Düsseldorfer Symphoniker: Sternzeichen-Konzert auf die Freundschaft

Düsseldorfer Symphoniker : Konzert auf die Freundschaft

Die Düsseldorfer Symphoniker widmeten sich Tschaikowsky und Ravel.

Ob denn die Mütter unter uns bei diesem Sternzeichen-Konzert das größere Vergnügen hatten, sei dahingestellt. Jedenfalls konnte sich Intendant Michael Becker bei der Begrüßung der Gäste am Muttertagsmorgen die besondere Würdigung der Mütter nicht verkneifen. Immerhin kommt in der Musik, die die Düsseldorfer Symphoniker auf den Pulten liegen haben, auch eine Mutter vor – wenn auch die verstorbene von Maurice Ravel. Und das hört man auch, denn sein „Le Tombeau de Couperin“ verarbeitet neben grausigen Eindrücken Ravels an der Front des Ersten Weltkriegs auch den Verlust seiner Mutter. Manchmal klingt die Musik aber auch wunderbar unbeschwert, ja fast fröhlich. Die Streicher und Holzbläser bringen ganz typisch französische Klänge hervor, die Harfe ist wunderbar eingesetzt und der Schlussakkord mit einer hübschen None versüßt. Da haben auch Väter ihren Spaß.

Dieses Sinfoniekonzert versammelt Musik für Freunde. Ravel hat die vier Tombeau-Sätze vier gefallenen Kameraden gewidmet, Edward Elgar die „Enigma-Variationen“ einem Dutzend verrätselter Bekannter. Igor Strawinsky schrieb seinen „Chant funèbre“ zum Tode seines Lehrers Rimski-Korsakow. Selbst Peter Tschaikowsky hat die „Rokoko-Variationen“ einem Cellisten zuliebe komponiert. Auch das muss Freundschaft gewesen sein.

Wenn wir also auf diese beseelten zwei Stunden Musik zurückblicken, bleibt zuvorderst Julian Steckels überlegenes, virtuoses, ungemein musikalisches Cellospiel im Gedächtnis. Wie schwerelos bewegt sich der 37-jährige vielfache Echo-Preisträger durch Tschaikowskys Charakterstudien mit Mozart-Anklang, die so herrlich romantisch ausgekleidet sind. Triller, Oktaven, diese fitzeligen Läufe vom Keller bis in den ewigen Schnee – berauschend. Und als Zugabe zelebriert er dann auch noch eine weitere phänomenale Freundschaftsmusik – die „Sacher-Variation“ von Lutoslawski.

Strawinskys Begräbnis-Gesang ist erst vor ein paar Jahren aus den Archiven aufgetaucht, ein Frühwerk, das zum ersten Mal in Düsseldorf erklingt. Aus dem Gegrummel von Kontrabässen, Pauken, Tamtam und Großer Trommel erwächst ein farbenreiches Musikstück, das auch mal nach Ravel oder nach Hollywood klingt und dem Solo-Hornisten silbrigste Töne abverlangt. Auch hier zeigt sich der diesmal vom eingesprungenen Joseph Bastian mit Schwung und ohne Mätzchen geleitete Klangkörper der Landeshauptstadt von seiner besten Seite, mit glänzenden Solisten im Holz und in den Streichern. Elgars großer sinfonischer Spaß beeindruckt zum Finale allein deshalb, weil man auf der Bühne mit ganzem Ernst bei der Sache ist. Einige Übergänge gelingen zum Niederknien. Und am Schluss dürfen alle noch mal so richtig reinhalten. Zur Gaudi für Mütter, Väter und Kinder.

Info Am Montagabend, 20 Uhr, wird das Sternzeichen-Konzert erneut gegeben. Karten gibt es telefonisch unter 0211 899 6123.

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