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Düsseldorf: Ein Theaterduo holt die Elfenbeinküste zu uns

Düsseldorf : Ein Theaterduo holt die Elfenbeinküste zu uns

Fünf Männer stehen barfuß vor einer Wand. Sie sprechen über ihre Heimat, die Elfenbeinküste, über den inzwischen festgenommenen Präsidenten Gbagbo und seinen Herausforderer, den Wahlsieger Ouattara. Auf welche Seite sollen sie sich schlagen? Was sollen sie anfangen mit einem weißen Wahlzettel in einem Land, in dem so oft Gewalt entscheidet?

Die Männer wiegen sich im Rhythmus ihrer Worte, erst sanft, dann immer aggressiver; sie stampfen, lassen die Oberkörper schwingen, aus Sprache wird Bewegung. Und obwohl ein Darsteller die Sätze der Männer erst aus dem Französischen übersetzen muss, erzielen die Worte unmittelbare Wirkung. Wenn die ivorischen Tänzer, mit denen das Künstlerduo Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen zusammenarbeitet, auf die Bühne treten, entwickeln sie einen Sog, so eindringlich und bezwingend, dass man sich dem nicht entziehen kann. Dieses Theater ist wahrhaft existenzialistische Ausdrucksform.

Seit 2005 arbeiten die derzeit gefragtesten Theatermacher aus der Off-Szene, die Regisseurin Monika Gintersdorfer und der Bühnenbildner Knut Klaßen, mit Künstlern aus Westafrika zusammen. Dabei kommt Gintersdorfer aus dem Stadttheater, hat Jahre am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gearbeitet mit Größen wie Frank Baumbauer, Wilfried Schulz oder Christoph Schlingensief.

Doch bei ihren eigenen Arbeiten merkte sie, wie wichtig es war, mit Schauspielern zu arbeiten, die ihre Idee körperlichen Theaters teilten und nicht nur zufällig aufgrund von Dienstplänen in ihre Inszenierungen gespült wurden. "Ich habe nie an Kleinigkeiten gefeilt, sondern den Darstellern immer Freiraum gelassen, damit der große Wurf entstehen kann", sagt Gintersdorfer. Weil es dazu Vertrauen braucht und vertraute Darsteller, begann sie mit gleichgesinnten Künstlern und Freunden Theater-Performances im Stadtraum zu machen.

Der Schritt in die Off-Szene war für Gintersdorfer eine Befreiung, und ihr innovativer, expressiver Stil erregte Aufmerksamkeit. Zur gleichen Zeit lernte sie einen Designer von der Elfenbeinküste kennen, der sie mitnahm zu Shows ivorischer Künstler in Paris und an der Elfenbeinküste. Die Theatermacherin war sofort beeindruckt von der vollkommen eigenständigen Ausdrucksform dieser Künstler. Wie sie Texte physisch erlebbar machten, das war genau der Ansatz, den sie selbst verfolgt hatte, etwa auf den Spuren von Künstlern wie Enda Walsh, den sie in Hamburg kennengelernt hatte.

Seither macht Monika Gintersdorfer regelmäßig Theater mit Tänzern und Darstellern von der Elfenbeinküste. Knut Klaßen ist ihr Ausstatter und Bühnenbildner. Die Arbeiten des Duos sind intelligent, ausdrucksstark, auf ernste Art humorvoll, wenn sie in "Othello, c'est qui" etwa damit spielen, dass eine der bekanntesten schwarzen Rollen der westlichen Theatertradition in Afrika weitgehend unbekannt ist.

Ihre aktuelle Produktion heißt "Am Ende des Westerns" und beschäftigt sich mit der aktuellen Krise an der Elfenbeinküste. Gintersdorfer hat die Auseinandersetzungen um die Ablösung des Präsidenten Gbagbo Anfang des Jahres vor Ort miterlebt. Gefährliche Zeiten, die sich in der aktuellen Arbeit niederschlagen werden. "Wir versuchen die vielen Positionen in diesem Konflikt deutlich zu machen, aber nicht über Informationen, das wäre viel zu kompliziert, sondern durch die Mittel des Theaters", sagt Monika Gintersdorfer. Premiere wird in Rotterdam sein. Im November kommt die Inszenierung dann ans Forum Freies Theater in Düsseldorf.

(RP/rai)