante Gesellschaft einzutreten. Heribert Prantl, Jurist, Journalist und Autor, hat Sonntagvormittag die Besucher im ausverkauften Düsseldorfer Schauspielhaus mit einem Plädoyer für den Widerstand in die neue Woche geschickt: Geschichte ist machbar, sie kommt nicht über einen, Zukunft ist nichts Festgefügtes.

Prantls Vortrag „Widerstand und Ungehorsam als Tugend“ beendete die Festtage zum 50. Geburtstag des Schauspielhauses. Dessen Eröffnung hatte 1970 mit dem Protest derjenigen begonnen, die nicht akzeptieren wollten, dass nur geladene Gäste Zutritt zu einem Haus hatten, dessen Aufgabe es war und ist, Kultur und Bildung unter die Menschen zu bringen. „1970 begann die 1968er-Zeit in Düsseldorf“, amüsierte sich Prantl, um dann keinen Zweifel daran zu lassen, wie ernst es ihm ist mit seinen Ausführungen zu Revolte und Wertschätzung des Grundgesetzes, in Zeiten, in denen die europäische Verfassung „von Nationalisten und Populisten gewürgt“ werde.

„Warum“, fragte Prantl, „machen heute die Falschen Geschichte? Warum dürfen AfD-Politiker Menschen mit Migrationshintergrund Kümmeltürken schimpfen?“ Es bräuchte die Power der 1968er, die kein Programm, aber „Lust auf Aufbruch“ gehabt hätten und einen scharfen Blick auf den Nationalsozialismus; die nicht bereit gewesen wären, „die Trumps und Höckes, die Gaulands und Orbans auszuhalten“.

 Aus den Revolutionären von damals seien Autoritäten geworden: „Joschka Fischer wurde Außenminister, Jürgen Trittin Umweltminister. Vielleicht ist Greta Thunberg in 30 Jahren Präsidentin der Europäischen Kommission.“ Die Fridays-For-Future-Bewegung habe eine Wirkkraft entfaltet, für welche die 1968er viel länger gebraucht hätten. „Und auch sie haben sich nicht einschüchtern lassen“, sagt Prantl.

Er erinnerte an die Ideale der Weimarer Republik, aus denen unser Grundgesetz hervorging, und an den Mut der Widerstandsbewegung Die Weiße Rose. Deren Aufforderung „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!“ möchte der Jurist als Verpflichtung für jeden Demokraten verstanden wissen. Dem Handeln, das daraus resultiert, wohnt eine ungeahnte Schönheit inne, die schon Ovid besungen hat. Prantl zitiert ihn zum Abschluss: „Glücklich, wer das, was er liebt, auch wagt, mit Mut zu beschützen.“ Begeisterter Applaus.