1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorfer Kongress zum Klimawandel mit Jugendlichen aus aller Welt

Jugendliche diskutierten in Düsseldorf über den Klimawandel : Wenn die Welt aus dem Takt kommt

Beim Kongress „Our House is on Fire“ standen der Klimawandel und soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt. Zum Abschluss des Theater-Festivals präsentierten 100 Jugendliche aus aller Welt die Ergebnisse der vergangenen fünf Tage im Jungen Schauspielhaus.

Wie realisiert man einen Weltkongress in Zeiten einer Pandemie? Dieser Herausforderung sahen sich David Brückel und Fabian Rosonsky gegenüber. Zwei Jahre feilten die beiden am Konzept von „Our House is on Fire“. Als klar wurde, das Festival Theater der Welt würde zwar stattfinden, aber eine Anreise von Jugendlichen aus mehreren Kontinenten wäre wohl nicht möglich, musste es einen Plan B geben.

„Wir wollten unbedingt, dass der Kongress trotzdem realisiert werden kann und haben deshalb die digitalen Möglichkeiten ausgenutzt“, bringt Dramaturg Brückel auf den Punkt, was diese über fünf Tage dauernde Zusammenkunft von Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren so außergewöhnlich machte.

Denn die Ergebnisse präsentierten sie in einer Hybrid-Veranstaltung aus Live-Performances und zugeschalteten Streams am Sonntagabend im Jungen Schauspielhaus.

Um soweit zu kommen, stand zunächst viel Arbeit für das dreiköpfige Programmierer-Team Helin Ulas, Madhuri Rao und Waseem Girach auf der Agenda. Auf einer virtuellen Plattform entstand „GatherTown“. Eine Siedlung mit Häusern, Ruhezonen, einer Bibliothek, einer Disko und vor allem einer großen Bühne.   

  • Patrick Dollas in einer der jüngsten
    75.000 Euro Preisgeld : Schlosstheater Moers gewinnt Theaterpreis des Bundes
  • Das Asphalt Festival hat begonnen und
    Düsseldorf am Wochenende : Festival, Musik, Theater und Radfahren
  • Auf der Open Air-Fläche auf dem
    Neuer Spielplan des Schauspielhauses : Das Theater – endlich wieder sichtbar
  • Szene aus „Ist mein Mikro an?“
    Auf dem Festival „Theater der Welt“ : Anklage endet mit Versöhnungssong
  • Das alte Polizeipräsidium Mönchengladbach lockte nach
    Polizei Mönchengladbach spricht von „grober Nachlässigkeit“ : Jugendliche finden brisante Polizeidokumente in stillgelegtem Präsidium
  • Ein junger Mann hebt seine geballte
    Zeugen in Essen gesucht : Mehrere Kinder schlagen und stechen brutal auf Jugendlichen ein

„Es gab einen open call, der sowohl Theatergruppen als auch einzelne junge Performer ansprechen sollte mitzumachen“, so Brückel. Um die virtuellen Zusammenkünfte überschaubar zu halten, wurden die Teilnehmer in 20 Teams aufgeteilt. Die loggten sich täglich in „GatherTown“ ein, um einander in privaten Chats besser kennenzulernen. Sie bildeten WGs und nahmen an digitalen Workshops teil.

Wie in einer realen Siedlung zogen die verschiedenen WGs in virtuelle Häuser ein, konnten am Infopoint Citytouren durch die Lebenswelten der anderen Teilnehmer unternehmen oder in der Bibliothek schmökern. Während des Kongresses steuerten alle Beteiligten dafür viele Buchtipps oder Empfehlungen für Filme, Serien und Podcasts bei.

Greta Thunbergs Warnung „Our House is on Fire” folgend, setzten sich die Jugendlichen mit den Folgen des Klimawandels und ihren eigenen Lebenswirklichkeiten etwa in Haifa, Teheran, Karachi, Lagos oder Düsseldorf in künstlerischer Form auseinander. Beispielsweise im Fotoprojekt „Nachhaltigkeit im Alltag“, das von Gruppen aus Indien und Sri Lanka gemeinsam realisiert wurde. „Wir trafen uns jeden Tag für einige Stunden via Zoom und besprachen das geplante Projekt“, erklärte eine Teilnehmerin die Kooperation über Ländergrenzen hinweg. Danach zogen sie mit ihren Smartphones los, um Beispiele für nachhaltiges Handeln in ihrem Alltag im Bild festzuhalten und entwickelten daraus eine virtuelle Ausstellung.

Auch das Tanzprojekt „Aus dem Takt“ (Out of Step) entstand auf digitalem Weg mit Künstlern aus Sri Lanka und Indien. Einige Gruppen konnten auch vor Ort an ihren Präsentationen feilen. Wie ein Kollektiv aus Johannesburg, das am Sonntag mit einem kurzen Puppentheaterstück zugeschaltet wurde. Während des fünftägigen Kongresses hatte es das Konzept dafür entwickelt und umgesetzt.

Die Jugendlichen griffen Themen wie Überbevölkerung oder Klimagerechtigkeit auf und waren dabei nicht nur am Puls der Zeit, sondern auch sehr politisch.

Eine Gruppe aus São Paulo beschrieb in ihrer Tanz-Vokal-Performance die Situation während der Pandemie in ihrem Heimatland, mit unzähligen Toten in den Armenvierteln Brasiliens. „Die Kunst ist für viele die einzige Möglichkeit, sich selbstbewusst und politisch ausdrücken zu können“, weiß David Brückel.Während des Kongresses liefen im Newsroom alle Informationen zusammen. Eine Herausforderung schon allein deshalb, weil es aufgrund der Entfernungen der teilnehmenden Länder, verschiedene Zeitzonen gab. Dort wurden unterschiedlichste Formate gesammelt und zu einem Kongressmagazin zusammengestellt mit Interviews, Fotos, Hintergrundinfos oder Videos. Der Newsroom war die beste Idee für den Kongress, den ihr haben konntet“, bilanzierte Sadhara, Schülerin aus Sri Lanka, überzeugt davon „dass es eine gute Möglichkeit ist, über all die verschieden Menschen weltweit etwas zu lernen.“

Die virtuelle Siedlung „GatherTown“ soll auch über den Kongress hinaus bestehen bleiben und für weitere Projekte in kleinerem Rahmen genutzt werden. Die Macher hoffen auf eine Neuauflage im kommenden Jahr. Dann mit allen Teilnehmern vor Ort in Düsseldorf.