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Katja Riemann: "Erst bin ich Europäerin, dann Deutsche"

Katja Riemann : "Erst bin ich Europäerin, dann Deutsche"

Die Schauspielerin und Sängerin gastiert mit einem Abend über das Leben Heinrich Heines und die Musik seiner Zeit im Schumann-Saal.

Düsseldorf Katja Riemann, 1963 in Kirchweyhe bei Bremen geboren, ist eine der vielseitigsten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie hat in Literaturverfilmungen wie "Ein fliehendes Pferd" mitgespielt, ist aber immer wieder auch in komischen Rollen zu erleben, zuletzt etwa als Karriere-Journalistin in der Hitler-Satire "Er ist wieder da" oder als Schulleiterin in "Fuck ju Göhte". Mehrfach hat sie mit der Regisseurin Margarethe von Trotta zusammengearbeitet, zuletzt in dem Drama "Die abhandene Welt", in dem sie als Jazz-Sängerin auftritt. Musikerin ist sie aber auch in Wirklichkeit. Katja Riemann hat bereits mehrere Alben veröffentlicht und singt nicht nur Jazz und Pop, sondern interpretiert auch Kunstlieder aus der Romantik. Nun tritt sie im Robert-Schumann-Saal auf.

Ist Ihnen der spöttische oder der romantische Heinrich Heine näher?

Riemann Der mit dem intelligenten Humor!

Sie sind schon einmal mit einem Heinrich-Heine-Programm unterwegs gewesen, warum reizt Sie der Dichter so?

riemann Ja, ich habe einen eigenen Abend konzipiert, "Winter. Ein Roadmovie" für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen, in dem ich das Wintermärchen von Heinrich Heine mit der "Winterreise" von Schubert (Lyrik von Müller) zu einem konzeptuellen Abend über Deutschland kombinierte, mit meinem Jazzgitarristen Arne Jansen. Das war und ist eine große Freude. Den spiele ich nächste Woche wieder in Hannover.

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Bei diesem Abend ist es Ihnen gelungen, Heine und auch die Heine-Vertonungen aktuell klingen zu lassen. Wie machen Sie das?

Riemann Ach, da muss man gar nicht besonders viel machen, glaube ich, Heinrich Heine ist topaktuell - und wahnsinnig lustig. Darum ergibt es Sinn, wenn man seine Texte mit dem entsprechenden Humor nicht nur versteht, sondern auch liest, und das ist ja nicht jedermanns Sache, weder in vortragender, noch in zuhörender Hinsicht. Macht aber nichts.

Heine, Schubert, Schumann, Brahms waren alle überzeugte Europäer. Glauben Sie an die Zukunft Europas, nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch als Wertegemeinschaft?

riemann Das ist interessant, wie Sie die Frage formulieren: What comes first? Was zählt am meisten? Immer und überall die Wirtschaft, das Geschäft, das Business, die Dollars. Das steht über allem, wie ein Gott. Ist das nicht entsetzlich? 62 Menschen gehört derzeit soviel wie 3.5 Milliarden Armen. Das ist doch kaputt. Über Europa kann man ausschließlich als Idee sprechen, als Idee der Freiheit, der Werte, wie Sie es nennen, der gemeinsamen Geschichte der Kunst, der vielen wunderbaren Sprachen, des Städtebaus, der Musik, der ganzen vielen beschissenen Sachen, die man angerichtet, die man überwunden hat - der offenen Grenzen, die gerade alle wieder zugemacht werden. "Die Jungfrau Europa ist verlobt mit dem schönen Geniusse der Freiheit, sie liegen einander im Arm, sie schwelgen im ersten Kusse." Sagt Heine. Musik! Ja, ich glaube an Europa. Ich bin, bevor ich Berliner oder Deutsche bin, erstmal Europäerin.

Zuletzt haben Sie als Schulrektorin in "Fuck ju Göhte 2" ihr komödiantisches Talent bewiesen. Ist der Satiriker Heine für Sie auch ein Komiker?

Riemann Diese Frage kann ich irgendwie nicht beantworten, verzeihen Sie mir, weil ich sie nicht verstehe, da es hier um Begrifflichkeiten geht: Satiriker, Komiker, warum braucht man die Bezeichnung, wenn man seine Texte hat?

Ich meinte den Unterschied zwischen dem kritischen Spott des Satirikers und einer vielleicht naiveren Freude am Sprachwitz, den man bei Heine ja auch findet. Aber dann bleiben wir beim Text: Welche sind Ihnen die liebsten Heine-Zeilen aus Ihrem Programm?

Riemann Abgesehen von den bereits oben genannten, aus meinem eigenen Programm, vielleicht diese: Ob deiner Inkonsequenz, o Herr, erlaube, dass ich staune: Du schufest den fröhlichsten Dichter und raubst ihm jetzt seine gute Laune. Wir sind Germanen, gemütlich und brav, wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf. Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten - Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten.

(dok)