Düsseldorf: Gianna Nannini gibt Liebe zurück

Düsseldorf: Gianna Nannini gibt Liebe zurück

In der Mitsubishi-Electric-Halle begeistert die Rocksängerin mit alten Hits.

"I Maschi" ("Die Männer"), einer der größten Hits von Gianna Nannini und einer der schönsten Popsongs, die je geschrieben wurden, beginnt mit einem Bassmotiv, das über einer Synthesizer-Fläche schwebt - auch bei ihrem Konzert in der Mitsubishi-Electric-Halle. Binnen Sekunden sind alle Gefühle wieder da, die man auch beim ersten Hören 1987 hatte: Melancholie, Romantik, die Erinnerung an sommersüße Liebeleien im Deckmantel der Nacht.

Man muss Gianna Nannini dankbar sein für diese Lieder, und die rund 2000 Fans, die am Abend gekommen sind, sind mehr als das. Als ihr Idol, eine schlanke, aber muskulöse Frau im weißen Gewand, auf die Bühne schwebt und zum ersten Mal ihre markant knarzende, röhrende Stimme erhebt, schreien Fans in der ganzen Halle: "Gianna!" Als ob sie in verschlungenen Gassen einer toskanischen Stadt eine lang vermisste Freundin um die Ecke kommen sehen.

In ihrem Heimatland Italien hat Gianna Nannini in den vergangenen Jahren erstaunliche Erfolge gefeiert und mit Alben wie "Hitalia" mit Covern italienischer Hits oder "Amore Gigante" wochenlang die Charts dominiert.

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Hierzulande ist die von Janis Joplin inspirierte Rockröhre ein Phänomen der 1980er und frühen 1990er Jahre. Das war die Zeit, in der die meisten der gekommenen Fans junge Erwachsene waren. 25 Jahre später feiern sie diese Jugend, erinnern sich bei "Scandalo" an die Skandale, die Gianna Nannini mit ihren gesellschaftskritischen Platten und Liedtexten, die offen Sex thematisierten, auslöste.

"Sex-Appeal" ist dann auch das erste Wort, das der nicht italienischsprachige Teil des Publikums - nach den Gesprächen im Foyer zu urteilen ist er in der Unterzahl - versteht. Es stammt aus dem Hit "Latin Lover", mit dem die Sängerin alle im Saal schon in der ersten Minute ihres Auftritts aus den Sitzen zwingt.

Die Verehrung, die der 63-Jährigen entgegenschlägt, die agil, mal ausgelassen, mal elegant über die Bühne springt und tanzt, ist riesig. Und die Liebe, die sie bekommt, gibt Gianna Nannini tausendfach an ihr Publikum zurück: Mit ihrer gut aufgelegten fünfköpfigen Band, drei Backgroundsängerinnen und einem perfekten, klassischen Rocksound spielt sie alle vorstellbaren Hits angefangen bei "Fotoromanza" bishin zu "Bello e Impossibile", und trotzdem mag sie am Ende niemand gehen lassen.

(mfk)