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Rheinlandtaler: Ehren-Taler für den Theatermäzen

Rheinlandtaler : Ehren-Taler für den Theatermäzen

Jürgen Mühle engagiert sich seit vielen Jahren für die freie Theaterszene in Düsseldorf. So ist er Vorsitzender des Trägervereins für das FFT und bekommt am Dienstag für sein ehrenamtliches Engagement den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes. Eine Begegnung.

Eigentlich müsste er viel bekannter sein. Doch der Verein, dem Jürgen Mühle (64) vorsitzt, arbeitet meist unauffällig und vor allem hinter den Kulissen. Einflussreich ist er trotzdem, denn die fünf Vereinsvorstände und etwa 20 Mitglieder, die aus Kulturpolitik und -verwaltung stammen oder einfach Enthusiasten sind, bestimmen unter Mühles Moderation über den Etat, die Verträge, Gehälter und Sachkosten des Forum Freies Theater. Und Düsseldorfs Off-Theaterzentrum unterhält immerhin zwei Bühnen: die FFT-Kammerspiele und das FFT-Juta. Für sein ehrenamtliches Engagement in Sachen Theater wird Mühle am Dienstag mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland ausgezeichnet.

Mühle war schon im Vorstand des Juta, bevor die Bühne 1999 mit den Kammerspielen vereint wurde und der neue Förderverein entstand. Er war Motor der Neuorientierung — die auswärtige freie Theaterszene mit ihren Experimenten sollte auch in Düsseldorf einen Spielort finden. Auch mit eigenen Produktionen kann sich das FFT zwölf Jahre nach seiner Gründung durchaus am Austausch mit anderen Großstädten beteiligen.

Dass das an Einwohnerzahl vergleichsweise übersichtliche Düsseldorf daheim oft nur ein übersichtliches Publikum zur Avantgarde lockt, weiß Mühle. "Düsseldorf ist eine schwierige Theaterstadt und hat ein zögerliches Publikum", sagt er. Schon 40 Fans pro Abend seien aber jede Mühe wert.

Die Arbeit hinter den Kulissen bereitet ihm sichtlich Freude: "Die Zusammenarbeit mit Intendantin Kathrin Tiedemann ist harmonisch, wie es auch mit ihrem Vorgänger Niels Ewerbeck schon war. Glücksfälle fürs FFT, beide." Auch dank ordentlicher Haushaltsführung habe er in zwölf Jahren "niemals ein Problem gehabt" mit den künstlerischen Leitern.

Und wie steht es mit der Programmfreiheit? "Dreinreden nie, mitreden ja", so beschreibt Mühle die drei- bis viermal im Jahr stattfindenden Konferenzen. Und wie wirkt er persönlich? Gewitzt und charmant bekennt er: "Ich habe seit je zwei Herzen." Eins schlägt fürs Theater, er war auch schon mal Schauspieler, das andere ist näher an Skulpturenkunst und gilt seiner Firma 3D-Design.

Das Unternehmen arbeitet international und erstellt Dummys für Fotos und Filme in der Werbewirtschaft. Aus Kunststoffen werden Tiere, Blüten, Lebensmittel und alles Erdenkliche sonst fürs Studio täuschend echt nachgebildet. Auch das hat viel mit Theater zu tun. Schließlich werden Fotos inszeniert und wie vor Bühnenbildern arrangiert.

Mühle ist Autodidakt, hat sich in seinem Leben immer alles selbst beigebracht. "Ich vereine 120 Berufe in mir", sagt er. Und wovon träumt der Manager und Handwerker, der Künstler und FFT-Vorsitzende? Davon, Produktionen im FFT häufiger als nur ein-, zweimal zeigen zu können. Und von der Vereinigung beider Bühnen in einem größeren Haus. Vorbildlich sei die Unterkunft des Tanzhauses NRW im ehemaligen Straßenbahndepot, findet Mühle. Gut eingebunden ins Netzwerk der Politik informiert er sich schon mal vorsorglich und unverbindlich über Immobilienleerstände und Gewerbebrachen in der Stadt.

(RP)