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Düsseldorfs Oberbürgermeister Geisel liest live aus seinem Wohnzimmer

Online-Lesung : Bei Geisel im Wohnzimmer

Eine knappe Stunde liest der Oberbürgermeister aus seinem Buch "Düsseldorf persönlich" - und sitzt dabei auf der heimischen Couch. Etwa 45 Nutzer schauen zeitgleich live zu. Mittlerweile hat das Video über 3000 Aufrufe. Die Kommentare sind positiv.

Er sitzt leger auf dem heimischen Sofa und schlägt die Beine übereinander. Mit der Lesebrille in der Hand und seinem Buch auf dem Schoß empfängt Thomas Geisel die Zuschauer zu seiner Lesung. „Die erste Lesung, die ich je in meinem Leben gemacht habe“, betont der Oberbürgermeister. Der Vortrag findet unter Pandemie-Bedingungen statt – also musste Geisel darauf verzichten, aus seinem Buch in einem „Ladengeschäft des gut sortierten Buchhandels“ vorzutragen. Stattdessen überträgt Düsseldorfs Stadtoberhaupt aus seinem eigenen Wohnzimmer. „In Corona-Zeiten ist alles ein bisschen anders“, sagt Geisel. Und so ist der Facebook-Livestream das Mittel zum Zweck.

Die Produktion der Sendung ist professionell: Drei Kameras sind auf Thomas Geisel gerichtet, der auf einer dunklen Ledercouch sitzt, die zwei bunte Kissen schmücken. Der Oberbürgermeister trägt braune Schuhe, einen dunkelblauen Anzug, ein hellblaues Hemd und keine Krawatte. Am Sakko ist ein kleines Mikrofon befestigt, das rauschfrei überträgt. Während der Online-Lesung gibt Geisel Einblicke in mehrere persönliche Angelegenheiten: in Anekdoten rund um die Stadt, die er in seinem Buch niedergeschrieben hat, sowie in sein privates Umfeld.

Das Wohnzimmer des Oberbürgermeisters ist hell und offen. Große Fenster geben den Blick in einen Garten frei, in dem rosa Pfingstrosen blühen. Ein Strauß großer roter Rosen steht direkt neben der Couch. Die braune Lautsprecherbox im Hintergrund zieren zwei Engelsfiguren. Eine Vielzahl von Bilderrahmen mit Fotos haben auf einem dunklen Schrank Platz gefunden, vor dem Sofa, auf einem roten Teppich, steht ein hölzerner Couchtisch. Darauf ein Glas Wasser, aus dem der Oberbürgermeister während seiner Lesung ab und zu trinkt.

Fast 55 Minuten lang liest Geisel aus dem Buch „Düsseldorf persönlich“, das Anfang des Jahres im Droste-Verlag erschienen ist. Als „Anekdotensammlung“ und „Liebeserklärung an diese wunderbare Stadt“ – so beschreibt er das Werk im Livestream. Geboren ist Geisel in Ellwangen im Osten Baden-Württembergs. Doch die Landeshauptstadt ist mittlerweile sein Zuhause. „Heimat ist nicht der Ort, wo wir geboren sind, sondern der, wo wir alt werden wollen“, schreibt er. Und so behandelt das erste Kapitel – der Ersatz für ein Vorwort – die Geschichte, wie es den Schwaben Geisel mit seiner Frau nach Düsseldorf verschlagen hat. Und auch, welche „Reihe von glücklichen Zufällen“ ihn ins Amt des Oberbürgermeisters führten.

Geisel liest aus Kapiteln über Fortuna Düsseldorf, den Karneval und das Brauchtum. Er erzählt, wie aus einem Hertha-Fan ein echter Fortuna-Anhänger wurde und wie sich der Nicht-Rheinländer in einen „leidenschaftlichen Karnevalisten“ verwandelte. Er erwähnt, wie er im Haus Gantenberg vor der versammelten Karnevalsgesellschaft ein Rad geschlagen hat. Geisel erzählt auch, wie er und seine Frau Vera mehrfach große Aufmerksamkeit mit ihren speziellen Karnevalskostümen erregten. Auch über das Biertrinken – Altbier sei für Geisel ein „acquired taste“ (ein „erworbener Geschmack“) – und über die Brauhäuser der Stadt sowie Ereignisse, die er dort erlebt hat, spricht der Oberbürgermeister. Viele Anekdoten zeigen, wie freundlich Geisel nach nur kurzem Zögern von den Düsseldorfern aufgenommen wurde. Und wie er die Stadt und die Menschen immer mehr lieben lernte.

Der Düsseldorfer OB las einige Kapitel aus seinem Buch „Düsseldorf persönlich“. Foto: Droste Verlag

Doch auch große und wichtige Bauwerke der Landeshauptstadt thematisiert Geisel. Er wirft einen Blick auf die Vorgeschichte bis zur Gesamtsanierung des Schauspielhauses und die großartigen Konzerte, die er in der Tonhalle besucht hat. Natürlich gibt es auch ein Kapitel zu seiner Wirkungsstätte, dem Düsseldorfer Rathaus. Geisel beschreibt die Architektur sowie seine Sicht auf das Amt und die Kommunalpolitik. Er lobt das Engagement der Kommunalpolitiker und mahnt, ihre Arbeit wertzuschätzen.

Mit diesem Kapitel beendet Geisel die Lesung und hält sich an den Zeitplan. „Es gäbe noch so viel zu lesen“, sagt der Oberbürgermeister und bedankt sich bei den Zuschauern für ihre Zeit. Diese antworten mit positiven Kommentaren. „Lieben Dank“ und „Interessant und sympathisch“ schreiben sie. Insgesamt ist die Resonanz positiv. Nur zwei Zuschauer versuchten die Lesung zu nutzen, um dem Oberbürgermeister politische Forderungen nahe zu bringen. Durchschnittlich schauten live etwa 45 Personen zu. Es gab nur kleine technische Probleme und kurze Aussetzer in der Übertragung. Der Livestream und die Aufzeichnung hatten wenig später bereits mehr als 90 positive Bewertungen und wurden knapp 3000 mal aufgerufen. Das Video ist auf der Facebook-Seite des Oberbürgermeisters abrufbar.