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Düsseldorf: Festivalmacher aus dem Hinterhof

Düsseldorf : Festivalmacher aus dem Hinterhof

Seit fünf Jahren veranstaltet Hamed Shahi das New Fall Festival in den Düsseldorfer Konzerthäusern. Angefangen hat alles mit drei Tagen in der Tonhalle und nur vier Monaten Vorbereitungszeit. Heute plant Shahi Jahre voraus.

Die fünfte Auflage des New Fall Festivals ist noch nicht mal über die Bühnen gegangen, und Hamed Shahi plant schon die sechste. Gerade erst sei er aus London zurückgekehrt, erzählt der 43-Jährige, und nächste Woche fliege er schon wieder hin. In London nämlich hätten die großen europäischen Konzertagenturen ihren Sitz, da tue er gut daran, vorbeizuschauen. "Mal hören, was die in nächster Zeit so vorhaben", sagt er. Hamed Shahi möchte erfahren, welche Musiker in den kommenden Jahren zur Tournee auf die Straße geschickt werden. Und ob der ein oder andere Künstler nicht auch in Düsseldorf Halt machen könnte. Im Herbst 2016.

Das ist das Geschäft des Festivalmachers Hamed Shahi, der in einem Hinterhof-Klinkerbau im schönen Flingern seine Konzertagentur SSC führt. Er teilt sich das Gebäude mit einer Physiotherapie-Praxis und einem Unternehmen, das "Solutions" verkauft, also Lösungen. Shahi hat neun Mitarbeiter, die in einem loftartigen Großraumbüro vor Apple-Computern sitzen. Er selbst hat ein Büro nebenan. Auf dem Boden steht ein auf Pressholz geklebter Zeitplan für die Kölner Musikindustrie-Messe "c/o pop", die SSC diesen August wieder mitorganisiert. Seine ersten Gehversuche in der Livemusik-Branche machte Hamed Shahi Mitte der 1990er, als er eine Tournee der DJ-Ikone Grandmaster Flash betreute. Seitdem macht der heute 43-Jährige in Pop.

Das New Fall Festival aber sei "das Ding", sagt er. "Das ist unser Baby." Er meint sich und sein Team.

Angefangen hat alles im Sommer 2011, als Hamed Shahi sich ein Herz fasste. Damals führte er bereits sein Unternehmen, und er, Shahi, träumte schon lange von einem Pop-Festival in Konzerthäusern. Er hatte "diese Vision", sagt er.

Weil seine Agentur ohnehin mit der Tonhalle Geschäfte machte, das Konzerthaus aber zögerte, habe er den Saal auf eigene Faust für drei Tage im Herbst gebucht. Im Robert-Schumann-Saal richtete er eine weitere Konzertstätte ein und nannte die Reihe mit 14 Bands New Fall Festival. Der erste Künstler, den er buchte, war der Sänger Scott Matthew.

"Ich habe mein Team vor vollendete Tatsachen gestellt", sagt Shahi. Sie planten das Festival in vier Monaten und hatten keine Ahnung, ob es sich rentiert. 4500 Zuschauer kamen. Sie machten Miese, sagt Shahi, und dennoch weiter. 2014 spielten 21 Bands in fünf Konzertstätten, laut SSC kamen 10 000 Besucher.

Bei den Kollegen in London gelte das New Fall Festival mittlerweile als Vorzeigemodell, sagt Shahi. Der gute Ruf sei für das eher kleine Festival entscheidend, um attraktive Künstler zu locken. Natürlich spiele für manche Bands auch die Gage eine Rolle, räumt Shahi ein. Mittlerweile erfährt das Festival aber auch öffentliche Unterstützung. Darum gehe man mit dem ohnehin begrenzten Budget besonders verantwortungsvoll um, sagt Hamed Shahi.

75 000 Euro lässt sich die Stadt Düsseldorf die diesjährige Ausgabe, die vom 28. Oktober bis zum 1. November stattfindet, kosten. Als Shahi Anfang Juli das Programm vorstellte, saßen Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und Schumann-Saal-Leiter Eckart Schulze-Neuhoff an Hamed Shahis Seite.

Die Akzeptanz sei heute eine ganz andere, sagt der Festivalmacher. "Niemand denkt mehr: Jetzt kommt da dieses Flüchtlingskind und zeigt der deutschen Hochkultur mal, wo es langgeht." Shahi kommt aus dem Iran.

Zu Hause höre er heute so gut wie gar keine Musik mehr, sagt Shahi, weil er doch schon dienstlich ständig damit beschäftigt sei. Für neue Bands aber habe er immer ein offenes Ohr. "Das Entdecken macht total Spaß", sagt er. Im vergangenen Jahr ließ er "Annenmaykantereit" spielen, da kannte sie niemand. Dieses Jahr verkauft die junge Band jede Konzerthalle aus. Darauf ist Shahi stolz.

Während des Festivals fühle er sich wie zugedröhnt, ständig sei er unterwegs, Konzerte sehe er kaum, sagt Shahi. Darum wolle er sich diesmal nur auf die Künstler konzentrieren. Und überall Hallo sagen.

(RP)