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Schauspielhaus: Ein Kunstkrimi für Düsseldorf

Schauspielhaus : Ein Kunstkrimi für Düsseldorf

Er wurde zum besten Nachwuchsregisseur gekürt: Am Sonntag wird der Hamburger Falk Richter im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses seine Dramatisierung von Michel Houellebecqs Roman "Karte und Gebiet" zur Diskussion stellen.

Sein guter Ruf eilt ihm voraus, zum besten Nachwuchsregisseur wurde Falk Richter (41) gekürt, doch mehr als das stehen seine Inszenierungen in der Theaterlandschaft ungewöhnlich und einzig da. Auch mit eigenen Stücken hat er sich einen Namen gemacht. Nun ist Regisseur Falk Richter in Düsseldorf angekommen, der Hamburger mit Wohnsitz in Berlin hat eine kleine Wohnung in Oberkassel bezogen. Dort fühlt er sich gut. Intendant Staffan Holm holte ihn als einen von drei Hausregisseuren an sein Theater. Richter hat gerne zugesagt.

Sonntag stellt er seine eigene dramatisierte Bearbeitung von Michel Houellebecqs vieldiskutiertem Roman "Karte und Gebiet" im Kleinen Haus des Schauspielhauses vor. Er hat dieses Stück für den Spielplan vorgeschlagen, denn er ist ein großer Houellebecq-Fan. Ein Gespräch mit Falk Richter vor der Premiere.

Mit welcher Grundidee haben Sie den Roman dramatisiert?

Richter Es sind große Themen, die er behandelt, letztlich nichts anderes als der Untergang Europas, der europäischen Kultur, die immer mehr verdrängt wird durch die neuen reichen Länder, China, Russland und Indien. Am Ende verliert die Menschheit als Ganzes sogar den Kampf gegen die Natur und die Zivilisation wird von der Vegetation zurückgedrängt.

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Der Kunstmarkt wird auch verhandelt?

Richter Ja. Es ist ein spannender Stoff, ein Künstlerdrama, in dem der Markt durchleuchtet wird. Das passt zur Kunststadt Düsseldorf. Aber auch zur Zeit der Finanzkrise. Gerade am Kunstmarkt zeigt sich, wie spekulativ Werte in unserer Gesellschaft geworden sind. Die Werte, die wir heute haben, sind oft gar nicht mehr an irgendetwas Reales angebunden, sondern wir handeln mit Objekten, die man aufladen kann und durch geschickte Kampagnen enorm im Wert steigern kann.

Im Roman geht es um XXL-Künstler, etwa um Damien Hirst, der Marktführer in der internationalen Kunstbranche sein dürfte. Was interessiert Sie an ihm?

Richter Dieser Kunstunternehmer hat eine riesige Kunstfabrik, in der mehrere hundert Angestellte seine Werke herstellen, er entwickelt nur noch das Konzept. Millionäre kaufen dann diese Kunstwerke und können dadurch Steuern sparen oder ihr Vermögen verdoppeln oder verdreifachen. Das ist schon interessant, welche Bedeutung die Kunst im Zusammenspiel mit dem Finanzmarkt hat. Sie ist ein Spekulationsobjekt, das nicht mehr wirklich überwacht werden kann, weil es niemand mehr durchschaut.

Wie sind Sie mit den mehreren hundert Seiten umgegangen, um sie auf zweieinhalb Stunden Bühne zu reduzieren?

Richter Letztlich intuitiv, ich habe die Stellen ausgewählt, die ich am interessantesten finde, am dramatischsten, am emotional bewegendsten, am intellektuell stimulierendsten, am aggressivsten. Ich bin auf die Dinge gesprungen, von denen ich dachte, dass sie für die Bühne interessant sind.

Was brauchen Sie für die Bühne?

Richter Die Bühne braucht immer Zuspitzung, Dramatisierung, während die Romansprache in die Breite geht. Letztlich muss ich das auf der Bühne verdichten.

Im Roman taucht der Autor selber auf, sehen wir ihn auch im Bühnenstück?

Richter Natürlich taucht Houellebecq auf. Er hat sich als Alptraumversion seiner selbst in den Roman hineingeschrieben, als Monster, als Enfant terrible, als völlig unzugänglicher Mensch. Gleichzeitig hat er sich überhöht. Es war eine Freude, diese Figur auf die Bühne zu bringen, weil er unter den Schriftstellern eine besondere Position einnimmt.

Welche ist das?

Richter Er ist der Popstar unter den Lebenden, weil er so umstritten, nicht ganz zu greifen ist und weil er es sich mit den Linken und den Rechten und eigentlich mit allen verscherzt hat.

Hätten Sie Houellebecq bei Ihrer Arbeit gerne kontaktiert?

Richter Nein, ich fand es ganz gut, diesen Abstand zu haben, weil er in seinem Roman gar nicht so viele Fragen offen lässt. Er sagt das, was er sagen will, und er schreibt sehr direkt und weitgehend verständlich. Ich fand es eher interessant, mich damit auseinanderzusetzen, wie er sich selbst beschrieben hat.

Aber Sie kannten ihn doch gar nicht persönlich, um die Entwürfe abzugleichen?

Richter Ich habe mir viele You-Tube-Trailer angesehen, in denen er vorkommt, Interview-Mitschnitte und Auftritte, bei denen er singt. Eigentlich wollte er ja Rockstar werden.

Worauf weist der Titel "Karte und Gebiet" hin?

Richter Es geht um ein Territorium, um die Kartographierung eines Gebietes, und wir fragen: Welches könnte das sein? Was ist der Unterschied zwischen der Karte eines Gebietes und dem eigentlichen Gebiet, also zwischen der Art, wie wir uns die Welt vorstellen, und wie die Welt wirklich ist.

Wie wird das Stück angekündigt?

Richter Es handelt von Kunst, Markt und Mord. Michel Houellebecq wird nach etwa der Hälfte des Abends grausam ermordet. Plötzlich verwandelt sich das Stück in einen Krimi: Wer hat den Autor ermordet? Und welches Motiv mag der Täter gehabt haben?

(RP)