Düsseldorf: Florian Jahr als „Candide“ auf der Bühne

Düsseldorf: Florian Jahr als „Candide“ auf der Bühne

Der junge Schauspieler - einst ein Teenie-Star in der TV-Soap "Unter uns" - ist derzeit in fünf Inszenierungen zu sehen.

Bei der Uraufführung von "Candide. Acting in Concert" feiert Florian Jahr in der Titelrolle als "Candide" am 1. März Premiere im Kleinen Haus. "Eine Paraphrase nach Voltaire", erklärt er. "Regisseur Kevin Rittberger untersucht mit uns anhand des Stoffes den Widerspruch zwischen Naivität und Zynismus. Ich glaube, das ist es, was den modernen Menschen hauptsächlich umtreibt. Wir wollen alle gern glauben, es sei möglich, die Welt zu verändern und für das Gute zu kämpfen. Gleichzeitig werden wir jeden Tag mit der ernüchternden Realität konfrontiert. Dagegen schützen sich viele, indem sie abstumpfen und zu keiner Empathie mehr fähig sind."

Doch abstumpfen und wild Zerstreuungen suchen ist Jahrs Sache nicht. "Wir leben in einem optimierten System. Fehler sind nicht vorgesehen. Ich mache dagegen gern Fehler, weil ich daran wachsen kann", sagt der junge Schauspieler, der 2011 nach Düsseldorf gekommen ist.

Er wohnt in Flingern, fühlt sich dort ebenso wohl wie am Theater gemocht: "Ich habe tolle Aufgaben bekommen", freut er sich. Florian Jahr spielt derzeit in "Richard III.", "Figaro", "Der zerbrochne Krug", "Klaus und Erika" (am Jungen Schauspielhaus) und in "Wie es euch gefällt". Beseelt erzählt er von seiner Rolle als Rosalind in "Wie es euch gefällt."

Eine Frauenrolle. Regisseurin Nora Schlocker entschied sich bei ihrer Inszenierung im Großen Haus, alle Frauen in der Komödie wie zu Shakespeares Zeiten von Männern darstellen zu lassen. "Ich dachte lange darüber nach, wie ich mich dieser Aufgabe nähere", erzählt Florian Jahr. "Es durfte nicht in Travestie abgleiten. Das bedeutet Verstellung und wäre nicht spannend. Natürlich gab es die Versuchung, sämtliche Register zu ziehen und all das zu tun, was Männer in Frauenkleidern so komisch macht."

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Aber so leicht wollte er es sich und dem Publikum nicht machen. "Ich versuchte dem Charakter dieser Figur nachzuspüren, um herauszufinden, was sie antreibt", sagt er. "Alles Flitterhafte, Humoreske und Geschminkte wollte ich vermeiden. Ob Mann oder Frau, das sollten die Zuschauer vergessen. Es ging letztendlich darum, sich mit dem Gefühl von Liebe auseinanderzusetzen."

Florian Jahr ist glücklich mit dieser Arbeit, in der viel Herzblut steckt. Dass Schlockers Inszenierung nicht nur auf Begeisterung stößt, findet er nicht tragisch. "Es geht nicht darum, einen perfekten Abend zu entwickeln. Wir Schauspieler befinden uns in einem ständigen Prozess. Ich bin dankbar, dass die Leute sich überhaupt auf den Weg zu uns machen. Theater sollte ein Ort der Begegnung und der nie versiegenden Diskussion sein."

Die Energie, die von den Zuschauern ausgeht, könne er auf der Bühne spüren, versichert der in Ost-Berlin geborene und in Rendsburg aufgewachsene Florian Jahr. "Dann weiß ich, das hat alles mit mir zu tun. Und mit dem, was ich kann." Vor der Fernsehkamera fand er diese Erfüllung nicht. Vom frühen Ruhm als Teenie-Star in "Unter uns" ließ er sich nicht blenden. Mit 17 Jahren und von der Schule für Monate befreit, drehte er 30 Folgen der TV-Soap. Dann stieg er aus.

Auch mit Achtungserfolgen in einigen Fernsehfilmen, ebenfalls noch vor dem Abitur, mochte er sich nicht begnügen. "Diese Welle wollte ich nicht länger surfen," sagt er. "Ich strebte danach, diesen Beruf wirklich kennenzulernen. Zu erfahren, was es bedeutet, ein Schauspieler zu sein." Man nahm ihn auf an der Ernst-Busch-Schule. Und er war wieder da, wo er geboren wurde - in Ost-Berlin.

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