Lesung im Düsseldorfer Zakk Meister der ganz kurzen Form

Düsseldorf · Der Internet-Komiker El Hotzo stellte in der ausverkauften großen Halle des Düsseldorfer Zakk „Mindset“ vor – seinen ersten Roman. Allerdings ähnelte die Lesung mehr einer Stand-Up-Comedy-Show.

Der Satiriker und Schriftsteller Sebastian Hotz alias El Hotzo.

Der Satiriker und Schriftsteller Sebastian Hotz alias El Hotzo.

Foto: Max Sand/Zakk

Ein Phänomen wie El Hotzo, der mit der Lesung aus seinem ersten Roman „Mindset“ die große Halle des Zakk ausverkaufte, wäre noch vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen. El Hotzo heißt eigentlich Sebastian Hotz und ist ein 27-jähriger Wahl-Berliner, der durch Witze bekannt wurde, die er bis heute in den Sozialen Medien postet. Bei Instagram folgen ihm mehr als 1,3 Millionen Menschen, außerdem arbeitet er seit 2021 als Autor für Jan Böhmermanns Sendung „Magazin Royale“, in der er ab und zu auftritt. Diese Tatsachen erklären wahrscheinlich am besten, warum bisher alle seine Auftritte in Deutschland ausverkauft waren. An der literarischen Qualität seines Romans allein wird es nicht liegen.

Vielleicht deshalb ist der Abend auch nicht wirklich eine Lesung, sondern mehr eine Stand-Up-Comedy-Show – allerdings im Sitzen – mit Buchschnipseln. „Weil unsere TikTok-Gehirne nichts andere mehr können, lese ich maximal fünf bis sechs Minuten lange Passagen und erzähle dann wieder etwas anderes“, erklärt er am Anfang und lässt gleich etwas von dem Witz aufblitzen, den man von seinen fast täglichen Instagram-Posts kennt: Da setzt er sich auf lakonische Art mit der neuen digitalen Wirklichkeit auseinander und kommt immer wieder auf den eigenen Lebensstil mit exorbitanter Bildschirmzeit zu sprechen.

In seinen Internet-Gags ist El Hotzo allerdings oft auch politisch, kommentiert satirisch das Tagesgeschehen aus links-grüner Perspektive: Neoliberale FDP-Forderungen, Immobilienbesitzer oder Verkehrspolitik, die vor allem das Auto im Blick haben, sind oft Gegenstand seines durchaus angriffslustigen Humors.

Die Witze auf seiner Lesung fallen dagegen fast schon altmodisch aus. In klassischer Stand-Up-Manier macht er sich selbst zur Kunstfigur eines Antihelden und diese zum Protagonisten seiner kurzweiligen Erzählungen. Da geht es um das Aufwachsen in einem kleinen Dorf in Franken, wo eine Stadt wie Erlangen das Tor zu Welt bedeutete. Er erzählt von seinen Erfahrungen in der Arbeitswelt, als er in einem dualen Studium BWL studierte. In dieser Zeit hat er viel gelernt über die Welt, die wohl immer noch die Mehrheit aller Menschen in diesem Land teilt: Sie besteht aus Büros, Kollegen und Chefs, Betriebsfeiern und kurzen Unterhaltungen am Kaffeeautomaten.

In ihr ist auch sein Roman „Mindset“ angesiedelt, der um einen mittelmäßig erfolgreichen Motivations-Coach mit Hochstapler-Qualitäten kreist. Manchmal haben seine überspitzen Schilderungen aus der banalen Alltagswirklichkeit tatsächlich Loriot-Charakter. Manchmal wirken sie aber selbst in den kurzen Schnipseln schon etwas zäh und wenig subtil. El Hotzo bleibt momentan also noch der Meister der ganz kurzen Form.

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