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Konstantin Wecker: Ein ungleiches Paar singt "Liedestoll"

Konstantin Wecker : Ein ungleiches Paar singt "Liedestoll"

Gemeinsam mit Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager tritt Liedermacher Wecker am Donnerstag in der Tonhalle auf.

Franz Schubert, Robert Schumann, Konstantin Wecker — wie mag sich das fügen? Der bayerische Komponist und Sänger und die österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager haben es lustvoll und mutig ausprobiert. Eine der ersten Stationen ihrer "Liedestoll"-Tournee führt die Künstler morgen in die Düsseldorfer Tonhalle.

Mit welchen Gefühlen erlebten Sie die umjubelte Premiere in der vorigen Woche?

Wecker Wir waren wahnsinnig angespannt. Für uns beide ist es eine völlig neue Art von Programm, aber mehr noch für Angelika. Entsprechend größer war auch ihre Angst. Nach der Premiere fielen wir uns in die Arme und ließen gemeinsam mit unseren Musikern erst einmal ordentlich Dampf ab.

Sie kommen aus unterschiedlichen musikalischen Welten. Wie fanden Sie zusammen?

Wecker Der ORF hatte die Idee, für die Sendung "Seitenblicke" ein erstes Treffen zu arrangieren. Man wusste, dass Angelika ein bekennender Wecker-Fan ist und ich sie seit Jahren verehre. Zuerst hatten wir Bedenken, uns vor laufender Kamera kennenzulernen. Aber dann — um Mitternacht in Wien — vergaßen wir das schnell. Es war wunderbar. Nicht lange darauf begannen wir unser Programm zu entwickeln. In der Toskana rauften wir uns liebevoll zusammen und verbrachten danach drei intensive Probentage mit unserem Streichquartett in Linz.

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In "Liedestoll" schlagen Sie einen kühnen Bogen vom romantischen Kunstlied zum Politgesang.

Wecker Ja, wir heben die von Gralshütern sorgsam bewahrten Grenzen zwischen der sogenannten E-Musik und der U-Musik ohne Hemmungen auf. Was zum Beispiel ist Mozart? Ein von den Göttern beschenkter Künstler, für mich der Größte überhaupt. Aber er unterhält mich.

Ihr Vater war Tenor, klassische Musik ist Ihnen von Kindheit an vertraut.

Wecker Schon als Elfjähriger sang ich das ,Heideröslein'. Und jetzt eben wieder. Meine frühen Kompositionen zielten alle in Richtung Kunstlied. Mit 14 vertonte ich romantische Gedichte, später meine eigenen. In unserem Programm zeigt es sich, dass ein nahtloser Übergang von Schubert zu Wecker möglich ist.

Wie war das für das Spring String Quartett, erstmals mit einem internationalen Opernstar wie Angelika Kirchschlager zu arbeiten?

wecker Beeindruckend. Unser Bratschist sagte eines Tages ehrfurchtsvoll, wir hätten eine Göttin unter uns. So nennen wir sie seitdem alle — Göttin.

Ist sie jetzt auch als Solistin zu erleben?

wecker Natürlich. "Mondnacht" singt sie so atemberaubend schön, dass ich jedes Mal in Tränen ausbreche. Den "Erlkönig" singen wir gemeinsam, den kann man mit der E-Gitarre richtig toll gestalten. Ein Abenteuer für sich. Wir veräppeln das Lied nicht, wir beleben es. So viel muss erlaubt sein. Wenn Musik erstarrt, wird sie zum Zerrbild. Unser Programm präsentieren wir flexibel. Beim "Leiermann" etwa begleitet mich Angelika am Klavier.

Wird sie auch ein Wecker-Lied mit Ihnen singen?

wecker Es war ihr ausdrücklicher Wunsch, dass meine politischen Botschaften nicht ausgeklammert werden. Sie behauptete, sie wollte schon immer mal ein Kampflied wie "Empört Euch" aus sich rauslassen. In diesen Momenten ist sie keine Operndiva mehr. Nur noch ein Mädchen, das singt.

In Düsseldorf sind Sie ja schon öfter aufgetreten. Was blieb davon bei Ihnen haften?

wecker Eine schöne Stadt, die ich wirklich gerne mag. Obwohl — mir fällt ein, dass ich mit "Die Damen von der Kö" vor vielen Jahren ein Schmählied auf Düsseldorf geschrieben habe. Sie bringen mich gerade auf die spontane Idee, es in der Tonhalle nach langer Zeit mal wieder zu singen. Das wird sicher lustig.

(RP)