"Paulus-Oratorium": Geschenk vom Kantor

"Paulus-Oratorium" : Geschenk vom Kantor

Die St. Antonius-Gemeinde in Oberkassel feiert ihr 100-jährigen Bestehen. Im Festkonzert führt Kantor Markus Hinz morgen sein eigenes "Paulus-Oratorium" auf. Es lehnt sich stilistisch an die Minimal Music an.

In Oberkassel gibt es zwei Gründe zu feiern: den 100. Geburtstag der Gemeinde St. Antonius und eine große Komposition aus der Feder ihres Kantors. Es ist das bisher umfangreichste Projekt von Markus Hinz: das Oratorium "Paulus-Bilder". Am morgigen Sonntag, 20 Uhr, wird es die Festzeit zum 100-jährigen Jubiläum der Gemeinde St. Antonius abschließen.

Hinz' Oratorium wurde vor zwei Jahren, nachdem er 2008 ein Kantorenkompositions-Stipendium der Stadt Düsseldorf erhalten hat, uraufgeführt. In dem Jahr wurden der 200. Geburtstag des bedeutenden Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy sowie das Paulusjahr gefeiert. Es ist offensichtlich, dass Hinz, der seit dem Jahr 2001 als Kirchenmusiker und Komponist in Düsseldorf-Oberkassel arbeitet, an Mendelssohns "Paulus-Oratorium" kaum vorbeikam. Elektronisch verzerrte und bearbeitete Tonmontagen aus einer Aufzeichnung des Mendelssohn-Oratoriums werden unter anderem zu dramatischen Tongemälden der Steinigung des Stephanus.

Hinz setzt sich in seinen Kompositionen besonders mit der Minimal Music auseinander. Deren Entwicklung findet Hinz spannend. Minimal Music, die mit sich ständig wiederholenden Mustern arbeitet, hat etwas Meditatives, in sich Ruhendes. Hinz zitiert denn auch sein Vorbild Steve Reich, einen der Pioniere dieser Kunstform: "Die Musik ist ein langsamer Prozess, den man beobachten kann — so als stünde man am Meer und beobachtete das Wasser, das langsam näher kommt." Hinz betont schmunzelnd, dass er erst lernen musste, die ständigen Wiederholungen auszuhalten.

Neben Steve Reich haben ihn der deutsche Komponist Sigfrid Karg-Elert und Oscar Gottlieb Blarr aus Düsseldorf zu seinem Werk, an dem er ein Jahr lang arbeitete, inspiriert. Erstmalig hat der Kantor in zwei Sätzen der "Paulus-Bilder" eine Zwölfton-Technik angewendet, um so die vollkommene Erkenntnis des Paulus musikalisch auszudrücken. Die Zwölftonmusik, deren Gegenbewegung die Minimal Music war, arbeitet mit komplexen Kompositionsschemata, die für das Zuhörerohr, dass harmonische Zusammenhänge sucht, zunächst undurchdringlich sind.

Hinz' Zwölftonreihe erklingt bei dem Zitat des Hohelieds der Liebe, dass die Selbsterkenntnis des Paulus ausdrücken soll. Hinz betont, es sei eine besondere Herausforderung gewesen, das Hohelied der Liebe, bekannt als fester Bestandteil fast jeder Hochzeit, musikalisch umzusetzen. Bei dem zwölfsilbigen Zitat werden nacheinander alle zwölf Töne in einer bestimmten Reihenfolge erklingen. Im folgenden Halbsatz, ebenfalls zwölfsilbig, erklingt die Zwölftonreihe als Krebs gespiegelt, also in umgekehrter Reihenfolge.

Hinz reflektiert in seinem Oratorium die Aktualität der Paulusgeschichte. Zur Vorbereitung beschäftigte er sich deshalb mit echten und unechten Paulus-Briefen, der Apostelgeschichte, Sekundärliteratur sowie dem Drehbuch eines nicht realisierten Filmprojektes des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini.

Hinz möchte anregen, über die Geschichte der Kirchengründung nachzudenken, bei der Paulus eine maßgebliche Rolle spielte. Denn er öffnete auch Nicht-Juden die Tür zum Christentum. Hinz wollte ergründen, inwiefern Saulus bei der Wandlung zum Paulus — nach seinem Damaskus-Erlebnis — zu einem neuen Menschen wurde. Hinz ist überzeugt, Saulus habe sich als in den Dienst einer anderen Sache gestellt. Er wurde vom Verfolger der Christen zu ihrem Lehrer, zu einem der ersten Theologen.

Beim Chorkonzert wird neben dem Oratorium auch die Kantatenkomposition "Es atmet ein Geheimnis" erklingen. Markus Hinz leitet den Antoniuschor und den Jungen Chor. Die Solisten Elisa Rabanus, Sopran, Bernhard Hüsgen, Bariton (Paulus) werden begleitet von einem Orchester (Flöte, Klarinetten, Bassklarinette, Pauken, kleine Trommel, Vibraphon, Marimbaphon, Röhrenglocken, Klavier, elektrisches Klavier und Streicher).

(RP)