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Frank Goosen und Franzobel beim Asphalt-Festival

Zwei Dichter am See : Musikalische Enttäuschung bei der Angebeteten

80er-Jahre-Nostalgie und die Eroberung Amerikas beim Asphalt-Festival auf der Seebühne: Frank Goosen begeisterte, Franzobel enttäuschte.

Kurzweilige literarische Unterhaltung im Doppelpack stand eigentlich bei Asphalt am See mit Frank Goosen und Franzobel auf dem Programm. Beide Autoren tauchten tief ein in die Vergangenheit, die jüngere und die Zeit der großen Eroberer. Allerdings konnte nur Frank Goosen überzeugen.

Der Kabarettist und Autor erinnert sich gern an seine wilde Jugend in den 80ern. Kein Wunder also, dass der zweifache Vater das prägende Jahrzehnt gleich in mehreren Büchern zum Thema gemacht hat. Am Freitagabend hatte der Bochumer sich vorgenommen, aus seinem jüngsten Roman „Sweet Dreams – Rücksturz in die Achtziger“ vorzulesen. Was er natürlich auch tat, doch wie es eben so ist, wenn die guten alten Zeiten heraufbeschworen werden, man kommt ins Erzählen.

So streute Frank Goosen immer wieder kurze unterhaltsame Anekdoten ein. „Ich habe heute einen Laberflash“, gab der 55-jährige augenzwinkernd zu, denn endlich höre ihm wieder „echtes Publikum zu“. Das hatte Kopfhörer auf den Ohren, was den Autor anfangs „schon ziemlich nervös“ gemacht hat. Doch seine Sorge, die Reaktionen auf das Vorgetragene kämen zeitverzögert, waren mehr als unbegründet. Der Sound war perfekt und synchron. Die Lacher kamen punktgenau und begeisterten Goosen auf der schwimmenden Bühne. Einzig die lauten Kommentare der Gänse auf dem See konnten ihn noch irritierten.

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Kenner des Goosenschen Werks erfuhren, was Spüli, Pommes und Mücke auf ihrem ersten Trio-Konzert in der Zeche Bochum erlebten, was es heißt, wenn ein sorgfältig zusammengestelltes Mixed-Tape bei der Angebeteten nicht ankommt und dass es dereinst in Videotheken nach Plastik roch.

Wer die 80er als Teenager miterlebt hat, nickte wissend, als Frank Goosen die Schneider-Kompaktanlage ansprach, Karottenjeans erwähnte und einen kleinen Ausflug in das noch auf drei Sender beschränkte Serienangebot unternahm. Bei aller Nostalgie stellte er schließlich fest: „Früher war nicht alles besser, außer Augen und Gelenke.“   

Am Samstagabend hatte sich Franzobel auf der Seebühne angesagt. Im Gepäck sein Roman „Die Eroberung Amerikas“. Er kam dafür extra aus Wien angereist. Mit einer halben Stunde Verspätung („Mein Verlag war schuld, die haben mir eine falsche Anfangszeit gesagt.“) und einer geschmacklosen Bemerkung zur Unwetterlage begann der mehrfach preisgekrönte Autor mit dem, was eigentlich eine interessante Lesung hätte werden können.

Die ausgewählten Passagen über die Eroberung Amerikas durch die Spanier gaben zwar einen Eindruck von seiner Fabulierkunst, die er selbst als Mischung aus historischen Fakten und Flunkerei beschrieb. Doch die eingestreuten Erläuterungen und Hinweise zur Recherche wirkten eher gelangweilt. Überhaupt schien der Österreicher wenig vorbereitet, jagte durch die vorgelesenen Kapitel und verhaspelte sich des Öfteren.

Man wurde das Gefühl nicht los, dass er eigentlich keine Lust auf die Veranstaltung hatte. Nach 45 Minuten beendete er die Lesung mit der wohl nicht ernst gemeinten Aufforderung: „Gibt es noch Fragen?“ und dem Hinweis auf einen Büchertisch. Im Publikum machte sich Enttäuschung und Unverständnis breit. „Das war ja wohl nichts“, resümierte ein Ehepaar.