Düsseldorfer Fotograf Lukas van Bentum: Die Kamera als Kompliment

Fotograf Lukas van Bentum : Die Kamera als Kompliment

Der 24-jährige Lukas van Bentum hat einen Wettbewerb für junge Fotografen gewonnen. Nun stellt er im NRW-Forum aus.

Wenn man sich Kaliningrad auf der Landkarte anschaut, sieht es aus wie eine abgetriebene Scholle: umgeben von den EU-Mitgliedsstaaten Polen und Litauen, also so gesehen mitten in Europa, aber ein Teil von Russland. Dort hat Lukas van Bentum fotografiert, und wenn man ihn fragt, wie er sich Land und Leuten genähert hat, sagt er: „Wie man das so macht.“ Er ist erst einmal in eine Bar gegangen. „Man lernt jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt.“ Wie ein Domino-Effekt sei das.

Sieben Wochen ist van Bentum durch die Exklave an der Ostsee gereist, dem früheren Königsberg, das seit Ende des Zweiten Weltkriegs russisch ist. Er wollte wissen, wie das so ist, dort zu leben. Nahe Europa, unter dem Einfluss Russlands. Er habe erfahren wollen, wie seine Altersgenossen dort ihren Platz in der Welt finden, sagt er. Er hat deshalb vornehmlich junge Leute fotografiert. Seine Bilder zeigen sowohl Jungs mit pinken Haaren als auch Jungs in Uniform, die die „Schlacht um Königsberg“ nachspielen. Der Titel seiner Bilder-Serie: „Identity Negotiation“. Identitätsverhandlung.

Lukas van Bentum ist 24 Jahre alt, er kommt aus Düsseldorf, und ab Freitag sind seine Fotografien aus Kaliningrad im NRW-Forum zu sehen. Seine Bilder sind Teil der Ausstellung „Gute Aussichten“, die Arbeiten junger Fotografen versammelt. Die Auswahl ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, der sich ausdrücklich an Fotografie-Studenten richtet. 82 Arbeiten wurden eingereicht, neun ausgewählt. Dotiert ist der Preis nicht, aber er bietet den Fotografen Möglichkeiten, die man mit Geld nicht kaufen kann: ein Netzwerk zu knüpfen und sich zu präsentieren. Die Ausstellung ist erst in Düsseldorf zu sehen, später in den Deichtorhallen in Hamburg, in Koblenz, Mexico City und Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz.

Die Kaliningrad-Serie war Lukas van Bentums Abschlussarbeit an der Fachhochschule Bielefeld, wo er seinen Bachelor gemacht hat. Nun studiert er Fotografie im belgischen Gent. Für den Master-Abschluss dort hat er sich Baku vorgenommen, die Hauptstadt von Aserbaidschan. Ex-Sowjetunion, reichlich Öl-Vorkommen, zwischen Europa und Asien. Das gibt sicher einiges her.

In seinem Portfolio gibt es Bilder vom Garzweiler-Tagebau, von Plattenbauten in Moldawien und Männern, die in den Ardennen den Zweiten Weltkrieg rollenspielen. An solche Menschen heranzukommen, sei nicht schwer, sagt er. „Ich sehe in ihnen ja etwas, das mich interessiert.“ Dass er sie mit der Kamera begleiten möchte, könne man also auch als Kompliment auffassen.

Als Fotojournalist sieht sich Lukas van Bentum indes nicht. Man könnte schon sagen, er fotografiere im dokumentarischen Stil, räumt er ein. Aber ihm ist wichtig zu betonen, nie die ganze Wirklichkeit abbilden zu können. „Man selektiert immer“, sagt er. „Ich gebe eine Idee von dem, was ich erlebt habe.“

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