Halloween: FFT-Kammerspiele zeigen die Premiere von „HorrOr What?!“

Halloween : Die Monster in uns

Am Halloween-Abend gibt es in den FFT-Kammerspielen die Premiere von „HorrOr What?!“

Auch wenn die Dramaturgin Verena Meis das eher als Zufall bezeichnet: Die Premiere von „HorrOr What“ findet bezeichnenderweise am Halloween-Abend in den FFT-Kammerspielen statt. Während auf den Straßen und Gassen die Rübengeister mit Kürbislaternen umherziehen und in den Geschäften alle Arten von Horror- und Monstermasken großen Absatz finden, beschäftigt sich die Autorengruppe „LiFFT“ mit dem Horror als einer modernen Form des Märchens.

In einem Werkstatt-Verfahren haben die Mitglieder fünf neue Texte entwickelt, die einen blutroten Faden spinnen über die Schrecken, die uns umgeben, und die vielen Monster, die in uns selbst wohnen. Entstehen soll daraus ein Theaterabend, „der sich zuhause mit garantierter Schlaflosigkeit fortsetzt“. Das Ergebnis wurde in die Hände von Rainar Ortmann gelegt, der als Regisseur aus den verschiedenen Monstern ein Kaleidoskop über den Horror unserer Zeit weben soll.

Horror und Monster kennt man weniger aus der Welt des Theaters als aus dem Film. Je nach Seh-Erfahrung oder der Fähigkeit zu emotionaler Distanz erlebt der Zuschauer die Schrecken auf der Leinwand als (Alpträume produzierende) Abartigkeit oder als schnell vergessenes Entertainment. In Büchern wirkt der Horror bei den Lesern länger nach. „Natürlich hatten wir bei unserem Projekt auch die Klassiker der Fantastik im Kopf“, erläutert Verena Meis, die einen der Texte geschrieben hat. „Aber für das größere Grauen reicht es, wenn ich mir bestimmte alltägliche Situationen anschaue.“

Diese These haben die LiFFT-Mitglieder, die sich selbst ein „Konglomerat“ nennen, in einem Beiheft auf die Probe gestellt. Sehr viel Theoretisches ist darin zu lesen, Manches derart verklausuliert, dass der Leser den thematischen Überblick verliert. Vielleicht ist das aber gerade die Absicht, nämlich den täglichen Horror mit Terminologie zu umhüllen, ihn mit einer Sprach-Panade verdaulicher zu machen.

Aber es geht auch deutlicher: „Wir brauchen die Angst. Weil sie uns antreibt. Sie gebietet es uns, sie selbst abzuschaffen, indem wir gegen die Möglichkeit des Eintreffens ihrer tatsächlichen Ursachen angehen. Meistens geht sie dann.“ An anderer Stelle heißt es: „Horror ist nicht gleich Angst. Horror hat keine Hoffnung auf ein Ende. Horror ist nicht Warten auf Lösung, er ist eine Kapitulation. Horror ist Angst zum Selbstzweck, ohne Verbindung zur gewohnten Welt.“

Beim Besuch einer der letzten Proben zeigt sich dann, wie Reinar Ortmann die ihm in die Hände gelegten Texte für die Bühne verarbeitet hat. Den Zuschauer erwartet eine Dystopie, eine wenig erfreuliche Vision unserer Zukunft in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht. Eine Zukunft, die sich selbst das Licht abgedreht hat. Angesichts der Hysterie in der aktuellen Klimadebatte gewinnt ein Teil der hier gezeigten Vision eine bedrohliche Nähe, die Angst macht. Hierzu noch ein Zitat: „Ein Mangel an Gründen, Angst zu haben, kann gefährlich sein.“

Es spielen Philipp Alfons Heitmann, Katharina Hintzen und Josia Krug. Eine entscheidende Rolle wird auch die Video-Einspielung von Kay Özdemir haben. Wer „seinen“ Halloween-Abend in den Kammerspielen feiert, kann sich zumindest den Kauf  von Horror- und Monstermasken ersparen.

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