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Nach Umbau: Erster Blick ins neue Schauspielhaus

Nach Umbau : Erster Blick ins neue Schauspielhaus

Dieser Termin wurde bang ersehnt: Nach einigen Wochen Bauverzögerung eröffnet am Freitag das renovierte Große Haus des Schauspielhauses mit Staffan Holms Inszenierung des "Hamlet". Noch wird im Saal gewerkelt. Eine Besichtigung mit dem früheren Verwaltungsdirektor Werner Chromy.

"Vermutlich werden die ersten Premieren-Besucher die letzten Handwerker rausschieben", scherzt Werner Chromy und schaut sich im oberen Foyer des Großen Hauses um. Kurz vor der Wiedereröffnung herrscht noch reger Baustellenbetrieb. Klebebänder versperren den Treppenabgang, Plastikfolie schont den Teppichboden, im Nachtcafé wird das Eichenparkett bearbeitet. Bis zu seiner Pensionierung im August 2011 war Werner Chromy Verwaltungsdirektor des Schauspielhauses.

Die einjährige Sanierung hat er mit angeschoben und über weite Strecken intensiv begleitet. Jetzt kehrt er zum ersten Mal an seine frühere Wirkungsstätte zurück.

Schmerzt es, die Vollendung des Umbaus nicht mehr als Aktiver mitzuerleben? "Ein wenig", gibt er zu und öffnet die Tür zum Zuschauerraum. "Wichtiger ist mein gutes Gefühl. Es ist alles so, wie es sein sollte. Man kommt rein und weiß nicht, was neu ist." Auch hier fehlt noch der letzte Schliff, etwa das Schließen der klaffenden Löcher in der Wandvertäfelung.

Dafür exakt das gleiche Vogelaugenahorn-Holz wie in den 1960er Jahren zu beschaffen, war mühsam. Die Plantage in Brasilien gab es nicht mehr, trotzdem ist der erwünschte Effekt da. "Sieht genau aus wie das Original", stellt Chromy zufrieden fest. "Wir hatten einige Stücke aufbewahrt, es waren ja nicht alle kontaminiert. Nach diesen Vorlagen suchten wir die neue Vertäfelung aus." Am meisten beklagten die Zuschauer die mangelhafte Akustik in dem riesigen, nun um vier Meter verkleinerten Raum.

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Werner Chromy ist sicher, dass dieses Problem bereinigt ist. "In meinen 39 Jahren am Haus war immer bekannt, dass es akustische Löcher gab. Mehrfach suchten wir nach Teillösungen, keine war befriedigend." Erst im Laufe der Sanierung kam heraus, dass es sich nicht um eine Schallminderung, sondern um Reflektionen handelte.

"Wir bauten in einem Berliner Labor maßstabsgetreu ein akustisches Modell nach und jagten alles monatelang durch die Computer", berichtet Werner Chromy. "Am Freitag werde ich mit allen anderen Zuschauern das gute Ergebnis hören können." Unter die wuselnden Handwerker im Großen Haus mischen sich Mitarbeiter und richten die Endprobe von "Einsame Menschen" ein (Premiere am Sonntag).

Die Bühne wird beherrscht von einer opulenten Tafel. Während dahinter 20 000 Liter Wasser in ein Becken fließen, tüftelt Stellwerks-Beleuchter Jörg Paschen das richtige Licht aus. Werner Chromy nimmt die Szenerie ins Visier. "Wer hier oben schon gestanden hat", sagt er versonnen. Er sah nicht nur sechs Intendanten kommen und gehen, von Karl-Heinz Stroux bis Staffan Holm, er erinnert sich auch an große Namen auf dieser Bühne.

An denkwürdige Inszenierungen wie die Kroetz-Uraufführungen unter Beelitz, die ersten Regie-Schritte von Karin Beyer bei Canaris. Und an die blutjunge Ute Lemper, der man 1986 die Rolle in "Cabaret" erst gar nicht recht zutraute. "Das Stück war so erfolgreich, dass ich plötzlich Tausende von Freunden hatte, die alle Karten wollten", schmunzelt Werner Chromy.

Dem Theater, das längst auch zu seiner Passion wurde, bleibt er verbunden. "Als Ehrenmitglied des Hauses werde ich die Premieren-Einladungen mit großer Freude annehmen."

(RP)