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Düsseldorfer Musiker Axel Ganz erzählt von seinem Leben in Georgien

Ein Treffen mit Axel Ganz : Komponieren mit Blick auf den Kaukasus

2019 ist der Düsseldorfer Musiker Axel Ganz nach Georgien gezogen. 80 Kilometer östlich von der Hauptstadt Tiflis lebt er mit seiner Frau, einer Katze und eigenen Hühnern. Ein Erfahrungsbericht.

Wenn Axel Ganz in einigen Tagen auf dem Flughafen von Tiflis landet, wird es sich für ihn anfühlen wie Nach-Hause-Kommen. Dabei ist Ganz gar nicht in Georgien geboren. Sondern in Gelsenkirchen.

Vor drei Jahren beschloss der seit vielen Jahren in Düsseldorf lebende Musiker, die Landeshauptstadt für eine Weile zu verlassen, um gemeinsam mit seiner Frau im Kaukasus zu leben. Als das Paar 2019 übersiedelte, hatten beide das Studentenalter längst hinter sich gelassen, ohne je außerhalb von Deutschland gelebt zu haben. In Ganz’ Bücherregal stand immerhin ein Bildband über georgische Klöster, den er in einem Antiquariat erworben hatte. „Davon abgesehen wusste ich über Georgien wenig, eigentlich nichts.“

Während er das erzählt, sitzt Ganz auf der Terrasse eines marokkanischen Cafés in Düsseldorf-Oberbilk. Vor ihm steht ein Glas Minztee. Um ihn herum: plaudernde Männer jeden Alters. Auf der nahen Ellerstraße versucht jemand einen Kavaliersstart. Ganz ist für einige Wochen zu Besuch in der alten Heimat. Zwei-, dreimal im Jahr kommt er nach Düsseldorf, um die Familie zu sehen und Dinge zu erledigen, die sich von seiner Wahlheimat aus nicht erledigen lassen.

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Viel gemeinsam haben die beiden Länder, zwischen denen er seit drei Jahren pendelt, nicht, findet er: „In Georgien ist alles eher improvisiert, geflickt.“ Beim Anblick von rostigen Gaszählern oder Rohren müsse er manchmal an den TÜV Rheinland denken: „Wenn die das sehen würden, würden sie einen Herzanfall bekommen.“

Er lacht, nimmt einen Schluck Tee und beginnt zu erzählen. Von Tiflis, dessen lebendige Clubszene ihn „an das Berlin der Neunziger Jahre erinnert“. Von der politischen Situation in Georgien, die durch den Krieg in der Ukraine noch komplizierter geworden ist. Und von seinem Leben in der georgischen Provinz.

Seine Frau und er wohnen nicht in Tiflis, sondern 80 Kilometer weiter östlich, in Telavi. Die Hauptstadt der Region Kachetien zählt gerade einmal 18.000 Einwohner. Eine Kleinstadt, liebenswert, aber verschlafen. Das deutsche Paar hat dort ein möbliertes Haus mit Garten gemietet, mit eigenem Brunnen. „Wir haben uns Hühner angeschafft, eine Katze - und pflegen eine Art Landleben“, erzählt Ganz. „Das wollten wir immer schon mal machen, bisher kannten wir ja nur städtisches Leben.“

Von dem großen Balkon seines Hauses kann Ganz auf den großen Kaukasus schauen. Die Dreitausender liegen gerade einmal 20 Kilometer von Telavi entfernt. Ein Ausblick, der den Düsseldorfer bis heute fasziniert: „Die Berge sehen jeden Tag anders aus.“ Wenn seine Frau tagsüber in der Schule ist, arbeitet Ganz an seiner Musik. „Die Situation in Georgien ist für mich ideal, um Musik zu machen.“ Das liege nicht zuletzt daran, dass es in Telavi kaum Ablenkung gibt. In dem Haus hat sich der Musiker ein kleines Studio eingerichtet.

Seit einigen Jahren widmet sich Ganz dem Live Coding, auch algorhythmische Musik genannt. Hinter dem Begriff verberge sich „eine besondere Art, Musik zu performen“, erklärt er: „Die Musiker sitzen vor einem leeren Editor und geben Befehle ein, die bei Live-Auftritten via Beamer auf eine Leinwand übertragen werden.“ Manche steuern auch externe Instrumente an wie Synthesizer oder Drum Machines. Ähnlich wie der Jazz lebe auch diese Art der Musik stark von der Improvisation.

In Georgien konnte er hingegen bisher noch keine Auftrittserfahrungen sammeln. Aufgrund von Corona war das Kulturleben, seit er im Land ist, die meiste Zeit lahmgelegt. Dabei verfügt Tiblissi über eine beachtenswerte Clubszene mit Schwerpunkt elektronischer Musik. Gleich vier Clubs haben internationales Niveau, darunter das legendäre Bassiani unter dem Stadion.

Relativ neu ist das TES, zu dessen künstlerischem Leiter DJ Generali Minerali Ganz bereits zarte Bande knüpfen konnte. Auf Einladung des Georgiers hielt er im TES einen Vortrag über Live Coding. Zuletzt folgte eine Radioshow, in deren Rahmen Ganz’ Set aus dem Club gestreamt wurde. Das, so hofft er, sei aber nur der Anfang. „Wenn ich nach Georgien zurückkomme, möchte ich auf jeden Fall mehr machen.“