Düsseldorfer Choreograf Fabien Prioville: Tanz mit Superkräften

Choreograf Fabien Prioville : Tanz mit Superkräften

Fabien Prioville stand einst bei Pina Bausch auf der Bühne. Nun zeigt der Choreograf im Tanzhaus NRW eine neue Arbeit.

Einige schlaflose Nächte hatte Fabien Prioville vor ein paar Wochen. Kurz vor dem Probenstart für sein neues Stück „Power Moves“ mussten ihm gleich zwei Tänzer absagen. Die beiden Filipinos hatten keine Visa erhalten. So begab sich der Choreograf auf die Suche nach Ersatz und wurde bei Instagram fündig. In „Power Moves“ beschäftigt sich Prioville mit den Spielarten des Urban Dance, und Tänzer dafür findet man heutzutage nicht mehr beim Vortanzen, sondern im Internet.

Dabei ist Prioville eigentlich maximal weit entfernt von den aus dem HipHop und der Clubkultur stammenden Tanzstilen wie Popping, Voguing oder Breakdance. Nach einer klassischen Tanzausbildung am Konservatorium studiert der Franzose Choreografie am renommierten Centre national de danse contemporaine in Angers. Nach Stationen in Canada und Schweden kam er als 26-Jähriger in den Tanzolymp – zu Pina Bausch nach Wuppertal. Dort tanzte er in vielen Klassikern der Kompanie. So trat er in „Café Müller“ und „Das Frühlingsopfer“ auf. Auch im wunderschönen Film „Sprich mit ihr“ von Pedro Almodovar ist er zu sehen. Nach sieben Jahren verließ Prioville das Tanztheater Wuppertal und gründete er seine eigene Kompanie.

Die Fabien Prioville Dance Company zeigt am Donnerstag nun ihr neues Stück „Power Moves“. Trotz der Schwierigkeiten zu Beginn der Produktion hat sich in den vergangenen Wochen eine eingeschworenen Tanzgruppe gefunden. „Ich bin sehr zufrieden mit meinen Tänzern, sie lernen gerade sehr viel dazu“, sagt Fabien Prioville in einer Probenpause. Das müssen sie auch, sind doch die Anforderungen einer Tanzbühne ganz andere als die des Urban Dance. Dort steht der getanzte Kampf gegen einen Kontrahenten im Vordergrund, der von einer Jury bewertet wird. Auf der Bühne hingegen kommt es auf das Zusammenspiel der Tänzer an und auf künstlerischen Ausdruck.

An diesen mussten sich die Tänzer zum Teil erst gewöhnen. Denn wo Wiederholungen von Bewegungen im Urban Dance verpönt sind und Punktabzug geben, sind sie im Tanztheater wichtiges Stilmittel. Um den 24 bis 26 Jahre alten Tänzern den zeitgenössischen Tanz näherzubringen, hat Prioville einen Probenbesuch im Wuppertaler Tanztheater organisiert. „Das hat alle fünf nachhaltig beeindruckt“, sagt Prioville. Daneben hat er sie in den vergangenen Wochen in einige Stücke am Tanzhaus und die Aufführung von Anne Theresa de Keersmaeker im K 20 mitgenommen.

„Ich liebe die Virtuosität mit der sie tanzen“, sagt Prioville über seine Tänzer. Dazu kommt, dass der Choreograf beim Casting aber ganz bewusst verschiedene Typen ausgewählt hat, die verschiedene Tanzstile mitbringen. „Es sind alles Superhelden, die alle ihre eigenen Superkräfte haben“, sagt Prioville. Da kann man dann nur nickend zustimmen, wenn man sieht wie sich die über Instagram gecastete Paris Crossley abgehackt wie ein Roboter bewegt oder wie der malaysische Breakdancer Khenobu sich rasend schnell auf dem Kopf dreht.

Mit dem Urban Dance beschäftigt sich der Choreograf schon länger. Vor allem das Voguing interessiert Prioville. Dieser Tanzstil entstand in den 1970er Jahren in New York im transsexuellen, afroamerikanischen Untergrund der vielen Clubs. Besonders wichtig war den Tänzern damals, so weit zur Frau zu werden, dass sie gar nicht mehr als Mann erkannt wurden. „Diese Körperlichkeit zeigt sich auch in ‚Power Moves‘, wo jeder Tänzer seine ganz eigene körperliche Qualitäten mitbringt“, sagt Prioville.

Daneben fasziniert den Choreografen, welche Ähnlichkeiten der Urban Dance und das Ballett haben. „Diese beiden Tanzstile sind in ihrem rigiden vorgegebenen Bewegungsvokabular gar nicht weit voneinander entfernt“, sagt Prioville. So zerlegt er in seiner Choreografie für „Power Moves“ den Urban Dance in seine Einzelteile und fügt sie später in veränderter Form wieder zusammen.