Düsseldorf: Schloss Jägerhof muss saniert werden - Baustelle Goethe-Museum

Schloss Jägerhof muss saniert werden : Baustelle Goethe-Museum

Das Museum im Schloss Jägerhof benötigt einen neuen Platz für seine Sammlung, nachgedacht wird über einen Erweiterungsbau. Auch das Haus selbst muss saniert werden, die Kosten könnten in die Millionen gehen.

Die beiden jungen Frauen aus den Niederlanden sind zu Besuch in Düsseldorf. Mode interessiert sie. Aber auch Kunst und Kultur. Den Vormittag verbringen sie im Goethe-Museum, ohne zu ahnen, dass sich dort glücklich eins zum anderen fügt. Das Haus präsentiert zurzeit eine Verbindung von Goethes Farbenlehre und dem Modelabel Akris. Es hat sich herumgesprochen, dass Museumsdirektor Christof Wingertszahn und sein Team kreative Mittel finden, um Goethes Bedeutung für die Gegenwart in Szene zu setzen. Im ersten Stock wird die aktuelle Debatte um künstliches Leben seiner Naturphilosophie gegenübergestellt. Im vergangenen Jahr behandelte eine Sonderausstellung die Parallelen von Zero-Künstler Heinz Mack und Goethe und zog bundesweit Interesse auf sich. Erst kürzlich wurde Wingertszahn im Rahmen einer Vortragsreihe in Thüringen und Sachsen quasi Goethes Schreibzimmer angeboten. Ein Verehrer des Dichters hatte dessen Arbeitsplatz nachbauen lassen.

Allein solche Geschichten bestärken Anne-José Paulsen darin, sich der Zukunft des Goethe-Museums zu stellen. Paulsen ist Vorsitzende des Kuratoriums der Anton-Kippenberg-Stiftung. Der Verleger Anton Kippenberg hatte seinerzeit eine umfangreiche Sammlung zu Goethe aufgebaut, sie bildet mit 50.000 Objekten das Fundament des Museums. Allerdings musste der Bestand im Jahr 2014 ausgelagert werden. Der Keller, in dem man die Sammlung deponiert hatte, war feucht und wurde zum Risiko für die Handschriften, Bücher und Kunstwerke. Bis heute. Die Versicherungssumme der Kostbarkeiten beträgt 50 Millionen Euro. Deswegen ist es fraglich, ob die Versicherung einer erneuten Unterbringung in den Kellerräumen überhaupt noch einmal zustimmen würde.

Derzeit befinden sich die Objekte in einem privaten Gebäude, wo eine adäquate Lagerung sichergestellt ist, die allerdings Geld kostet. Zudem gestaltet sich seither die Forschungsarbeit mühsam. Wingertszahn muss Anfragen nach Leihgaben ablehnen, obwohl er gemäß Stiftungsvertrag dazu verpflichtet ist. Im Hintergrund wird daher an einer langfristigen Lösung gearbeitet. „Wir möchten einen Erweiterungsbau für die Sammlung verwirklichen,“ sagt Paulsen. 450.000 Euro haben sie und Wingertszahn bereits eingeworben. Jeder Cent ist Ausdruck bürgerschaftlichen Engagements. Paulsen, die seit vielen Jahren Vorsitzende des Hochschulrats der Heinrich-Heine-Universität ist, weiß, wie wichtig Drittmittel sind und welche Sogkraft diese entfalten können, da sie, zumal im Kulturbereich, für Idealismus stehen. „Das ist eine tolle Leistung“, sagt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Es sei schön zu sehen, wie sehr sich die Menschen um die Schätze ihrer Stadt bemühten.

Die Erweiterung würde, von der Jacobistraße aus gesehen, links von Schloss Jägerhof verwirklicht und an das Museumsgärtchen grenzen. Rund 900.000 Euro müssen dafür insgesamt aufgebracht werden. Geplant ist ein schlichter Bau. „Wir könnten dort endlich wieder den barocken Hauptgiebel des ehemaligen Jagdzeughauses von Schloss Jägerhof anbringen“, sagt Paulsen.

Jedoch ist die Erweiterung nur eine Antwort auf die Frage nach der Zukunft des Museums. Eine umfassende Sanierung tut Not: Die Feuchtigkeit ist vom Keller in die Außenfassade gekrochen und beschädigt sie fortlaufend. Leitungen sind marode, die Elektrik und die sanitären Anlagen bedürfen einer Erneuerung, das Entrée ist nicht barrierefrei. Erst kürzlich wurden die beiden Bronzetafeln, die neben dem Eingang hingen und auf das Museum und die Kippenberg-Stiftung hinwiesen, gestohlen. Der Kulturausschuss will in seiner Novembersitzung über die anstehenden Arbeiten beraten. Nach Informationen unserer Redaktion liegen die Kosten für eine Sanierung inzwischen bei vier bis sechs Millionen Euro.

Anne-José Paulsen und Christof Wingertszahn würden im Zuge der Sanierung gerne eine weitere Idee verwirklichen. „Im Erdgeschoss könnte man ein Café einrichten“, sagt Paulsen. Auch für einen kleinen Museumsshop soll Platz sein. „Wir haben so viele außergewöhnliche Stücke und viele Ideen“, sagt Wingertszahn. „Daran möchten wir unsere Besucher teilhaben lassen.“