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Düsseldorf: Gewaltausbruch beim Latte Macchiato

Düsseldorf : Gewaltausbruch beim Latte Macchiato

Sabine Klewe schreibt Thriller, in denen es mitunter grausam zugeht. Dabei ist die Autorin alles anderes als brutal.

Der kalte Novembertag ist im gemütlichen Café nah am Rhein gut auszuhalten. Sabine Klewe trinkt Tee in der "Alten Bastion" am Rathausufer und spricht über die vielen Bücher, die sie schon geschrieben hat. An anderen Tagen arbeitet sie hier: allein oder mit ihrem Partner Martin Conrath, der ebenfalls Thriller schreibt und außerdem gemeinsam mit ihr historische Romane unter dem Namen Sabine Martin verfasst. Auch Teile von Klewes neuem Krimi sind hier entstanden: "Wer nicht hören will, muss sterben". Es ist der zweite Band einer Serie, die unter dem Pseudonym Karen Sander erscheint.

Die Heldin ist Liz Montario, eine Profilerin, deren Bruder ausgerechnet ein Serienkiller ist. Der erste Fall - "Schwesterlein, komm stirb mit mir" - erschien vor einem Jahr und hat es bis nach oben auf die Bestsellerlisten geschafft. Im jetzt veröffentlichten zweiten Band ist Liz nach England gezogen, wohnt in einem Cottage und arbeitet an einer Uni in Liverpool. Wegen ihres Bruders wollte sie Deutschland verlassen. "Sie ist aber vor allem deshalb in Großbritannien, weil ich Land und Leute mag", erklärt die Düsseldorfer Autorin. 2002 ging sie für ihren Master im Fach Literaturübersetzung für ein Jahr nach London. Jetzt träumt sie davon, in die britische Metropole zurückzukehren.

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Neben Profilerin Liz gehören drei Kommissare vom Polizeipräsidium am Jürgensplatz zum Ermittlerteam. Im zweiten Fall haben sie es mit einer Mordserie in Neuss, Mönchengladbach und Erkelenz zu tun. Die Kollegen auf der anderen Rheinseite haben die Düsseldorfer hinzugezogen, und die holen sich Liz zur Verstärkung aus Liverpool.

Die vier müssen sehr brutale Morde aufklären: Jugendliche werden gefoltert und verstümmelt, bevor sie getötet werden. Solche Gewaltausbrüche erwartet man nicht, wenn man die ruhige, zurückhaltende Autorin kennenlernt. Aber in Sachen Literatur ist sie hartgesotten. "Ich schreibe nicht nur gern härtere Krimis, ich lese sie auch wie die Fälle der Schottin Val McDermid", sagt sie. "Für mich ist das ein Weg, eigene Ängste, meist eher diffuse Gefühle, auszuloten, sie vielleicht sogar ein bisschen zu verarbeiten."

Sabine Klewe liest und schreibt nicht nur Krimis, sie hat sich in ihrer Promotion über Val McDermid auch mit dem Genre auseinandergesetzt. "Gender in der Kriminalliteratur" ist das Thema der gerade fertiggestellten wissenschaftlichen Arbeit. Als eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse sieht die Autorin, dass Frauen schon vor den Männern mit dem Genre begonnen haben, das längst von harten Jungs geprägt ist. "Für mich beginnt es mit Schauerromanen vom Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts wie denen von Ann Radcliffe", erklärt Sabine Klewe. "Es waren die ersten Psychothriller: Romane mit Gruselfaktor, mit etwas Übernatürlichem, das aufgelöst wird als das, was ein Mann einer Frau antun wollte."

"Frauenthemen" sind ihr auch über die Promotion hinaus ein Anliegen. "Autorinnen werden schlechter bezahlt als männliche Kollegen, bekommen weniger Aufmerksamkeit und weniger Preise", berichtet Sabine Klewe. Sie hat sich deshalb mit anderen Krimiautorinnen zu den "Mörderischen Schwestern" zusammengeschlossen, um auf die Benachteiligung aufmerksam zu machen und möglichst etwas zu verändern.

Neun Krimis hat sie bis jetzt veröffentlicht und will auch in Zukunft bei Unterhaltungsliteratur bleiben. Stoff zum Nachdenken gibt es in ihren Spannungsromanen aber auch, die meist in Düsseldorf und Umgebung verortet sind. Wie an der Kniebrücke, die vom Café aus zu sehen ist und eine wichtige Rolle im Showdown des neuen Krimis spielt.

(RP)