Tonhalle : Helge und sein Alter Ego

Das künstlerische Multitalent Helge Schneider trat mit seinem Programm "Buxe voll" samt Band in der nahezu ausverkauften Tonhalle auf. Das Publikum war begeistert und wusste sich vor Lachen kaum zu helfen.

Mitten im Lied "Der Meisenmann" brach Helge Schneider am 29. Mai während eines Auftritts in Salzburg zusammen. Für Wochen wurden alle Konzerte abgesagt. Jetzt konnten sich über 1300 Helge-Fans in der nahezu ausverkauften Tonhalle davon überzeugen, dass der 56-jährige Musik-Clown aus Mülheim wieder obenauf ist, zumindest was seinen Gesundheitszustand angeht. Das rund zweistündige Programm inklusive "Meisenmann" und Zugabe absolvierte Schneider ohne unliebsame Überraschungen, leider auch ohne Überraschungen jeglicher Art. Die waren aber auch gar nicht nötig, denn das Publikum reagierte mit einer Art Pawlowschem Reflex und schüttelte sich bereits vor Lachen, als Schneider nur über die Bühne stolzierte und ansonsten nichts Lachhaftes passierte.

Er ist zu einer Marke geworden

Schneider musste sich nur hinter seine antike Orgel klemmen und "Katzeklo" anstimmen, und schon wurde der angejahrte Vortrag als spaßige Offenbarung schlechthin erlebt. Helge Schneider ist längst eine Marke, da musste er nichts mehr beweisen, da konnte er beruhigt "alte Lieder mit neuen Texten" und "neue Lieder mit alten Texten" anstimmen. Gleich ob "Butter Song" oder "Der Schönheitschirurg aus Bananien", das Publikum wusste sich vor Lachen kaum zu helfen. Eigentlich musste er nur noch er selbst, respektive sein Comedy-Ego, sein. Auf die Tradition des ständig drangsalierten Tee-Butlers Bodo Oesterling sowie die des trolligen Ausdruckstänzers Sergej Gleithmann wollte Schneider nicht verzichten. Aus seinen Liedern blitzte noch immer das respektable Können eines versierten Multiinstrumentalisten, aber das Zusammenspiel mit Sandro Giampietro (Gitarre), Willy Ketzer (Schlagzeug) und Rudi Olbrich (Kontrabass) wirkte zu sehr durcharrangiert, auch wenn Schneider ("wer richtig spielt, spielt falsch") schon mal bewusst Fehler eingebaut hat. Die Band wurde zu reinen musikalischen Wasserträgern degradiert. Tyree Glenn jr. vervollständigte die Gästeliste.

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Mit Wehmut dachte man an alte Zeiten mit "Hardcore" zurück. Zuletzt fand Helge Schneider in dem englischen Weltklasse-Schlagzeuger Pete York einen idealen humorigen Gegenpart, während Jimmy Woode nicht immer den Eindruck machte, als ob er wüsste, was der Klamauk um ihn herum eigentlich soll. Vielleicht hat sich der umtriebige Workoholic Schneider mit seiner Benefiz-Tour für ein "eigenes kleines Häuschen und ein Rasenfleckchen für Bodo" einfach zu viel zugemutet. Mittlerweile kommt sein Anarcho-Humor allzu routiniert über die Bühne, es fehlt an spontaner Leichtigkeit. Aber leicht gesagt, wenn die Buxe voll ist. Das Publikum jedenfalls war restlos begeistert.

(RP)