Symposium im Düsseldorfer Schauspielhaus „Irritation hat einen hohen Wert“

Düsseldorf · Politik und Theater - wie passt das zusammen? Beim Symposium im Düsseldorfer Schauspielhaus diskutierten Vertreter beider Bereiche über Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Chancen.

 Irritation erlaubt: Beim Festival „Theater der Welt“ schmückte die Installation der Berliner Künstlergruppe „Raumlabor“ im Sommer den Gustaf-Gründgens-Platz.

Irritation erlaubt: Beim Festival „Theater der Welt“ schmückte die Installation der Berliner Künstlergruppe „Raumlabor“ im Sommer den Gustaf-Gründgens-Platz.

Foto: dpa/Marcel Kusch

Das Symposium „Politische Bildung und Theater gemeinsam!“ im Schauspielhaus spürte der Frage nach, wie sich in fruchtbarer Zusammenarbeit innovative Ansätze zur Stärkung der Demokratie entwickeln lassen. Eröffnet wurde die ganztägige Veranstaltung mit zahlreichen Vorträgen, Präsentationen, Workshops und Gesprächen von Klaus Kaiser, parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.

Beide Bereiche seien eng mit Demokratie verknüpft, sagte er, naheliegende verbindende Punkte ermöglichten Synergien und Perspektiven: „Theater muss provozieren, Diskurse anregen, den Finger in Wunden legen. Politische Bildung hat den Auftrag, die Menschen zu informieren. Gerade in einer Zeit, in der Kultur und Demokratie angegriffen werden.“

Um Verschwörungstheorien Einhalt zu gebieten, müsse die Komplexität verschiedener Sachverhalte in den Diskurs genommen werden, mahnte Klaus Kaiser. „Sie finden Rückhalt in den sozialen Netzwerken, das führt zu Feindbildern, Rassismus und Antisemitismus.“

Schon im antiken Griechenland hätten Theater und Politik eine Einheit gebildet. Bis heute gelte: „Theater reagiert mit Geschichten auf Geschichte und macht sie differenziert erlebbar.“ Dass Kultur und Politik oft unterschiedliche Logiken verfolgen, sei kein Hindernis, im Gegenteil: „Darin liegt die Chance, sich gegenseitig zu befruchten, gemeinsame Wege zu gehen und Ängste konstruktiv zu verwandeln.“

Anschließend gab Moderatorin Sarah Bergk das Podium frei für den ersten Programmpunkt „Erfahrungen aus der Praxis“. Elisa Moser arbeitet als Theaterpädagogin in der außerschulischen politischen Bildung in Sachsen und leitet mehrere Projekte, so auch „Nicht vergessen!“. Darin wird eindrücklich an das Mädchen-KZ Uckermark in Brandenburg erinnert, von dem kaum Dokumente erhalten blieben – anders als beim benachbarten KZ Ravensbrück.

Beim Eröffnungs-Talk diskutierte Sarah Bergk mit Sabine Dengel, Kulturdezernentin der Stadt Saarbrücken, und Bassam Ghazi, Leiter des Stadt:Kollektivs am Schauspielhaus. Wie könnte es funktionieren mit der Gemeinsamkeit von Theater und politischer Bildung?

„Demokratische Projekte sind ein Teil unserer Arbeit“, sagte Bassam Ghazi. „Verhandlungsprozesse dienen dazu, Räume zu öffnen und verschiedene Meinungen auszuhalten. Aus Wut entsteht Empowerment. Eine Arbeit ohne Emotionen könnte ich mir gar nicht vorstellen.“ Ihm sei es wichtig, Schauspieler und Betroffene in einem mehrperspektivischen Dialog zusammen zu bringen: „Es ist einfach glaubwürdiger, wenn Akteure aus ihren eigenen Lebenswelten auf der Bühne stehen.“

Sabine Dengel hat erlebt, „dass Menschen aus Theater und Politik sich aneinander herantasten. Es gibt großes Interesse, aber auch Befremden. Politische Bildung spielt sich auf intellektueller Ebene ab. Wird man aber berührt wie im Theater, fängt man Feuer.“ Überwältigend und subjektiv müsse Theaterkunst sein, fordert die Dezernentin: „Irritation hat einen hohen Wert.“

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