Filmtipp : Poesie des Großmarkts

Das Online-Kino der Düsseldorfer Filmkunstkinos boomt, die Abrufe haben sich verzwanzigfacht. Doch es sind nicht die Erstaufführungen, die boomen, sondern ältere Filmperlen. Spitzenreiter der Online-Hitliste ist ein Film, der schon 2018 auf der Berlinale begeistert hat und danach in den Kinos aber nicht so recht durchstarten konnte: „In den Gängen“.

Christian hat irgendwo in der ostdeutschen Provinz an einem Großmarkt angeheuert. Er wird Bruno, dem Kollegen aus der Getränkeabteilung, zugeteilt, der ihn zunächst skeptisch mustert: „Der Junge redet nicht viel, aber er ist ein guter Junge!” ist sein Urteil, und das zählt. Nun gehört er zum Team, darf eintauchen in die unbekannte Welt des Warennachschubs, bestehend aus langen Gängen mit unendlichen Regalen, der ewigen Warenlager-Ordnung, den Kaffeepausen und der surrealen Mechanik der Gabelstapler. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben und Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

Thomas Stubers Blick schaut tief in Christians Seele. In streng kadrierten Bildern entfaltet er eine Choreografie von Menschen und Dingen zwischen Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in einen magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus, vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist.

In den Gängen

„In den Gängen“, Deutschland 2018, 125 Min.; Regie: Thomas Stuber. Mit Sandra Hüller, Franz Rogowski und Peter Kurth.