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Gaby Trombello-Wirkus und Titus Müller über Kunst des Briefeschreibens

Literatur aus Düsseldorf : Ein Buch über die fast vergessene Kunst des Briefeschreibens

In Zeiten von Instant-Messaging verfassen Gaby Trombello-Wirkus und Titus Müller eine Liebeserklärung an den Brief. In ihrem Buch geht es um die Faszination, die handgeschriebene Dokumente hervorrufen, um die Historie des Briefes und um mitreißenden Schriftverkehr bekannter Personen.

Für Gaby Trombello-Wirkus sind handgeschriebene Werke etwas Schönes. Etwas, das leider zunehmend in Vergessenheit gerät, obwohl es so viel zu bieten hat. Eigentlich leitet die gelernte Grafikerin den „Schriftschatz“ – eine Werkstatt für schönes Schreiben in Düsseldorf. Doch jetzt geht Trombello-Wirkus den nächsten Schritt: Gemeinsam mit Schriftsteller Titus Müller thematisiert sie „die fast vergessene Kunst des Briefeschreibens“ im gleichnamigen Buch.

Mit Geschichten von spannenden Briefwechseln sowie Wissenswertem zum Thema Post und Handschrift wollen die Autoren „den Leser befeuern und zum Briefeschreiben animieren“, erklärt Trombello-Wirkus. Sie liefert praktische Tipps zum handschriftlichen Schreiben und dem Material. So empfiehlt sie etwa Übungen zum Einschreiben und verweist auf die Rolle des Schreibwerkzeugs und des Papiers auf das Endprodukt. Ratschläge wie diese rahmen die von Müller verfassten Kapitel ein. Darin behandelt er Briefwechsel berühmter Persönlichkeiten wie Robert Schumann und Clara Wieck. Müller ordnet den Schriftverkehr ein: welche Emotionen er erzeugt hat und welchen Einfluss er auf das Leben des Menschen hatte. Zudem gibt er witzige und lehrreiche Anekdoten zur Historie des Briefeschreibens.

Das Buch ist eine Entdeckungsreise. Es übermittelt Wissen, verbindet die Geschichte mit dem Heute und weckt gleichsam das Verlangen, etwas handschriftlich zu verfassen. Dabei liefert es direkt hilfreiche Vorschläge, wie man wieder mit dem Schreiben beginnen kann.

„Die Schrift ist Teil der Persönlichkeit“, sagt Trombello-Wirkus. Sie habe sogar Einfluss auf den Inhalt eines Briefes: „Ein handgeschriebenes Dokument wird immer anders verfasst als eine E-Mail“, erklärt sie ihre Faszination. Der Verfasser sei viel reflektierter, wähle die Worte anders aus und könne sogar durch Schrift und Design Emotionen ausdrücken. Für den Empfänger ist der Brief ein „tiefgreifendes Erlebnis“, sagt Trombello-Wirkus weiter. Einen Brief hebt man auf, über Jahre. Und wenn man ihn wieder liest, „dann sind die Personen wieder bei einem“. Auch sind Briefe Kulturgüter und historische Primärquellen.

In jüngster Zeit und insbesondere während der Corona-Krise bemerkt Trombello-Wirkus einen „Hauch Renaissance“ der Handschrift. Dieses zarte Flämmchen soll das Buch befeuern, damit die so authentische und persönliche Kunst des Briefeschreibens nicht vergessen wird.

Info „Die fast vergessene Kunst des Briefeschreibens“ von Titus Müller und Gaby Trombello-Wirkus erschien im Adeo-Verlag (221 Seiten, 18 Euro).