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Düsseldorf: Ein Biest probiert die Liebe

Düsseldorf : Ein Biest probiert die Liebe

Sonntag hat das Weihnachtsmärchen Premiere im Schauspielhaus: "Die Schöne und das Biest"

Üble Narbe, die Gregor Löbel sich da eingehandelt hat. Sie bedeckt seine gesamte rechte Wange. Und nun tupft Kathy Oeter auch noch ihren Pinsel in tiefbraune Schminke und pinselt ihm geronnenes Blut in die Runzeln. Löbels Nase ist da ohnehin schon unter einem modellierten Gesichtsteil verschwunden, das ihn aussehen lässt wie einen Avatar von James Camerons Filmplaneten Pandora.

Doch so richtig biestig wird es erst, als die Maskenbildnerin Löbel die Perücke überzieht. Die ist aus schütterem Büffelhaar, gekämmt zu einer räudigen Punkfrisur, - die Schöne wird erschaudern vor diesem Biest. Das Schauspielhaus zeigt als Weihnachtsmärchen in diesem Jahr die reichlich sentimentale Geschichte vom unschuldigen Mädchen, das einem hässlichen Wüterich in die Hände fällt und ihn durch seine Liebe erlöst: "Die Schöne und das Biest".

Disney hat die Geschichte erzählt, Musicalbühnen haben dankbar die Herzschmerzmotive ausgekostet. Nun wagt das Schauspielhaus eine Neuinterpretation. Das Team um den Hannoveraner Regisseur Marc Prätsch erzählt das Märchen in der Gegenwart. Und so ist Hauptdarsteller Gregor Löbel zwar ein ziemlich haariges Monster, aber doch kein reines Fantasiegeschöpf. Eher wirkt er wie ein verwöhnter Star, der sich schon zu lange in seine Penthousewohnung zurückgezogen hat, dort seine Fitnesstrainer und Psychoberater drangsaliert und mit seinem Aussehen hadert - vor allem mit der Ganzkörperbehaarung.

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An der arbeiten Kathy Oeter und ihre Kolleginnen nun seit vier Wochen in jeder freien Minute. Mit einem feinen Drahthaken haben sie Büffelhaar, Strähne um Strähne, durch ein Ganzkörper-Trikot aus Tüllstoff gezogen. Noch immer ist der Anzug im Raum der Maskenbildnerinnen über einen Metallständer gezogen. Wenn die Frauen gerade keinen Darsteller schminken und frisieren müssen, knüpfen sie die letzten Haarbüschel an das Kostüm.

Doch heute darf das Toupet schon mal raus auf die Bühne. Hauptprobe im Großen Saal: In den ersten Reihen sitzen Schulkinder, die sich das Stück zur Probe ansehen. Sie fangen an zu rufen und zu kreischen, als das Biest auf die Bühne tritt. Das Mädchen Belle, die Schöne, hat das Ungeheuer noch nicht entdeckt, läuft ahnungslos in dessen Wohnung und so müssen die Kinder sie vor der haarigen Gefahr warnen, ihr zuschreien, wo das Biest aus der Kulisse gekrochen ist. Die Szene ist gruselig, die Reaktion der Kinder direkt. Das gefällt Darsteller Gregor Löbel, der zum ersten Mal für junges Publikum spielt. "Kinder ergreifen sofort Partei für ihren Lieblingscharakter und empfinden dann wirklich mit", sagt Löbel, "es ist eine Freude, das zu erleben."

Löbel hat nie Schauspielerei studiert. Er hat nach dem Abi ein freiwilliges soziales Jahr an der Berliner Schaubühne gemacht, ist dort bei einem Theaterprojekt eingesprungen und wurde vom Dramaturgen Jens Hillje entdeckt. Doch bevor er sich endgültig für die Bühne entschied, machte er erst in Hong Kong eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann.

Die ausgefallene Berufswahl erklärt er schlicht: "Ich wollte besser Englisch lernen." Doch so ausgefallen war der Alltag dann doch nicht, so zog es ihn zurück zur Bühne. Bisher hat er mit den Regisseuren Nurkan Erpulat und Falk Richter gearbeitet, nun freut er sich darauf, auf der weiten Bühne im Großen Haus zu stehen - vor einem Saal voller Kinder.

Um sich in das Biest zu verwandeln, wird er künftig mindestens eine Stunde und zehn Minuten in der Maske sitzen. Ihm ist das egal. Er kann sich dort sammeln, im Kopf die ersten Bühnengänge durchgehen, langsam in die Rolle sacken. Außerdem zählt für ihn, dass das Kostüm den Kindern Spaß macht. "Ich würde mich auch zwei Stunden in die Maske setzen", sagt er, "Hauptsache die Kinder bekommen ein cooles Biest".