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Helge Achenbachs Affen unter dem Hammer

Düsseldorf/ Köln : Achenbachs Affen unter dem Hammer

Mehr als 2500 Werke aus der Insolvenzmasse des in U-Haft sitzenden Kunsthändlers werden in Düsseldorf und Köln versteigert. Die "Achenbach Collection" umfasst Werke von Beuys, Gursky, Richter und Freund Immendorff.

Noch ist alles streng geheim, was sich in den gigantischen Lagern im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt abspielt. Sie liegen abseits, an einem industriell geprägten Ort, der schon vor der aufsehenerregenden Auktion, die sich dort nächsten Monat abspielen wird, mit Kunst zu tun hatte. Einst waren die weitläufigen Hallen Atelier und Lager des Fotokünstlers Thomas Ruff. Zuletzt dienten sie dem weltweit agierenden Kunsthändler Helge Achenbach als eines von mehreren Lagern. In einem der Schuppen hatte er seine Oldtimer untergebracht, doch sie sind längst nicht mehr da. Jetzt, nachdem er wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde - gegen das Urteil ist er in Revision gegangen - und seine Kunstsammlung nur noch als Insolvenzmasse bezeichnet wird, ist in Düsseldorf-Heerdt das Kölner Auktionshaus Van Ham eingezogen.

Viele Auktionshäuser haben sich darum beworben, die Kunstwerke aus dem ehemaligen Besitz Helge Achenbachs versteigern zu dürfen, schließlich wird - vorsichtig geschätzt - alleine bei der Düsseldorfer Auktion ein Erlös von drei bis dreieinhalb Millionen Euro erwartet. Insider sagen: "Da ist noch Musik drin." Insolvenzverwalter Marc d'Avoine hat sich, um die Forderungen der Gläubiger in zweistelliger Millionenhöhe zu befriedigen, für eine Zweiteilung des Kunst-Kuchens entschieden und neben Van Ham in Köln Sotheby's in London etwa 100 Spitzenwerke zur Versteigerung überlassen. Sotheby's wird zwei Wochen später als Van Ham am 2. Juli Werke aus der Achenbach-Sammlung in seiner "Contemporary" versteigern. Blättert man diesen Auktionstag online durch, stößt man etwa auf Werke von Sigmar Polke und Günther Uecker, die beide bekanntermaßen von Achenbach gesammelt wurden.

Doch noch hüllen sich die britischen Kunstexperten in Schweigen, sagen nicht, ob sie mit dem Namen Achenbach oder lieber ohne ihn zu nennen auf höhere Verkaufserlöse zielen. Wie zu hören ist, könnte die Liste der angeblich 100 Werke auf 50 Spitzenstücke zusammenschmelzen und in Einzelauktionen eingefügt werden. Sicher ist davon auszugehen, dass Bilder von Peter Doig und eine riesige Skulptur von Tony Cragg in London versteigert werden. Wenn Achenbachs hochpreisige Bilder von Gerhard Richter sich in der Insolvenzmasse befinden, wie die Fotoübermalungen mit dem Titel "Kerze", dann sind diese sicher in London gelandet.

Auf dem Auktionsmarkt werden 50 Prozent des gesamten Umsatzes weltweit mit 100 Künstlern gemacht. Die andere Hälfte fächert sich in tausende Künstler mit mehr oder weniger bekannten Namen auf. Van Ham hat in Düsseldorf auch Gerhard Richter im Angebot. Aber es sind kleinere Werke. Das Kölner Unternehmen hat der Insolvenzmasse ein eigenes Label verpasst, sogar einen Stempel dafür gedruckt. Die "Achenbach Collection" umfasst alles, was Rang und Namen hat. Denn der Kunstvermittler, der sich beim Handeln persönlich über die Maßen und mitunter illegal bereichert haben soll, hatte ein gutes Näschen, seine Sammlung spiegelt einen Querschnitt mit unglaublicher Vielfalt. Fast jedes Bild, so klein es auch ist, ist ausgefallen und interessant. Die Liste ist alphabetisch geordnet, auf Siegfried Anzinger folgen so klangvolle Namen wie etwa Boris Becker, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Walter Dahn, Peter Doig, Hans Peter Feldmann, Günther Förg, Claus Föttinger, Erwin Heerich, Axel Hütte, Oda Jaune, Imi Knoebel, Markus Lüpertz, Heinz Mack, Meuser, Albert Oehlen, Nam June Paik, A. R. Penck, Otto Piene, Klaus Rinke, Tal R., Antoni Tàpies, Günther Uecker, Stefan Wewerka und Wolf Vostell.

Wenn das Gros dieser mehr als 2500 Werke unter den Hammer kommt, dann sind große Künstler zu kleinen Preisen im Angebot. Ein Foto von Andreas Gursky, der weltweit als der teuerste Fotokünstler gilt, wird mit einem Startpreis von 3000 Euro versteigert. Auch die frühen Porträtaufnahmen, die Thomas Ruff direkt nach dem Studium bekanntmachten, sind dabei - ab 600 Euro. Bei Joseph Beuys kam man mit 28 000 Euro einsteigen, und bei den Affenskulpturen von Jörg Immendorff richtet sich der Preis nach der Höhe der Bronzen. Sind sie nur 15 Zentimeter hoch, kosten sie rund 1500 Euro, die lebensgroßen bis 35 000 Euro. Die Affen dominieren das Angebot und weisen zurück auf die Künstlerfreundschaft zwischen Achenbach und Immendorff. Mündlich abgesprochen war, dass Achenbach all diese Skulpturen, mehr als 400 an der Zahl, für seinen Freund Jörg verkaufen sollte. Den Gewinn wollte man sich teilen. Eine Abmachung, die nach dem Tod Immendorffs im Jahr 2007 Witwe Oda Jaune gegen Achenbach klagen ließ. Sie unterstellte, dass der Freund ihres Mannes nicht alle Affen-Erlöse abgegeben hatte, und forderte eine halbe Million Euro.

Die Affen tragen alle den Stempel der Gießerei. Auch der berühmteste Affe mit dem Beuys-Kopf und dem kleinen Künstler Immendorff an der Hand steht längst nicht mehr vor Helge Achenbachs ehemaligem Restaurant in Düsseldorf, sondern in der Auktionshalle. Fertig zum Verkauf. Van-Ham-Chef Marcus Eisenbeis (46) hat das alles generalstabsmäßig vorbereitet. Es ist der Coup seines Lebens.

(RP)