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Düsseldorf: Wladimir Kaminer liest im Zakk

Lesung im Zakk in Düsseldorf : Wladimir Kaminer – wenn er nicht liest, ist er am besten

Der aus Moskau stammende Bestseller-Autor stellte im Zakk in Düsseldorf unter freiem Himmel bislang unveröffentlichte Manuskripte vor. Dabei spielte auch der Krieg in der Ukraine eine Rolle.

Ach Berlin – fast 560 Kilometer von Düsseldorf entfernt aber wenn man Wladimir Kaminer bei seiner gut besuchten Lesung im Zakk so lamentieren hört, denkt man doch schnell, man wäre mittendrin, statt nur dabei in seiner gemütlichen Altbauwohnung im Prenzlauer Berg. Irgendwie riecht es nach leckeren und selbst gemachten Pelemi und man glaubt sofort, dass seine Nachbarn an Heiligabend auf ihren Balkonen stehen und auf die Minute genau gemeinsam „Stille Nacht“ singen, weil sie es vorher in einer Whatsapp-Gruppe so verabredet haben.

Seit 30 Jahren lebt der durch sein schon legendäres und 1,3 Millionen Mal verkauftes Buch „Russendisko“ bekannt gewordene Autor in Berlin. Viel länger als in seiner Geburtsstadt Moskau und natürlich passiert in der Hauptstadt jeden Tag genug, um noch mehr Bücher zu füllen.

Die große Politik spielt dabei nur selten die Hauptrolle, es sind eher die zwischenmenschlichen Unglücke und Missgeschicke, die er zwar scharf und spitz beobachtend, aber immer sehr witzig und elegant so beschreibt, dass die Zuschauer laut aber herzlich lachen während seiner Lesung, die im Zakk bei fast 30 Grad Abendtemperatur unter freiem Himmel stattfand. Die Texte aus den teils noch nicht veröffentlichen Büchern sind so völlig in Ordnung, keine große Kost, kann man auch locker mit einem mit Sonnencreme verschmieren Auge am Strand lesen und sich amüsieren.

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Doch so richtig, geradezu beinahe granatengut, wird Kaminer erst, wenn er nicht auf seine eng beschriebenen Manuskripte blickt, sondern frei von der Leber weg die russische Seele an die Sonne kommen lässt. Über die fast drei Millionen Landsleute, die sich seit dem Ukraine-Krieg ins Ausland abgesetzt haben.

Darunter viele russische Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler, aber auch junge Männer, die überhaupt keine Lust haben, ihr Leben im Krieg für Putins abstruse Visionen zu lassen. Und die Ängste vieler Russen vor der nächsten EU-Konferenz im August. Werden Russen in Europa die Visa entzogen?

Gibt es dann „Gute Russen“, „Schlechte Russen“ oder auch „Ok-Russen“ fragt er und hat auch die zahlreichen russischsprachigen Zuschauer im Publikum auf seiner Seite. Man erkennt sie ganz leicht, sie lachen am lautesten, holen sich immer wieder ein Bier, alle rauchen, während der deutsche Durchschnitts-Kaminer-Leser lieber an einer Orangenlimo nuckelt. Die Russen sind einfach ne Nummer härter als wir, das wird so klar, wie nie zuvor.

Ein herrlicher Abend, nicht so lang wie die Legislaturperiode von Wladimir Putin, aber gerade genug, um gut gelaunt und entspannt nach Hause zu gehen. Wladimir Kaminer? Bester Mann!