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Intendant des Schauspielhauses: Empörung über Düsseldorf-Kritik von Holm

Intendant des Schauspielhauses : Empörung über Düsseldorf-Kritik von Holm

So wütend ist Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe selten zu erleben: Bei einer Pressekonferenz zu einem anderen Thema empörte sich der CDU-Politiker am Montag über den Intendanten des Schauspielhauses, Staffan Holm. Der hatte in einem Interview mit der Rheinischen Post in scharfen Worten über Sparmaßnahmen geklagt, die sein Haus treffen sollen.

Holms Äußerungen seien "mehr als überflüssig und auch falsch gewesen", schimpfte der Dezernent. Holm habe seit langem gewusst, dass eine Sonderzahlung in Höhe von 350 000 Euro, die dem Haus jahrelang gewährt wurde, in der kommenden Spielzeit gestrichen werde. Auch müsse das Theater die anstehenden Tariferhöhungen nicht alleine schultern. Stadt und Land übernähmen einen Anteil von zwei der 3,5 Prozent.

Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (CDU). Foto: Bußkamp, Thomas

Das restliche Geld, etwa 300.000 Euro, könne das Theater aufbringen, indem es seine Auslastung verbessere, wieder Geld für die Garderobe nehme und eine Rücklage von 146 000 Euro einbringe. Das Theater dagegen beharrt auf der Darstellung des Intendanten, wonach die Bühne 431.000 Euro zusätzlich aufbringen muss.

So empfindlich haben Holms Worte die Düsseldorfer Stadtspitze getroffen, dass die Chefin der Kommunikationsabteilung keine diplomatischen Töne mehr anschlagen mag: "Dass sich der Leiter eines Instituts in dieser Weise in einer Zeitung äußert, ist inakzeptabel", sagte Natalia Fedossenko. Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) habe gestern persönlich mit Holm sprechen wollen, der habe sich aber im Theater krankgemeldet. Ein klärendes Gespräch steht also noch aus. Das hatten auch Politiker der Düsseldorfer Opposition im Stadtrat gefordert, die sich erschreckt zeigten über den Grad der Frustration des Düsseldorfer Intendanten.

Der hat mit seiner Klage über die Kosten für die Tariferhöhung ein grundsätzliches Problem berührt. Holm selbst verwies auf Städte wie Bochum oder Dortmund, die Tariferhöhungen für ihre Theater übernähmen. Tatsächlich werden aber auch in diesen Städten die höheren Kosten für die Mitarbeiter wohl nur zum Teil getragen. Die Stadt Bochum etwa übernimmt 1,5 Prozent der Erhöhung, über den Rest wird noch verhandelt. Nur Köln garantiert seinen Intendanten sogar im Vertrag, dass die Stadt anfallende Mehrkosten für die Mitarbeiter komplett trägt. Das wird nun auch geschehen, gleichzeitig müssen die Bühnen in Köln allerdings eine Million Euro einsparen.

Für seine deutlichen Worte bekam Holm gestern auch Anerkennung. Im Theater seien Briefe abgegeben worden, in denen Zuschauer Holm ermunterten, weiter eine so klare Haltung einzunehmen, sagte dessen Assistentin Petra Gockel. Auch telefonisch sei Holm Unterstützung ausgesprochen worden.

Der langjährige Düsseldorfer Kulturdezernent und spätere Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) plädierte gestern dafür, dem Theaterchef mehr Zeit einzuräumen. "Holm hat grundsätzlich mein Mitgefühl und meine Sympathie", sagte Grosse-Brockhoff. Über die Leistung eines Intendanten könne man seriös erst nach etwa drei Jahren urteilen, so lange müsse man eine "mäzenatisch großzügige Haltung" einnehmen. In seiner Funktion als Kulturstaatssekretär war Grosse-Brockhoff maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, die Theaterleitung an Holm zu geben.

Das hält er auch heute für richtig. "Holm leistet eine hervorragende Arbeit", so Grosse-Brockhoff, auch die eigenen Inszenierungen des Intendanten hätten seine Erwartungen erfüllt. Die Auseinandersetzungen zwischen Holm und der Stadt wollte er nicht kommentieren. "Seit meinem Ausscheiden habe ich das immer so gehalten", so Grosse-Brockhoff.

(RP/ila)