Elisabeth Leonskaja und das Jerusalem-Quartett zu Gast in der Tonhalle.

Klassisches Konzert : Priesterin des Klaviers

Elisabeth Leonskaja und das Jerusalem-Quartett zu Gast in der Tonhalle.

Die Kammermusik ist eine Welt für sich. Sie vereint Solisten-Kunst mit Ensemble-Spiel. Einzelleistungen treten stärker hervor als im Orchester, doch gleichzeitig spielt die klingende Korrespondenz eine große Rolle. Und die Frage, wer mit wem hier Beziehungen eingeht, ist von entscheidender Bedeutung.

Beim Kammerkonzert in der Tonhalle hat sich nun das Jerusalem-Quartett mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja zusammengetan, um Dvoráks berühmtse Quintett für Klavier und vier Streicher A-Dur aufzuführen. Beim Hören wurde langsam, aber sicher deutlich, dass Quartett und Pianistin bestens miteinander harmonieren. Mehr noch: Leonskaja, eine Musikerin mit jahrzehntelanger Konzerterfahrung, gab den vergleichsweise  jungen Streichern starke gestalterische Impulse.

Im ersten Satz brachte Leonskaja souveräne Ruhe ins Spielgeschehen. Die 74-jährige Georgierin, die von ihrem Heimatland bereits die hohe Auszeichnung „Priesterin der Kunst“ erhalten hat, saß fast stoisch am Klavier, vergleichbar mit dem alten Sviatoslav Richter. Wie in der Kammermusik üblich, waren Noten aufgeschlagen, so dass die Grande Dame der Tasten beim Konzertieren eine Lesebrille trug. Die Frau am Flügel warf an wichtigen Stellen strenge Blicke aufs Quartett, denn jetzt war sie nicht nur Gast, sondern auch Regimentsführerin.

Gleichwohl dominierte das Klavier nicht, doch es setzte die schönsten Akzente. Wenn in den Variationen über eine Dumka dramatische Spitzen auftauchen, packte die Virtuosin energisch zu, was das zum Braven tendierende Quartett motivierte, ebenfalls weiter aus sich heraus zu gehen. Im Finalsatz mit seinen Abschiedsklängen, mit denen Dvorák an frühere Themen des Werkes erinnert, fanden Pianistin und die vier Streicher zu einer Harmonie der Glücksmomente.

Als Zugabe nach dem Dvorák-Quintett, mit dem der Abend offiziell endete, gab es für den Beifall noch den langsamen Satz aus dem f-Moll-Quintett von Brahms. Begonnen hatte der Abend ohne die Pianistin. Das Jerusalem-Quartett spielte Streichquartette von Mozart und Erwin Schulhoff. Das 1996 gegründete Ensemble, das schon mehrmals in Düsseldorf gastierte, hat sich zu einem erlesenen und gefestigten Klangkörper entwickelt. Allerdings musizieren die israelischen Musiker oft zu gediegen, fast mutlos. Beim Mozart fehlte Esprit und beim Schulhoff das Freche. Vielleicht müssen die vier Künstler noch viel häufiger mit der „Priesterin der Kunst“ auftreten.