Ausstellung im Museum Kunstpalast: Düsseldorfs ehrwürdige Malerschule

Ausstellung im Museum Kunstpalast: Düsseldorfs ehrwürdige Malerschule

Eine mehr als 400 Werke umfassende Ausstellung zur Düsseldorfer Malerschule des 19. Jahrhunderts verbreitet im Museum Kunstpalast viel Pathos, aber auch romantischen Zauber. Sichtbar wird vor allem, welchen Einfluss die Düsseldorfer Kunst auf die USA, Russland und Skandinavien ausübte.

Schon lange sah man in Kunstausstellungen keine Schlachtengemälde mehr, auch nicht so viel Pathos, so viel bedeutungsschwere Dunkelheit. Teilweise hängen die Bilder doppelreihig, und schon im zweiten Saal sucht die Schau ihre Besucher zu überwältigen: mit einem monumentalen Triptychon von Wilhelm von Schadow, das in Anlehnung an die "Göttliche Komödie" von Dante "Purgatorium — Paradies — Hölle" vorstellt. Das sieht ein wenig aus wie Rubens, wirkt aber doch nicht annähernd so genial. Das dreiteilige Gemälde ist eine Dauerleihgabe des Oberlandesgerichts Düsseldorf; frisch restauriert zeigt es, was der Gründer der Malerschule und einstige Rektor der Düsseldorfer Akademie als Maler zuwege brachte.

Die Temperamentskala der mehr als 400 Bilder, die im Museum Kunstpalast an die Düsseldorfer Malerschule des 19. Jahrhunderts erinnern, erstreckt sich von lieblich bis bombastisch, von romantisch bis pathetisch.

Im linken Teil des ersten Obergeschosses erlebt man den "Triumph der Landschaftsmalerei". Naturansicht hängt dort wenig abwechslungsreich neben Naturansicht, und man freut sich, dass Kuratorin Bettina Baumgärtel zumindest nahebei einen reizvollen motivischen Schwerpunkt gesetzt hat: das Thema Überfahrt. Auch Ludwig Richter, der in Sachsen von den Düsseldorfern lernte, ist prominent vertreten — mit der romantischen "Überfahrt am Schreckenstein", wie überhaupt die Ausstellung immer wieder auf die Wirkungen der Malerschule verweist. Gewiss hatte auch Joseph Beuys solche Motive im Kopf, als er sich 1973 von Anatol in einem Einbaum über den Rhein setzen ließ.

Unweit von "Schreckenstein" beweist Andreas Achenbach sein dramatisches Talent im stürmischen Historien-Seestück "Der Untergang der President". Pathos, wohin man schaut. Der aus Solingen stammende, in New York gestorbene Albert Bierstadt belegt mit seinem "Gewitter in den Rocky Mountains" gleichfalls die internationale Ausrichtung der Schau: Künstler aus Düsseldorf trugen die Ideale der heimischen Schule in alle Welt, von Russland über Skandinavien bis nach Amerika.

Im zweiten Obergeschoss hellt sich die Palette der Maler spürbar auf. Die Künstler des Sonderbunds, Ausläufer der Malerschule, entwickelten den Stil der Achenbachs, von Carl Friedrich Lessing und Emanuel Leutze in Richtung des Impressionismus fort. Davon zeugen Max Sterns lebensfrohe Düsseldorfer Szene "Auf dem Ananasberg" ebenso wie Walter Opheys schon zur Ungegenständlichkeit strebendes Gemälde "Am Mittelmeer".

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Die meisten Werke der Ausstellung stammen aus dem Museum Kunstpalast selbst, der bedeutendsten und umfangreichsten Sammlung auf diesem Gebiet weltweit. Doch es gibt auch eine Reihe beeindruckender Leihgaben: aus der Tretjakow-Galerie in Moskau und der Eremitage in St. Petersburg, aus dem Nationalmuseum in Oslo, der Terra Foundation für American Art in Chicago und dem Pariser Louvre.

Als Symbolbild der Düsseldorfer Malerschule schlechthin erweist sich ein Werk aus dem eigenen Bestand, das den Beginn der Ausstellung markiert: Andreas Achenbachs bezauberndes Gemälde "Der Akademiehof (Die alte Akademie in Düsseldorf)", eine unaufgeregte, heitere Darstellung der Ausbildungsstätte und ihrer davor im Freien arbeitenden Studenten.

Das Einzige, was fehlt, ist Emanuel Leutzes Amerika-Ikone "Washington überquert den Delaware am 25. Dezember 1776". Das New Yorker Metropolitan Museum leiht es nicht aus.

Am Samstag erscheint im Magazin der Rheinischen Post eine vierseitige Beilage zur Ausstellung "Weltklasse. Die Düsseldorfer Malerschule 1819—1918".

(RP)
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