1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorf soll Sommer-Kulturmetropole werden

Kultur öffnet wieder : Düsseldorf soll Sommer-Kulturmetropole werden

Das Asphalt Festival wird noch einmal größer. Die künstlerischen Leiter haben ein neues Konzept erdacht, das in diesem Jahr mehr Musik, Theater und Tanz bieten wird.

Bojan Vuletic und Christoph Seeger-Zurmühlen haben Düsseldorf im Jahr 2012 mit dem Asphalt Festival beschenkt, das den Sommer seither noch ein bisschen schöner macht. Dabei ist das Programm nicht bloß von luftiger Poesie getragen, sondern von expliziten künstlerischen Ansagen und spannungsreichen Produktionen. Vuletic und Seeger-Zurmühlen haben stets die gesellschaftspolitischen Fragestellungen und Ereignisse im Blick, weil sie finden, dass Kultur die Aufgabe hat, die Menschen daran zu erinnern, dass sie in einer Gemeinschaft leben, die von Respekt getragen wird, getragen werden muss.

Viel zu wichtig ist den Beiden diese Haltung, weswegen sie trotz der Pandemie-Einschränkungen im vergangenen Jahr ein fabelhaftes Festival auf die Beine gestellt haben: „Asphalt auf See“, mit schwimmender Bühne im Schwanenspiegel. Sie wird es auch in diesem Jahr wieder geben und dazu weitere Spielorte mit Musik, Theater und Tanz. Bespielt werden etwa die Freilichtbühne auf dem Gustaf-Gründgens-Platz, die Berger Kirche und das Central am Hauptbahnhof.

  • So starteten Ulrike und Marcel Seeger
    TV-Konditor Marcel Seeger aus Lobberich : 125 Jahre Café Seeger und zehn Jahre „Eis am Kreis“
  • Auch der Auftritt von Sandro Roy
    Live-Stream aus Leverkusen : Gypsy und Jazz zum Abschluss des Bayer-Festivals
  • Absagen und Pläne : Der Festival-Sommer 2021 in NRW - ein Überblick
  • Eine tanzende und feiernde Menschenmasse wird
    Wegen Corona-Pandemie : Veranstalter sagen Electrisize-Festival ab
  • Das Theater Duisburg (hier während Proben
    Veranstaltungen in Duisburg : Ein wenig Kultur für den Sommer
  • Tocotronic auf der Bühne.
    Sommer-Edition im Juli : Tocotronic spielen beim New Fall Festival

Zum ersten Mal ist das Asphalt Festival über einen Zeitraum von zweieinhalb Wochen zu erleben, also vom 30. Juni bis zum 18. Juli, was noch nicht das Ende ist, wie die künstlerischen Leiter jetzt angekündigt haben. „Wir haben uns in den vergangenen Monaten sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, wofür wir stehen“, sagt Seeger-Zurmühlen. „Fakt ist, wir befinden uns im Aufbruch.“ Ein neues und auf die Zukunft ausgerichtetes Konzept liege Stadt und Land bereits vor. Dieses sieht unter anderem eine längere Spielzeit, nämlich dreieinhalb Wochen vor, eine stärkere Einbindung der Stadtteile sowie einzelne Produktionen, die es im weiteren Verlauf des Jahres in der Stadt zu sehen geben wird. „Wir verstehen uns perspektivisch als Langzeitinszenierung“, sagen Vuletic und Seeger-Zurmühlen. Ziel sei es, „Düsseldorf als spannende Sommer-Kulturmetropole zu etablieren“.

Das diesjährige Festival startet am 30. Juni mit zwei Produktionen und einem Konzert an gleich drei Spielorten. Das Theaterkollektiv Pierre.Vers präsentiert in der Berger Kirche eine Uraufführung, die sich mit dem Majdanek-Prozess in Düsseldorf beschäftigt. In dem Verfahren wurden ab 1976 SS-Wächter und KZ-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek in Polen für ihre Taten angeklagt. Der Prozess ist einer der aufwändigsten und längsten Strafprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte und endete am 30. Juni 1981. Das Kollektiv, dessen künstlerischer Leiter Seeger-Zurmühlen ist, geht dem großen Thema der Erinnerung nach. Grundlage der Inszenierung sind Protokolle von Schülern und Studenten, die den Prozess damals mitverfolgt haben.

Ebenfalls zum Auftakt gibt es auf der Seebühne ein Jazzkonzert mit dem Cimbalon-Musiker Marius Preda. Bei dem Instrument handelt es sich um ein Konzertzymbal, dessen Metallsaiten mit Klöppeln geschlagen werden. Im Central am Hauptbahnhof wird parallel das Stück „Tanz“ der Choreografin Florentina Holzinger aufgeführt. Holzinger setzt sich darin in eigenwilliger, manchmal verstörender Weise mit dem romantischen Ballett auseinander.

„Es ist ein Festival der Gegensätze“, sagt Seeger-Zurmühlen. So divers wie die Gesellschaft, die Fragen, Ängste und Sehnsüchte der Menschen aktuell. Für das Programm heißt das: Punk der Düsseldorfer Band Joseph Boys und Soul der Pariserin Emy kommen ebenso auf die Bühne wie Lesungen mit Frank Goosen und Franzobel, Rap von Ebow oder die eigenwilligen „theatralen Liebesbeweise“ des Ensembles undBorisundSteffi bei ihrem Stück „Amore“. „Wir haben das Asphalt Festival mit der Überzeugung gegründet, mehr Orte mit Kultur aufzuladen“, sagt Seeger-Zurmühlen. „Wir werden uns weiter in die Stadt hineindenken und -arbeiten und versuchen, lokale Identität und Kunst mit internationaler Kultur zu verknüpfen.“