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Düsseldorf: Düsseldorfer Kultur-ABC

Düsseldorf : Düsseldorfer Kultur-ABC

26 Mal Düsseldorf - wir haben die gesamte Stadt durchbuchstabiert. Ein Kultur-Rundgang von A wie Angermund bis Z wie ZERO-Kunst.

Bwie BAR (Band am Rhein): Das Duo veröffentlicht in diesem Jahr sein zweites Album. Christina Irrgang und Lucas Croon machen Synthesizer-Musik mit verwehtem Gesang, und wenn man beim Hören die Augen schließt, fühlt sich Düsseldorf an wie New York in den frühen 80ern. Die Gruppe soll hier stellvertretend stehen für die Musikszene Düsseldorfs, für die vielen Künstler, die die Tradition kennen, aber Eigenes anstreben und erreichen und auf diese Weise enorm zum Lebenswert der Stadt beitragen.

Cwie Chillida: Was ein Kunstwerk wert ist, hängt auch von der Beachtung ab, die man ihm schenkt. Eduardo Chillidas 65 Tonnen schwere Stahlskulptur "Monumento" fristet derzeit ein trauriges Dasein in der Landeshauptstadt, ist nichts mehr wert. 1971 wurde sie von Thyssen Krupp Düsseldorf zum Geschenk gemacht. Eine generöse Gabe! Wegen der Großbaustelle am Kö-Bogen wurde sie von ihrem angestammten Platz um einige Meter versetzt. Mit den neuen Plänen rund um den Kö-Bogen hat man sie zusätzlich umhaust. Jetzt haben sie die meisten vergessen. Im Netz lässt sich die Erinnerung auffrischen unter www.dreischeibenhaus.de

Dwie Dieter Forte: Auch wenn er jetzt schon viele Jahre in Basel lebt, so ist er doch immer noch der größte lebende Autor unserer Stadt - der 1935 in Düsseldorf geborene Dieter Forte. Wer Düsseldorf verstehen und dabei große Erinnerungsprosa lesen will, sollte unbedingt zu seiner großen Familien-Saga greifen: seine Tetralogie der Erinnerung mit den wunderbaren Romanen "Das Muster", "Tagundnachtgleiche", "In der Erinnerung" und "Auf der anderen Seite der Welt" (alle als Fischer-Taschenbuch). Beste Heimatliteratur, die Heimat als Aufgabe und Zeichen einer vergeblichen Suche begreift.

Ewie Eisenbahn-Gesellschaft: Zusammen mit Industrie-Pionieren aus Elberfeld gründete Düsseldorf schon 1835 eine Eisenbahngesellschaft, um eine Linie von Düsseldorf nach Elberfeld zu bauen. Die Kaufleute dort wollten ihre Waren möglichst schnell an den Rhein befördern. 1838 ging man ans Werk, bis zu tausend Arbeiter waren im Einsatz. Sie vollendeten die Arbeiten noch im selben Jahr und bauten damit die erste Eisenbahnstrecke in Westdeutschland. Größtes Hindernis: die Steigung hinter Erkrath. Dort wurde eine zweite Lok eingesetzt. Allerdings wurde sie nicht vor den Zug gespannt, sondern über ein Seil mit dem Zug verbunden und als Gegengewicht bergab geschickt, wenn der Zug hinaufschnaufte. Ein bisschen wie die Kabelbahnen in San Francisco.

Fwie Fürstenplatz: Vermutlich ist dieser Ort in Friedrichstadt, dieses Oval mit den davon abgehenden Straßen, das einzige richtige Viertel der Stadt. Darum ist es kein Wunder, dass jeder dort leben möchte, und selbst Menschen, die schon fast am Hauptbahnhof oder in Bilk zu Hause sind, behaupten noch: "Ich wohne in der Nähe vom Fürstenplatz." Am Fürstenplatz findet das Leben noch außerhalb der eigenen vier Wände statt, es gibt Cafés, Bars, sehr gutes Eis und ein Büdchen mit Limonade im Kühlschrank, falls man beim Tischtennisspielen durstig wird.

Gwie Graben: Gemeint ist der Orchestergraben der Rheinoper, der unlängst vergrößert wurde. Er ist Sinnbild für die Tatsache, dass bei einer Aufführung sehr wichtige Mitwirkende (fast) unsichtbar sind. Die Düsseldorfer Symphoniker arbeiten hier, eines der großen und ruhmreichen deutschen Orchester, das über eine große Erfahrung im Musiktheater verfügt. Aktuell wird dort Wagners "Ring" gespielt, der an Bedeutung sogar den Kö-Graben übertrifft.

Hwie Hitsville: Man muss sofort seufzen, wenn man den Plattenladen von Ralf Brendgens in der Altstadt betritt: Ist so schön hier. Hier gibt es hauptsächlich Vinyl, die neuen Veröffentlichungen, aber auch ausgesuchte Second-Hand-Alben aus den Genres Punk, Metal, Jazz, Electro und Indie. Brendgens nimmt die Verantwortung ernst, die ein Plattenhändler hat, er kuratiert sein Angebot: Was er verkauft, hat Qualität. Jedenfalls: "High Fidelity" hätte man auch an diesem herrlichen Ort verfilmen können.

I wie Ingenhoven-Tal: Es ist nicht viel Grün bis jetzt zu sehen, und es sind auch keine Vögel da, die zwitschern. Das nach dem Architekten Christoph Ingenhoven benannte Tal liegt mitten in der City und ist eines der größten Bauprojekte in der Geschichte der Stadt. Das sogenannte Tal, in dem bis 2019/20 an die 600 Millionen Euro verbaut werden sollen, ist derzeit ein gigantisches Bauloch. Am Ende werden auf dem Talgrund 30.000 Quadratmeter Nutzfläche sprießen. Die Fassaden sollen mit dem Baumbestand des Hofgartens interagieren. Und im senkrechten Park werden Vögel willkommen sein.

Jwie Jan Wellem: Das Denkmal steht vor dem Rathaus und ist natürlich eine Besichtigung wert. Noch schöner aber ist es, wenn man die kuriose Entstehungsgeschichte kennt; dass nämlich beim Guss Edelmetall fehlte und die Bürger der Stadt aus dem eigenen Haushalt ein bisschen Metall spenden "durften". Also ist es ein echtes Kunstwerk des Volkes geworden - über das sich Harry Heine auch so seine Gedanken machte. Sein Blick aufs mächtige "Reuterstandbild" lässt ihn darüber nachsinnen, wie viele silberne Löffel "wohl darin stecken mögen und wieviel Apfeltörtchen man wohl für all das Silber bekommen könnte".

Kwie Ketten - und viele andere Schmuckwerke von Goldschmieden und Designern kann man in Düsseldorf entdecken. Denn an der Hochschule Düsseldorf kann man im Fachbereich "Applied Art and Design" Schmuckgestaltung studieren. Viele Absolventen bleiben erst einmal in der Stadt und machen sich in Gemeinschaftsateliers selbstständig. Wo Kreative arbeiten, erfährt man einmal im Jahr bei den offenen Werkstätten der "Schmuckpunkte". Der Lageplan kann aber ganzjährig beim Entdecken den Weg weisen: www.schmuckpunkte.de

Lwie Lichtbänke: Kunst zum Besetzen und nicht zum Besitzen - das sind Stefan Sous' Lichtbänke, die er vor 15 Jahren im Hofgarten aufgestellt hat. Bei Nacht werfen sie Licht in den Schatten. Das ist Kunst mit Strahlkraft, vor allem wieder, seit die Bänke vergangenen Monat überarbeitet wurden.

Mwie Mendelssohn: Der Automatismus, mit dem Schumann als der einzige wichtige Komponist deklariert wird, der in Düsseldorf gelebt hat, gehört abgeschafft. Felix Mendelssohn Bartholdy war ebenfalls Musikdirektor am Rhein, er war glücklich in der Stadt (was man von Schumann nicht sagen konnte), und er schlug sich hier so gut, dass er andernorts sehr begehrt war. Dass Mendelssohn Düsseldorf für eine bessere Stelle verlassen hat, spricht nicht gegen ihn. Man muss auch gönnen können.

Nwie Nachts: Düsseldorf hat die schönste Skyline der Welt. Und wer sich mal so richtig urban fühlen möchte, sollte sich weit nach Sonnenuntergang ans Oberkasseler Ufer stellen, rechts neben die Rheinkniebrücke, und hinüberschauen auf das großstädtische Dorf. Der Rheinturm, die Gehry-Bauten, der Hafen, die Brücken, das Leben. Sieht schon verflixt gut aus.

Owie Off-Räume: Das Kultigste an der Kunststadt Düsseldorf sind vielleicht ihre nicht-offiziellen Kunstorte, in denen absolut unabhängige Geister als Kuratoren agieren und Dinge blühen können, die anderswo im Keim erstickt werden würden. Müsste man die Hitliste der Top Ten unter den kreativen Spaces aufstellen, täte man sich schwer, denn jeder hat seine Eigenheiten. Allein die Namen wie Onomato, Weltkunstzimmer oder Boui Boui Bilk verraten, dass wir uns beim Besuch ins Reich der Fantasie begeben. Jedenfalls abseits vom Mainstream.

P wie Pretty Vacant: Die Disco an der Mertensgasse hat vor Jahren zugemacht, aber es gibt noch immer Menschen, die ihr nachtrauern. Es gibt ja rund um die Bolkerstraße gar nicht so viele Diskotheken, fern von Schlager und Junggesellenabschieden - das Pretty Vacant war eine Alternative. Heute gibt es dort das Cube, und es läuft dort ebenfalls vor allem elektronische oder Rockmusik, und manchmal gibt es Konzerte. Auch gut.

Qwie Quelle der Düssel: Der Fluss, der der Stadt den Namen gibt, entspringt in Wülfrath an der Stadtgrenze zu Velbert-Neviges im Kreis Mettmann und mündet in Düsseldorf mit vier Ausläufern in den Rhein. Am Ufer in Höhe der Altstadt ist das durch ein blaues Kachelband im Boden markiert. Die Quelle lohnt aber auch einen Besuch. Besonders schön ist der Ortsteil Düssel in Wülfrath mit Wasserburg und zwei sehenswerten Kirchen.

Rwie Reinraum: Wer zum ersten Mal herkommt, läuft zunächst vorbei. Denn der Reinraum liegt verborgen, nur eine schmale Treppe führt hinab unter die Adersstraße, Hausnummer 37. Aus einer ehemaligen unterirdischen Toilettenanlage ist dort ein Mini-Kulturzentrum geworden. Es gibt ständig neue Ausstellungen, Konzerte, eine kleine Bar. Und wer zu viel getrunken hat und mal muss - keine Sorge: Toiletten gibt es auch noch.

Swie Spee: Nein, nicht das Waschmittel, sondern Friedrich Spee, der Kirchenlieddichter und furiose Kritiker der Hexenprozesse. Er kam aus Kaiserswerth (1591 geboren), und seine Bedeutung für die Kultur ist enorm: Er ist Verfasser der legendären "Trutznachtigall", einer Sammlung mit kunstvollen lyrischen Gedichten und heute noch bekannten Kirchenliedern. Und sein "Güldenes Tugend-Buch" hatte einen berühmten Fan: Gottfried Wilhelm Leibniz.

T wie Torte: Das richtige, echte Düsseldorf-Erlebnis geht so: Man kauft sich am Samstagnachmittag bei Heinemann ein Stück Herrentorte (Biskuitböden, Schokoglasur und Mandelweincreme - der Gral!) und setzt sich auf eine der Bänke an der Kö. Von dort verfolgt man edel kauend das Schauspiel, das Autofahrer beim Einparken in die viel zu schmalen Parklücken bieten. Ständig macht es "Plong", weil wieder eine Tür gegen eine andere Tür gestoßen wurde. Die Reaktion lässt dann meist nicht lange auf sich warten. Amüsant. Und lecker.

U wie Untergrundkunst: Ein bisschen Kunst findet sich in fast jeder großstädtischen U-Bahn-Linie, doch in Düsseldorf sehr konzentriert. Sechs Künstler haben sich auf 3,4 Kilometern der Wehrhahnlinie ausgebreitet, an oberirdischen und unterirdischen Haltestellen Zeichen gesetzt. Mal in knallbunten Farben, mal mit Video und Klang angereichert. Als Avantgarde in den Röhren wurde das überregional gefeiert, und seit Anfang 2016 lohnt es sich tatsächlich, U-Bahn zu fahren.

Vwie Vennhauser Allee: Zugegeben, die Vennhauser Allee ist nix Dolles. Gegen Ende - also Richtung Gerresheim - wird die Straße sogar vierspurig für den Durchgangsverkehr. Doch seitlich davon liegen zwei spannenende Kulturpunkte. Das ist am Anfang der sogenannten Allee der Kulturbahnhof Eller mit zahlreichen Ausstellungen, und im hinteren Teil die Siedlung Freiheit. Eine wunderschöne Arbeitersiedlung - erbaut nach dem Ersten Weltkrieg und gleich vor dem Eller Forst gelegen. Ein Gang durch die Siedlung ist darum mehr als nur ein netter Spaziergang.

Wwie Weiße Flotte: Unterhalb der Pegeluhr am Rheinufer kann man in den Kasematten nicht nur Cocktails trinken, sondern auch eines der Schiffe der Weißen Flotte besteigen und die Stadt mal vom Rhein aus betrachten. Wer Lust hat, kann eine kleine Runde fahren, in den Medienhafen, nach Zons oder nach Kaiserswerth. Es gibt aber auch längere Touren, etwa nach Duisburg - und, ja klar, nach Köln manchmal auch.

Xwie Xerox: Eine der schönsten Mythen der Düsseldorfer Musikgeschichte erzählt, dass Peter Hein, Sänger der Fehlfarben, seine Lehre beim Technologie-Unternehmen Xerox in Düsseldorf gemacht hat. Er soll dort, sozusagen als bürgerliche Erdung der Punk-Karriere, bis 2003 in der EDV-Abteilung beschäftigt gewesen sein. Dass er die Fehlfarben kurzzeitig 1981 verließ und die Band Family 5 gründete, soll daran gelegen haben, dass die damalige Tournee der Fehlfarben fünf Wochen hatte dauern sollen. Xerox wollte Hein aber nur drei Wochen Urlaub am Stück gewähren.

Ywie Yucca-Pflanzen: Stresemannplatz - das klingt nicht gerade nach Monaco, aber so ähnlich sieht es dort ja wirklich aus. Dem Platz, der vor allem ein kniffliger Verkehrsknoten ist, hat die Künstlerin Tita Giese ein interessantes Äußeres verpasst. Eingerahmt von Autoreifen stehen dort mexikanische Yucca-Pflanzen herum. Es sieht aus wie beim monegassischen Formel-1-Rundkurs, nur mit Tempolimit.

VON UNSEREN KULTURREDAKTEUREN

(RP)