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Fritz Josef Haubner bekommt den Preis der Ausstellung „Die Grosse“.

Eigenwilliger Künstler : Raue Bretter, große Malerei

In diesem Jahr erhält Fritz Josef Haubner den Preis der Ausstellung „Die Grosse“. Seine Werke werden vom 7. Juni bis 12. Juli im Kunstpalast gezeigt.

Er malt auf rauen Brettern und Kistendeckeln, die er am Strand oder in Abfallcontainern findet, hat nie eine Kunstschule besucht und ist auch sonst eher unkonventionell: Fritz Josef Haubner erhält in diesem Jahr den Kunstpreis der Künstler. Jedes Jahr vergibt „Die Grosse“ den Preis an einen Kollegen aus ihren Reihen, offiziell übergeben wird er bei der Vernissage am 7. Juni 2020 vom Vizepräsident des Landtags Oliver Keymis. „Jetzt krieg’ ich einen Kunstpreis und weiß nicht mal, warum“, sagt der 83-jährige Haubner auf der Pressekonferenz.

Irene Daum, die sich lange mit seinen Werken auseinandergesetzt hat, weiß es: „Fritz Josef Haubner ist ein besonderer Künstler, dessen malerisch-plastischen Werke nicht unmittelbar zugänglich sind. Sie wirken in der Kommunikation mit den Assoziationen des Betrachters“, sagt sie. Als Malgrund für seine häufig verwendeten Motive – Kannen, Tische, Tassen, Kirchen, Häuser – benutzt er Alltagsgegenstände, die die Spuren der Zeit und des Gebrauchs tragen und sich somit jenseits des Materiellen bewegen. Meist sind das alte, raue Holzbretter, die er mit Öl- und Acrylfarbe und Industrielack bemalt. Aber auch Metall und Gummi verwendet er für seine Materialcollagen. „Er ist fasziniert von organischen Strukturen, die Sprungbrett für seine Fantasie sind. Damit hat er seine eigene Bildsprache gefunden“, sagt Daum.

Ebenso wichtig wie das Malen sei das Auffinden von Materialien für den kreativen Prozess. Haubner beschreibt sich selbst als „gierigen Sammler“, immer auf der Suche nach neuem Malgrund. Sammeln sei „ein Tick, eine Krankheit“, manchmal wisse er nicht, wie er durch seine Wohnung kommen soll, so viel habe er dort gelagert. Sein Atelier sei eher eine Ansammlung von Werken anderer Künstler.

Auch seine Biografie „ist alles andere als gerad’“, wie er selbst sagt. 1937 geboren, wuchs er mit seiner Mutter und seinen zwei Brüdern in der Oberpfalz auf, seinen Vater verlor er früh. Obwohl es finanziell oft eng wurde, schaffte es die Mutter, ihre Kinder mit Kunst in Berührung zu bringen: Als sie an einem Sonntag gemeinsam durch Regensburg liefen, sah sie in einem Schaufenster ein Bild, das sie unbedingt haben wollte. Die Kunsthandlung hatte geschlossen – trotzdem klingelte sie, hatte Glück und kaufte es. Als sie später als Schneiderin arbeitete, ließ sie sich von einem Maler in Bildern bezahlen.

Ist er deswegen Künstler geworden? „Nein, aber mir ist Jahrzehnte später bewusst geworden, dass vieles in meinem Umfeld dazu beigetragen hat“, sagt er. Zum Beispiel, als er nach seinem Abschluss als Koch in einem Kloster arbeitete und jeden Tag von alten Barockgemälden umgeben war. Oder als er nach seinem Studium als Sozialarbeiter bei der Stadtverwaltung Duisburg tätig war und eine Kollegin Grafiken ihres Mannes in ihrem Büro hängen hatte, den er anschließend kennenlernte. Oder als ihm seine Nachbarin die alten Pinsel und Leinwände ihres verstorbenen Mannes überließ und er dann mit dem Malen begann.

Auch darin liege die Besonderheit des Autodidakten, der erst seit Anfang der 80er Jahre malt. Er habe sich eben lange darauf vorbereitet, Künstler zu sein. Schon in der Schule habe er sich mit der Oberflächenstruktur von Holz auseinandergesetzt und durch seine Mutter früh erfahren, welche Faszination Kunst ausüben kann. „Fritz Josef Haubner hat über all die Jahre sein Künstlerauge geschult“, sagt Daum.