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Düsseldorf: Getanzte Inklusion: "Ahnsim Dance" beim Düsseldorf Festival

Düsseldorf : Getanzte Inklusion: "Ahnsim Dance" beim Düsseldorf Festival

Behinderte Menschen auf die Bühne zu bringen, das ist hierzulande kein neues Konzept. Wir sprechen von Teilhabe, ja von Inklusion: jeder soll (gerade im Schauspiel, in der Musik, in der bildenden Kunst und im Tanz) ganz selbstverständlich so angenommen werden, wie er oder sie ist. Daran arbeiten wir mit mehr oder weniger Erfolg, spätestens seit die UN-Behindertenrechtskonvention 2008 in Kraft trat. Dass in Korea nicht nur die Uhren, sondern auch die Menschen anders "ticken", zeigt indes einmal mehr das Tanzstück "Ahnsim Dance" der Choreografin Eun-Me Ahn, dessen Europapremiere das Publikum des Düsseldorf Festivals jetzt im Zelt am Burgplatz feierte.

Ihr Thema ist "Different People" (Andere Menschen), und sie hebt die behinderten Mitglieder ihrer Truppe geradezu hervor. Nach dem sicher gut gemeinten Motto: Seht her, wir tanzen gemeinsam mit blinden Menschen - und es funktioniert.

Wir haben Spaß, wir lachen und feiern in farbigen Punktkleidern und in einer ebenfalls gepunkteten Szenerie, deren Design an die Brailleschrift erinnert. Trotz der Probleme, die Behinderungen mit sich bringen. Denn diese haben eine Geschichte, und auch sie wird erzählt. So berichtet einer der Tänzer davon, dass der Grüne Star ihm fast das Augenlicht geraubt hat - aber auch den verbliebenen Rest würde er riskieren. Sich nicht schonen, sondern das Leben spüren. Dann wieder geht es um Wünsche: Einmal die Sterne oder einfach nur das eigene Gesicht sehen. Über Fotos in den sozialen Medien lachen können.

Es ist verständlich, dass Eun-Me Ahn auf die Alltäglichkeiten der (Seh)Behinderung aufmerksam macht, die den anderen, den Sehenden, meist nicht bewusst sind. Indem sie die Geschichten und Wünsche in großen Lettern auf dem Bühnenhintergrund übersetzen lässt. Indem sie den Blinden ebenso wie den Sehenden Blindenstöcke in die Hand drückt und sie damit tänzerisch zu rhythmischen asiatischen Klängen experimentieren lässt. Indem sie einen Führhund auftreten und eine blinde Koreanerin erzählen lässt, was der Freund ihr bedeutet. All das steht dem Gedanken der Inklusion allerdings entgegen. Denn das Publikum wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass hier Leute mittanzen, die anders sind als die anderen.

Hätte man stattdessen nicht einfach alle aus ihren Lebensgeschichten etwas erzählen lassen können? Ein Gemisch von Menschen mit Hoffnungen, Träumen, Wünschen, guten und schlechten Erfahrungen vorzuführen - wie es das Leben mit sich bringt? Das ist Inklusion.

(RP)