Geiger Vadim Gluzman im Düsseldorfer Symphoniekonzert in der Tonhalle.

Meisterschaft auf der Violine : Diese Stradivari ist eine Legende

Der Geiger Vadim Gluzman war der umjubelte Solist im jüngsten Düsseldorfer Symphoniekonzert in der Tonhalle. Am Pult stand der junge Franzose Adrien Perruchon. Es erklangen Werke von Schubert, Schostakowitsch und Ravel.

Unverhofft kommt oft. Die Tragweite dieses Sprichwortes ließ sich im letzten „Sternzeichen“-Sinfoniekonzert erahnen. Genaue Absprachen des Veranstalters mit Joana Mallwitz dürften schon vor langer Zeit getroffen sein. Aber was blieb davon noch übrig, als, wie Intendant Michael Becker berichtete, die Dirigentin am Wochenbeginn wegen Erkrankung absagen musste? Das Grippe-Virus hatte zugeschlagen. Die Aktivitäten des Krisenstabes führten schließlich zum Erfolg – und so kam eine andere Redensart zu ihrem Recht: die vom Glück im Unglück.

Der junge französische Dirigent Adrien Perruchon, in Düsseldorf seit 2018 kein Unbekannter, sprang ein und überzeugte in der Tonhalle – als Krisenmanager, schlagsicherer Orchesterleiter und Interpret. Perruchon dirigierte temperamentvoll, blieb dabei aber stets sachlich und präzise und ließ Gestik nicht zum Selbstzweck werden.

Nun führte die Programmfolge dazu, dass man als Zuhörer erst einmal gar nicht so sehr auf den Dirigenten, sondern verstärkt auf den Solisten achtete. Der hatte die Aufmerksamkeit allerdings auch voll verdient. Vadim Gluzman, 1973 in der Ukraine geboren und heute in Israel beheimatet, stellte sich als ein Geiger der höchsten Qualitätsstufe vor. Schostakowitschs zweites Violinkonzert spielte er so souverän, dass man beim Hören die Schwierigkeiten des Werkes unterschätzen konnte. Man hatte nie den Eindruck, dass hier einer viel Mühe investieren musste, um schwere Stellen zu bewältigen. Sein Spiel wirkte so, als ob es technische Probleme für ihn gar nicht gibt – nicht nur in den schweren Kadenzen.

Sein satter, tragender Ton wird natürlich auch durch die fabelhafte Stradivari-Geige ermöglicht, die einst der legendäre Violinpädagoge Leopold Auer spielte. Der gab seinerzeit in St. Petersburg späteren Weltklasse-Geigern des 20. Jahrhunderts wie Jascha Heifetz und Nathan Milstein den letzten Schliff. Aber natürlich erzeugt die Geige nicht allein den Klang, es kommt schon auf die Art und Weise der Bogen- und der Grifftechnik an – und selbstverständlich auch auf die Intonation. Die Tonqualität Gluzmans ist ausdrücklich zu würdigen; sie kam vor allem in den opulenten Kantilenen zum Ausdruck. Die Qualität seiner musikalischen Gestaltung zeigte sich auch in der Zugabe, die vom Publikum mit viel Beifall gefordert wurde. Der Geiger spielte Bachs Sarabande aus der d-Moll-Partita so lebendig, als ob er mit seinem Instrument eine Geschichte erzählte.

Eine individuelle, vielleicht diskussionswürdige, auf jeden Fall aber interessante und mitreißende Interpretation bot Perruchon mit Schuberts h-Moll-Sinfonie, der „Unvollendeten“. Der Dirigent nahm zügige Tempo und achtete auf klare Konturen. Damit arbeitete er die dramatischen Aspekte dieser Sinfonie stärker heraus als die romantischen. Das änderte aber nichts daran, dass die Düsseldorfer Symphoniker unter seiner Leitung sowohl mit hauchzarten Pianissimi als auch mit intensiven Crescendi beeindruckten.

Mit flirrenden, raffiniert gemischten Klangfarben, eben mit einem typischen Ravel endete der vom Publikum begeistert gefeierte Abend. Mustergültig erklang seine zweite Ballettsuite „Daphnis et Chloë“. Nicht nur Solobläser und Solovioline (Dragos Manza) verdienten sich Bestnoten, das ganze Orchester hinterließ einen vorzüglichen Eindruck.